Im Reich der Fantasy.

Seit in Dubrovnik die Fantasy-Serie „Game of Thrones“ gedreht wurde, ist die kroatische Stadt wieder in aller Munde.

Der malerische Ort eignet sich nicht nur als Filmkulisse.

Von der Stadtmauer aus betrachtet sieht der Stradun, die Hauptstraße der Altstadt, aus wie ein einziger Laufsteg. Die Pflastersteine sind von den Füßen der Besucher blank gewetzt, überall flackern Blitzlichter von Kameras in der Dämmerung auf. 43.000 Menschen leben in Dubrovnik, nur noch etwa 1.000 davon in der Altstadt, die seit 1979 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Familien mit Kindern ziehen lieber in die neueren Stadtviertel im Hinterland. In der Altstadt sind Autos verboten, außerdem gibt es 160 Treppen, über die alles geschleppt werden muss.

Berg - und Talfahrt in der Altstadt von Dubrovnik gibt es 160 Treppen.
Vedran Perojevic hat mehrere Jahre lang in China gelebt und gearbeitet.

Rückkehr junger Einheimischer.

Erst in letzter Zeit kehren junge Einheimische in das historische Zentrum zurück, sie versuchen den vielen Billig- Souvenirshops etwas entgegenzusetzen. Der Koch Vedran Perojevic etwa, der im Restaurant Azur asiatisch angehauchte mediterrane Küche bietet. Oder die Schmuckdesigner Simona und Marko Farac, die einzigartige Stücke aus Korallen, Gold und Silber fertigen.

Der beste Ort, um frische Muscheln aus Mali Ston in Dubrovnik zu probieren, ist das Buffet Kamenice mitten in der Altstadt.

Dubrovnik ist eine ästhetische Stadt.

Selbst Hinweisschilder für den nächsten „Frizerski Salon“ sind kunstvoll gestaltet: elegant geschwungene weiße Buchstaben auf rotem Samt. Am kleinen Markt liegen auf Holztischen Zucchiniblüten, Pfirsiche, kandierte Bitterorangen und gebrannte Mandeln.

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt merkt man, wie wichtig die Kultur den Einwohnern ist. An jeder Ecke ist eine Galerie, aus dem einstigen Katharinenkloster, das jetzt eine Musikschule ist, sind Cello- und Klavierklänge zu hören, auf dem Stradun spielt eine Blaskapelle.

Grosse Oper: Die 20-jährige Laura Hladilo träumt von einer Karriere als Opernsängerin, aber dafür müsste sie ihre Heimat verlassen.

Kultur als Teil der DNA.

Die kleine Stadt leistet sich ein Symphonieorchester, ein Theater, eine Musikhochschule und drei Kinos unter freiem Himmel; die Sommerfestspiele mit klassischen Konzerten sind europaweit bekannt. „Die Kultur ist in unserer DNA verwurzelt“, sagt Laura Hladilo, 20. Die junge Frau ist Sängerin, sie arbeitet auf diesen Beruf hin, seit sie 15 Jahre alt ist. Schon ihre Großmutter war Opernsängerin. Laura hofft auf eine Karriere an einer der großen europäischen Bühnen. Sie schätze zwar die familiäre Atmosphäre in ihrer Heimatstadt, aber um künstlerisch Erfolg zu haben, müsse sie nach Berlin, Wien oder Paris, befürchtet sie.

Miho Hajtilovicć ist noch nie auf die Idee kommen, seine Heimat zu verlassen.

Der Fischer steht in der kleinen Luke seines Boots, in der einen Hand das Ruder, in der anderen seine Zigarette. Man sieht ihm nicht an, dass er 83 Jahre alt ist. Mit fünf Jahren fing er mit dem Fischen an, seitdem dreht er fast täglich seine Runden vor Dubrovnik. Früher gab es noch 40 hauptberufliche Fischer in der Stadt, mittlerweile ist er einer der letzten seiner Art. „Die Fischer sterben aus, das ist ein anstrengender Beruf“, sagt der alte Mann, aber er wirkt nicht bitter. Hajtilovicć hat sein bescheidenes Boot nach seinem Enkel benannt: „Mali Ivan“, das heißt kleiner Ivan. Ivan ist so alt wie das Boot, 35 Jahre, und hat seinem Großvater versprochen, mit der Fischerei weiterzumachen, obwohl es sich kaum noch lohnt. Früher waren die Netze meistens voll, mein Opa hatte 70 bis 80 Prozent Erfolg bei seinen Fahrten“, erzählt Enkel Ivan, „heute sind es allenfalls 30 Prozent.“ Die Gewässer sind überfischt. Der Lärm von Kreuzfahrtschiffen, Jetskis und Fähren vertreibt die Tiere. Trotzdem, der alte Fischer weiß, wo er mit der „Parangal“, einer Langleine, das eine oder andere Prachtexemplar aus dem glasklaren Wasser ziehen könnte, aber er verrät es nicht.

Mit fünf Jahren fing Miho Hajtilovicć mit dem Fischen an. Heute, mit 83 Jahren, fährt er immer noch regelmäßig mit seinem Boot raus.

Nur ein paar Kilometer von Dubrovnik entfernt liegt die Insel Lopud mit ihren einsamen Buchten.

Speer gegen Hai.

Vor der Insel Lokrum, gegenüber der Altstadt, drosselt der Fischer den tuckernden Dieselmotor. Hier wurden für „Game of Thrones“ Szenen aus dem Königreich Qarth gedreht, das in der Serie ein Wüstenland ist. In Wirklichkeit gibt es auf der parkähnlichen Insel einen botanischen Garten. Die Fantasy-Serie interessiert Miho Hajtilovic nicht, er hat kein Internet, kein Auto und lebt in einer bescheidenen Wohnung. Aber man hat nicht den Eindruck, dass ihm etwas fehlt. Im Gegenteil, sein Leben ist aufregend genug. „Mein Opa war früher eine Art Robin Hood der Speerfischerei“, berichtet der stolze Enkel. Einmal fand ein Schwimm-Marathon vor der Küste statt, und Miho Hajtilovic entdeckte von seinem Boot aus einen Hai. Der Fischer fackelte nicht lange – und spießte den Raubfisch mit seinem Speer auf. Dafür wird er noch heute als Held gefeiert. Anglerlatein? Vielleicht. Aber die Hai-Geschichte klingt immer noch glaubwürdiger als das meiste in „Game of Thrones“.

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