Formensprache.

Das neue Coupé der C-Klasse macht sich gut vor großer Kunst.

Im Vitra Design Museum erklärt Direktor Mateo Kries,

was einen modernen Klassiker auszeichnet.

Mateo Kries.

Auf der Suche nach einem Design­klassiker muss er nicht einmal von seinem Stuhl aufstehen. Wenn er an seinem Schreibtisch arbeitet, sitzt der ­promovierte Kunsthistoriker auf einem Aluminium Chair, entworfen 1958 von Charles und Ray Eames, dessen Details ihn nach wie vor begeistern: „Sehen Sie diese Schraube, die das Lederpolster straff zieht? Eine geniale Idee, und zu ihrer Zeit sehr innovativ.“ Seit 2010 leitet der 41-Jährige zusammen mit dem kaufmännischen Direktor Marc Zehntner das Vitra Design Museum in Weil am Rhein.

Welche Rolle spielt Design heute?

Herr Kries, zu den Designklassikern kommen wir gleich. Erzählen Sie doch bitte erst einmal etwas über das Museum. Mit welchem Ziel wurde es 1989 gegründet?

Das Anliegen war, die Besucher darüber zu informieren, was Design eigentlich ist. Sie müssen sich vor Augen halten, dass der Begriff Design 1989 in Deutschland noch nicht so verbreitet war wie heute. Design war noch eher ein Nischen­phänomen und Spezialisten vertraut.

Wo liegen die Schwerpunkte der Sammlung?

Wir sammeln alles, was mit dem gestalteten Innenraum zu tun hat, also hauptsächlich Möbel des 20. Jahrhunderts. Auf diesem Gebiet gehören unsere Bestände weltweit zu den besten. Unsere Sammlungen umfassen aber auch Elektrogeräte wie die Braun-Klassiker von Dieter Rams, dazu noch Architekturmodelle und Textilien. Und wir verwahren Nachlässe von berühmten Designern, wie den Amerikanern Charles Eames und seiner Frau Ray oder des Dänen Verner Panton.

Welche Rolle spielt Design heute?

Eine andere als noch bei der Museumsgründung. Wenn wir jetzt von Design sprechen, meinen wir mehr als nur das einzelne Produkt. Mittlerweile redet man auch über das Design von Prozessen.

Wenn man sich ansieht, wie Facebook genutzt wird oder bestimmte Fernsehformate funktionieren, kann man feststellen, dass viele Menschen sogar ihre eigene Identität gestalten wie ein Designer. Oder denken Sie an Medizintechnik, Smart Materials und Nano-Design. Gestaltung bewegt sich inzwischen auch in Sphären, die nicht mehr mit dem bloßen Auge erkennbar sind. Design ist ein zentraler Faktor unserer Gegenwartskultur.

Sie zeigen gerade eine Ausstellung über das Bauhaus, die legendäre Kunsthochschule, die der Architekt Walter Gropius 1919 in Weimar gründete. Warum ist das Bauhaus fast hundert Jahre später noch relevant?

Die interdisziplinäre Arbeit, die dort praktiziert wurde, ist heute aktueller denn je. Dass ein Architekt mit einem Künstler kooperiert, dass man Wissenschaftler dazu holt und die Nähe zur Industrie sucht, das war seinerzeit revolutionär. Um seine berühmten Stahlrohrmöbel zu ent­wickeln, hatte Marcel Breuer die Junkers-Werke um Rat gefragt, einen Hersteller von Flugzeugen. Am Bauhaus wurde viel experimentiert, da gibt es eine Menge Parallelen, wie Innovationen im Jahr 2015 entstehen.

Wie geht die Ausstellung mit dieser Aktualität um?

Wir haben über die gesamte Ausstellung hinweg immer wieder Werke und Kommentare von zeitgenössischen Gestaltern eingestreut. Das reicht von einem Interview mit dem Architekten Lord Norman Foster bis zu dem sehr schönen Modell eines Auto-Innenraums von Mercedes-Benz. Damit wollen wir verdeutlichen, dass das Bauhaus zu einem Mythos geworden ist, zu einer Marke. Und wir haben die Schau wie eine Studioausstellung aufgebaut, so als seien die Bauhaus-Schüler mal eben kurz rausgegangen und hätten vorher noch schnell was an die Wände gepinnt. Insgesamt präsentieren wir ungefähr 250 Exponate.

