Digital native.

Die E-Klasse meistert den Daten-Highway so souverän, als wäre er die Autobahn.

Entwickler Sajjad Khan erklärt, wie das vernetzte Fahrzeug auf allen Straßen

neue Dimensionen des Komforts und der Sicherheit erreicht.

„Digital Vehicle and Mobility“.

Noch steht die Einstellung für das erste Fotomotiv nicht fest. Doch Sajjad Khan hätte da eine Idee: Die eine Hälfte seines Kopfes könnte realistisch abgebildet werden. Und die andere so, als würden die digitalen Visionen für den Autobau der Zukunft aus ihm herauswachsen. Artdirector und Fotograf schauen sich fragend an. Wie lassen sich Gedanken fotografieren? Noch dazu solche, die größtenteils geheim sind? Khan leitet in der Mercedes-Benz Entwicklung den Bereich „Digital Vehicle and Mobility“: Rund 1.000 Spezialisten arbeiten mit ihm an Soft- und Hardwarelösungen für das vernetzte Auto, unter anderem in Sindelfingen, den USA, Indien, Japan, Südkorea und China. Ihr Ziel: Autos sicherer machen und den Komfort erhöhen – durch Systeme, Apps und Services, die inner- und außerhalb des Fahrzeugs nutzbar sind.

Für die Fotos setzt sich Khan schließlich auch ans Steuer einer E-Klasse, während ein Beamer Einsen und Nullen auf sein Gesicht projiziert. „Das passt sehr gut“, sagt er, denn die neue E-Klasse sei das digitalisierteste Fahrzeug aller Zeiten. Und der binäre Code ist so abstrakt, dass er keine Neuentwicklung verrät. Seine Visionen erklärt Khan dann lieber im Interview.

Eine rundum exzellente Erfahrung.

Herr Khan, was ist wichtiger für ein Auto des Jahrgangs 2016: Motor oder Software?

Beides ist gleichermaßen bedeutsam. Wer einen Mercedes-Benz fährt, erwartet eine rundum exzellente Erfahrung – vom Geräusch beim Öffnen der Tür über die Fahrleistungen bis zur Darstellung nützlicher Informationen auf den Displays.

Aber die Bedeutung des Digitalen nimmt zu.

Das ist wahr. Wir wollen alle Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen, um Lebensqualität zu gewinnen. In den vergangenen 100 Jahren hat die Menschheit riesige Fortschritte durch klas­sische Ingenieurskunst gemacht – von Pferdekutschen bis zu Flugzeugen. In den nächsten 100 Jahren werden Computertechnologien unser Leben stärker prägen. Trotzdem bleiben mechanische Innovationen wichtig. Denn wir Menschen sind aus Fleisch und Blut, nicht virtuell.

Wie digital ist die neue E-Klasse?

Vernetzung im Auto gilt bei vielen noch als Modewort. Für uns aber ist das kein Trend, sondern längst Geschichte, Tatsache. Die neue E-Klasse setzt hier Maßstäbe. Sie ist das am besten vernetzte Auto, das man sich vorstellen kann.

Was heißt Vernetzung?

Vereinfacht gesagt: Im Auto steckt eine Art SIM-Karte, über die es mit dem Internet, Apps, Concierge- und eCall-Diensten, die wir exklusiv bereitstellen, kommunizieren kann. Die E-Klasse hat riesige digitale Fähigkeiten. Sie sind kein nettes Extra, sondern eine Vene des Autos, ein integraler Bestandteil. Die Vernetzung an sich ist dabei nur eine „enabling technology“, eine Technik also, die vieles ermöglicht. Die Frage ist: Was machen wir daraus?

Genau – und was machen Sie daraus?

Nur ein Beispiel: Die E-Klasse versorgt den Fahrer mit kontextbezogenen, maßgeschneiderten Informationen. Wenn Sie etwa einen Diesel fahren und der Kraftstoff zur Neige geht, zeigt Ihnen das Navigationssystem die Tankstellen auf dem Weg an – und gleichzeitig die Preise, die dort aktuell für Ihren Kraftstoff verlangt werden. Sie müssen kein Extra-Menü öffnen, keine App, Sie müssen gar nichts tun. Außer eine Tankstelle auswählen und sich dorthin navigieren lassen.

Ist das schon Car-to-X-Kommunikation?

Ja, ein Beispiel dafür. Denn das Auto greift auf externe Informationen zu. Wir sind sehr wählerisch, was die Auswahl angeht. Der Kunde muss einen echten Mehrwert haben. Vernetzung nur um der Vernetzung Willen wäre unsinnig. Wir werden unsere Kunden schon 2016 mit einigen herausragenden Features überraschen.

„24-Plus“.

Wann genau wird das sein?

Alle drei Monate stellen wir neue Software bereit. Theoretisch wäre es noch schneller möglich. Aber wir glauben, dass der Kunde nicht ständig Nachrichten über Updates in seinem Auto haben möchte. Wir verbreiten keine Hektik, sondern ausgereifte Produkte. Der Komfort im Auto wird sich dadurch stufenweise erhöhen.