Auf welche Bauhaus-Exponate sind Sie besonders stolz?

Ich bin sehr froh, dass wir den sogenannten Lattenstuhl zeigen können, den Marcel Breuer 1923 kreierte, kurz bevor er sein erstes Stahlrohrmöbel entwarf. Der sieht aus wie ein abstraktes Gemälde von Piet Mondrian, nur als Skulptur. Und dann haben wir in der Ausstellung eine Fotoserie des Berliner Künstlers Adrian Sauer, die mir persönlich sehr gefällt. Es existiert ja das große Missverständnis, dass es sich beim Bauhaus in erster Linie um einen Stil handelte: eckig, verchromt und mit schwarzem Leder bezogen. Oder weiß verputzt, mit Flachdach. Sauer hat die Bauhaus-Interieurs nachgestellt und in Farbe fotografiert. Das verändert die Wahrnehmung völlig, denn die Originale kennt man ja nur in Schwarz-Weiß.

Was muss geschehen, damit ein bestimmtes Design zum Klassiker wird?

Da ist zum einen der Faktor Zeit. Nach zwanzig, dreißig Jahren kann man das eine nicht mehr sehen, während das andere immer noch gegenwärtig wirkt. Wichtig sind auch Authentizität und Stringenz eines Entwurfs. Gute Gestaltung ist Resultat einer harten Auslese. Sie merken es einem Produkt an, ob diese Selektion, diese Sorgfalt, stattgefunden hat – oder eher nicht. Und man darf nicht vergessen, dass die Dinge, die wir heute als zeitlos ansehen, in der Zeit ihrer Entstehung immer auch ein radikales Statement waren. Wenn sich diese Radikalität im Nachhinein als Weitsichtigkeit erweist, dann entsteht ein Klassiker.

Autodesign.

Die Professoren und Studenten am Bauhaus haben keine Fahrzeuge entworfen. Inwieweit haben ihre Grundprinzipien trotzdem das Autodesign beeinflusst?

In den 1920er-Jahren gab es eine starke Hinwendung zum Funktionalismus. Die Autos, die damals entstanden, wirkten aber noch eher klobig. Das änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als man auch Autos reduzierter und funktionalistischer gestaltete. Dabei griff man zurück auf Thesen, die am Bauhaus kursierten. Und man darf natürlich nicht das Motiv der Geschwindigkeit vergessen, ein zentrales Element der Avantgarde. Bei den Automobilen der Nachkriegszeit erhielt die Geschwindigkeit eine äußere Form. Aerodynamik spielte eine immer größere Rolle, und das nicht nur, um den Benzinverbrauch niedrig zu halten. Seither geht es darum, die Form zu finden, die dem Automobil wirklich entspricht.

Gibt es Beispiele dafür, dass Autodesign auch das Design im Allgemeinen beeinflusst hat?

Natürlich, der Architekt Le Corbusier etwa war ein großer Autofan. Er besaß einen französischen Voisin, den er immer vor seinen Gebäuden parkte, wenn er sie fotografieren ließ.

Das Auto stand damals für das absolut Neue, und Le Corbusier wollte damit beweisen, dass seine Architektur genauso absolut neu war. Le Corbusier hat auch nicht umsonst von seinen Häusern als Wohnmaschinen gesprochen, als „machines à habiter“. Das Auto war zu seiner Zeit die Maschine schlechthin.

Wenn Walter Gropius, der erste Bauhaus-Direktor, sich heute für ein Mercedes-Modell entscheiden müsste, welches, glauben Sie, würde er wählen?

Gropius war eine elegante Erscheinung, sehr etabliert, auch gesellschaftlich. Ein Großbürger. Deshalb würde er sich heute bestimmt ein Modell vom oberen Ende der Produktpalette aussuchen, da bin ich mir sicher.

C-Klasse Coupé: Eine Klasse für sich.

Design und Technik.

Noch bevor der Fuß auf dem Gas­pedal liegt, erscheint alles ganz klar: die Frontpartie mit dem Diamantgrill, die lange Motorhaube und die geduckte Silhouette, die fließend in ein markantes Heck übergeht – der C 250 d ist ein Athlet. Doch dann nimmt der Fahrer Platz, blickt auf das sportiv-komfortable Interieur – und der automatische Gurtbringer macht das Anschnallen zum Erlebnis. So viel Bequemlichkeit war selten in einem Sportwagen. Das neue Mercedes-Benz C-Klasse Coupé vereint zwei Welten, die für gewöhnlich weit auseinanderliegen: die des Sports, in der Anstrengung, Verzicht und Trainingshärte gefragt sind, und die des Luxus, in der man es sich gut gehen lässt. Beide Sphären miteinander zu verschmelzen, das ist die große Kunst des Coupé-Designs. Im Automobilbau sind ­Mercedes-Benz in dieser Disziplin einige Klassiker gelungen, etwa der 300 SE aus der Adenauer-Ära oder auch die gediegenen Zweitürer der oberen Mittelklasse, Baureihe W 123, die bis 1985 gefertigt wurden.

Das neue Modell soll an diese Tradition anknüpfen. Thomas Weber, Entwicklungsvorstand bei Mercedes-Benz, drückt es so aus: „Unser neues C-Klasse Coupé setzt die Philosophie unserer faszinierenden Coupés fort. Es kombiniert packendes Design mit agiler Sportlichkeit und modernem Luxus.“

C 250 d Coupé: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,4-4,2 l /100 km, CO2-Emission kombiniert: 116-109 g/km

Mehr als ein klassisches Coupé.

Um der Dynamik des Fahrzeugs eine Form zu geben, ohne es mit Spoilern und Auspuffrohren zu überladen, müssen Designer Details herausarbeiten: Beim C-Klasse Coupé sind es etwa die frei stehenden Außenspiegel, die rahmenlosen Türen, die hohe Bordkante, die lang gezogene Charakterlinie und die im Vergleich zur Limousine um 15 Millimeter verringerte Bodenfreiheit. Dazu hat die Karosserie Konturen – keine übertriebenen, sondern die wohlproportionierten eines Athleten. Die strukturierten Flächen entfachen zudem ein permanentes Licht- und Schattenspiel auf dem Lack: Schon auf dem Parkplatz wirkt das Auto deshalb so, als sei es auf geheimnisvolle Weise in Bewegung. Kommt es dann in Fahrt, entfaltet sich das gesamte Erlebnisspektrum des neuen C-Klasse Coupés. Gegenüber seinem Vorgänger verbraucht dieses bis zu 20 Prozent weniger Kraftstoff. Dazu trägt der geringe Luftwiderstand mit einem cW-Wert von 0,26 ebenso bei wie der Leichtbau: Dank eines Materialmixes aus Aluminium-Bauteilen und hochfesten Werkstoffen wiegt der Neue weniger als sein Vorgänger – obwohl er um 95 Millimeter länger und 40 Millimeter breiter ist. Das Gefühl, in einem ganz besonderen Coupé zu sitzen, verstärkt sich unterwegs – nicht nur wegen der Sportsitze in Integraloptik oder des optionalen Head-up-Displays. Hightech-Helfer wie Brems-, Lenk- und Spurhalteassistenten machen teilautonomes, stressfreies Dahingleiten möglich.

Überraschend dynamische Seite.

Die neue Vierlenker-Vorderachse und die direkte Lenkung vermitteln dagegen den Grip und die Seitenführung eines Sportwagens. Über den Dynamic Select Schalter lassen sich fünf verschiedene Fahrmodi wählen. Wer im Programm „Sport+“ fährt und – in der Ausstattungsvariante AMG Line – eine flotte Sohle auf die Sportpedalanlage legt, dem zeigt sich das C-Klasse Coupé von seiner überraschend dynamischen Seite.

Überraschungen hat der Zweitürer noch mehr an Bord: Das Klimasystem nutzt die Satellitennavigation, erkennt Tunnel, schließt vor der Einfahrt die Umluftklappe und sorgt so für eine hohe Luftqualität im Inneren. Hoch hinaus geht es auch mit der 360°-Kamera, die das Auto aus einer virtuellen Vogelperspektive zeigt und so das Rangieren und Parken erleichtert.

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