Wie kann Software, im Unterschied etwa zu einem guten Fahrwerk, den Komfort erhöhen?

Wir nennen unseren Ansatz „24-Plus“. Der Grundgedanke ist, dass es eine physikalische Grenze gibt, die alle betrifft, ob König oder Handwerker: Jeder hat nur 24 Stunden pro Tag. Wir wollen, dass unsere Kunden Zeit hinzugewinnen. Durch mehrwertige Dienste und gezielte In­­formationen, die automatisch da sind, wenn sie gebraucht werden.

 

Macht Ihre Arbeit das Autofahren sicherer?

Ja, in der Art der Bedienung und der Logik der grafischen Benutzeroberfläche hat Sicherheit oberste Priorität. In der E-Klasse sind erstmals Touch Control Buttons ins Lenkrad integriert: Sie können darüber sämtliche Systeme mit Finger-Wischbewegungen steuern, ohne die Hände je vom Steuer zu nehmen. Sie brauchen sich nicht nach links oder rechts zu beugen, Ihr Blick bleibt permanent auf die Straße gerichtet.

Wird es bald keine Unfälle mehr geben?

Das ist unser Ziel. Verkehrsteilnehmer zu schützen, steckt in unseren Genen, seitdem hier Autos gebaut werden. Die Zahl der Unfallopfer ist bereits stark zurückgegangen. Die Digitalisierung wird da­für sorgen, dass sie auf nahe null sinkt – durch autonomes Fahren, Assistenz- und Informationssysteme.

Autonomes Fahren.

Wann wird die Null erreicht sein?

Ich wünschte, schon gestern. Aber der Erfolg hängt auch von äußeren Faktoren ab: von Verkehrsregeln und der externen Infrastruktur.

Was trägt Ihre Abteilung zur Verwirklichung des autonomen Fahrens bei?

Einer der Schlüssel, um selbstfahrende Autos  zu ermöglichen, sind hochauflösende Land- und Straßenkarten. Deshalb hat ein Konsortium aus Daimler AG, Audi und BMW kürzlich den Karten-Anbieter Nokia Here gekauft. Wir arbeiten daran, die Daten für autonomes Fahren nutzbar zu machen.

Was entgegnen Sie Kunden, die fürchten, durch die neue Technik künftig ein Stück ihrer Freiheit einzubüßen?

Ich denke, dass es wie bei jeder neuen Technologie eine Eingewöhnungszeit braucht. Autonomes Fahren steht noch vor zwei großen Herausforderungen: Erstens muss es technisch perfekt funktionieren. Zweitens müssen wir das Vertrauen der Kunden gewinnen, damit sie sich wohl mit der neuen Technologie fühlen. Letzteres ist auch eine Frage der „User Experience“: Wie kann der Fahrer gewiss sein, dass sein Auto die Umgebung besser einsieht und scannt als er selbst? Zum Beispiel, indem das System Informationen weiter­gibt, wenn es etwa zwei Straßenecken voraus bereits eine Gefahrensituation erkannt hat.

Arbeiten Sie daran, das Lenkrad irgendwann komplett abzuschaffen?

Nein, ich glaube, man wird die Wahl haben: Morgens freuen Sie sich wahrscheinlich, das Auto fahren zu lassen und in Ruhe ein paar Mails zu schreiben oder mit Ihren Kindern auf dem Weg zur Schule zu sprechen. An einem Sonntag, wenn die Sonne scheint, nehmen Sie lieber selbst das Steuer in die Hand und fahren mit ihrer Familie in die Berge. Autonomes Fahren wird unsere Möglichkeiten erweitern, nicht einschränken.

Ein wahrer Lichtblick.

„digital native“.

Die Digitalisierung, heißt es, revolutioniere gerade alle Lebensbereiche – was auch für die Mobilität und den Autobau gilt. Deshalb überrascht der erste Eindruck von der neuen E-Klasse: Sie ist ein Produkt dieses Zeitalters, ein „digital native“, ausgerüstet mit Weltneuheiten und Spitzentechnologie. Trotzdem hat man auf dem elegant taillierten Fahrersitz nicht den Eindruck von einer Welt im Umbruch. Eher von Ruhe, Eleganz, Sicherheit. Alles wirkt, als hätten mehr Sattler und Kunstschreiner daran mitgearbeitet als Informatiker. Mit der neuen E-Klasse ist Mercedes-Benz etwas Erstaunliches gelungen: Hinter dem Steuer der Limousine fühlt sich die digitale Revolution vielleicht zum ersten Mal so an, als sei sie abgeschlossen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei das Design, innen wie außen. Im Interieur ist die Hochtechnologie so eingebettet, dass sie völlig selbstverständlich wirkt. Unter einem durchgängigen Deckglas verbergen sich auf Wunsch zwei hochauflösende, brillante Displays, die jeweils 12,3 Zoll Bilddiagonale haben. Ein wenig sieht es so aus, als würde ein sehr großes, sehr schönes Smartphone in einer Landschaft aus Leder schweben – dezent in Szene gesetzt von einer LED-Ambientebeleuchtung, deren 64 Farben der Fahrer frei variieren kann. Auch das Design der Instrumente und Grafiken auf den Screens ist veränderbar: Zur Wahl stehen die Stile „Classic“, „Sport“ und „Progressive“.

Wer sein Telefon in die Ablage der Mittelkonsole legt, ist mit Comand Online auf Knopfdruck mit der Außenantenne und der Freisprechanlage verbunden – ein induktives Ladesystem speist zudem den Handyakku kabellos.

Exemplarisch dafür, wie natürlich die Digitaltechnik in der E-Klasse wirkt, steht auch das Lenkrad: In seine Speichen sind erstmals Touch Control Buttons integriert. Die ungefähr zwei Quadratzentimeter großen Buttons ermöglichen es, das gesamte Infotainmentsystem des Wagens per Fingerspitzen-Wischbewegung zu bedienen. Der Fahrer hat das Steuer so permanent in der Hand, die Straße im Blick – und das Lenkrad hat seine Stellung als wichtigstes automobiles Bedienelement zurückerobert. Wer sich dennoch mit anderen Eingabevarianten wohler fühlt, kann genauso gut das Touchpad mit Controller in der Mittelkonsole oder die Sprachsteuerung Linguatronic nutzen.

Die Vision vom vollautonomen Fahren.

Unterwegs unterstützen den Fahrer Assistenzsysteme, die die Vision vom vollautonomen Fahren sehr gegenwärtig erscheinen lassen. Auf Wunsch ist die E-Klasse mit dem Drive Pilot ausgerüstet. Dabei verhindert der Abstands-Pilot Distronic nicht nur ein zu dichtes Auffahren, sondern erlaubt der E-Klasse auf allen Straßentypen einem anderen Fahrzeug automatisch in korrektem Abstand zu folgen. Bis Tempo 210. Der Lenk-Pilot assistiert zudem in moderaten Kurven. Bis 130 Stundenkilometer ist er dabei nicht unbedingt auf deutlich sichtbare Fahrbahnmarkierungen angewiesen, sondern kann wie in einem Schwarm auch bei nicht eindeutigen Linien, wie in manchen Baustellen, oder sogar ohne Linien weiterhin aktiv eingreifen. Der radar- und kamerabasierte Aktive Spurwechsel-Assistent steuert die Limousine auf eine vorher ausgewählte Spur, zum Beispiel, um zu überholen. Staut sich der Verkehr, wird automatisch gebremst – und wieder selbstständig angefahren. Mit dem Remote Park-Pilot schließlich lässt sich das Auto per Smartphone-Fernsteuerung von außen einparken – praktisch bei engen Lücken und seit der Fernsehserie „Knight Rider“ für viele ein jetzt wahr gewordener Kindheitstraum.

Die E-Klasse ist etwas Besonderes.

Nicht nur das Design, das Interieur und die digitalen Fähigkeiten der neuen E-Klasse setzen Maßstäbe, sondern auch die Motoren und das Fahrwerk. Als einziges Auto seines Segments kann die E-Klasse mit einer Mehrkammer-Luftfederung ausgestattet werden. Air Body Control regelt dabei nicht nur das Niveau des Fahrzeugs, sondern auch den Federungskomfort an Vorder- und Hinterachse.

Als Motoren stehen zunächst ein Vierzylinder-Benziner und ein völlig neu entwickeltes Dieselaggregat zur Verfügung. Beide entfalten ihre Kraft serienmäßig über das Neungang-Automatikgetriebe 9G-Tronic. Weitere Motori­sierungen folgen – von den Sechszylindern bis zu Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Varianten.

Die E-Klasse ist etwas Besonderes und zugleich ein typischer Mercedes: Ihre Technik ist intelligent, das Design emotional. Und beides passt wie selbstverständlich zusammen. Die Digitalisierung ändert vielleicht doch nicht alles.

Die E-Klasse ist etwas Besonderes.

Nicht nur das Design, das Interieur und die digitalen Fähigkeiten der neuen E-Klasse setzen Maßstäbe, sondern auch die Motoren und das Fahrwerk. Als einziges Auto seines Segments kann die E-Klasse mit einer Mehrkammer-Luftfederung ausgestattet werden. Air Body Control regelt dabei nicht nur das Niveau des Fahrzeugs, sondern auch den Federungskomfort an Vorder- und Hinterachse.

Als Motoren stehen zunächst ein Vierzylinder-Benziner und ein völlig neu entwickeltes Dieselaggregat zur Verfügung. Beide entfalten ihre Kraft serienmäßig über das Neungang-Automatikgetriebe 9G-Tronic. Weitere Motori­sierungen folgen – von den Sechszylindern bis zu Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Varianten.

Die E-Klasse ist etwas Besonderes und zugleich ein typischer Mercedes: Ihre Technik ist intelligent, das Design emotional. Und beides passt wie selbstverständlich zusammen. Die Digitalisierung ändert vielleicht doch nicht alles.

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