Das Golf Heiligtum.

Bei keinem anderen sportlichen Wettkampf spielt Tradition so eine große Rolle wie hier beim wichtigsten Golfturnier der Welt.

  • Das Masters in Augusta – Das Golf Heiligtum

  • Dies ist der tiefe Süden der USA, eine Szenerie wie aus einer anderen Zeit:

    Wenn sich das große Tor des Augusta National Golf Clubs an der Washington Road im Städtchen Augusta öffnet, beginnt für die Spieler eine Reise in eine andere, eine besondere Welt. Ihr Blick fällt auf die Magnolia Lane, diese Allee mit ihren 60 uralten Bäumen, den überhängenden Zweigen. An ihrem Ende wartet das alte Südstaaten-Clubhaus in strahlendem Weiß. Blumenrabatten leuchten im Vordergrund.

    „Das Masters ist das einzige Turnier, das ich kenne, bei dem man erst einmal schlucken muss, wenn man durch das Einfahrtstor kommt“, hat der dreifache Champion Gary Player einst gesagt. „Augusta ist einfach ein Traum, da will jeder hin, egal ob Profi oder Amateur,“ pflichtet ihm Bernhard Langer bei.

    Nur für Sieger: das grüne Jacket.

    30 Jahre ist es im April her, dass Deutschlands erfolgreichster Golfer hier im US-Bundesstaat Georgia seinen ersten Major-Titel gewann. Am Finalsonntag 1985 stand der 27-Jährige in seinem knallroten Outfit vor der Terrasse des Clubhauses und bekam bei der Preisverleihung das Grüne Jackett für den Sieger übergestreift. Eine besondere Liasion hatte begonnen. 95 Turniere weltweit hat Langer bis heute gewonnen. Er ist der Dauerbrenner unter den Weltstars, 96-facher Major-Teilnehmer. Zweimal hat er den Masters-Titel geholt, nach der Premiere 1985 noch einmal 1993. Nach all diesen Jahren resümiert er: „Dieses Turnier ist noch immer etwas Besonderes.“ Den Traditionen kommt beim einzigen Major-Turnier der Saison, das immer auf dem gleichen Platz ausgetragen wird, ein ganz besonderer Stellenwert zu. Auch weil das Grün in Augusta nicht nur von Golfprofis geschätzt wird. US Präsident Eisenhower zum Beispiel, ist einer von ihnen; er hat hier während seiner Amtszeit fast seine komplette Freizeit verbracht. Für den Bridge-Fanatiker hielt der Club jederzeit drei Spielpartner bereit, für den Fall, dass der Präsident, für den auch ein eigenes Cottage auf der Anlage gebaut wurde, einmal etwas anderes als Golf spielen wollte. Doch so sehr er die Ruhe des Platzes genoss – mit einer Pinie am 17 Loch konnte sich Eisenhower nie anfreunden, ein ums andere Mal landete sein Ball an diesem Stamm.

    Dem präsidialen Wunsch, den großen Baum doch einfach zu entfernen, kam der damalige Geschäftsführer Clifford Roberts nie nach. Erst 2014 fiel der Baum, der längst den Namen Eisenhower Tree trug, einem Eissturm zum Opfer. Eines wird sich jedoch niemals ändern: Die Tradition des „Green Jacket“. Das Kleidungsstück gilt beim Masters als Erkennungsmerkmal. Während der Turnierwoche sind die Mitglieder in Grün leicht zu erkennen. Dabei gilt auch für das Jackett, das ansonsten nur noch Masters-Champions besitzen, eine spezielle Regel. „Solange ich beim Turnier auf dem Gelände bin, darf ich es tragen“, erklärt Langer eine der unzähligen Augusta-National-Traditionen.

    Tickets sind ein Lotteriespiel.

    Der Etikette und den Gepflogenheiten des Clubs, in dem seit 1932 Golf gespielt wird, können sich selbst die Masters-Sieger nicht entziehen. Nur bei diesem Turnier müssen ihre Caddies weiße Overalls tragen, nur hier haben Trainer auf der Spielbahn selbst während der Übungsrunden keinen Zutritt. Zu den Masters-Ritualen gehört auch, dass Bernhard Langer als Ex-Sieger nun alljährlich automatisch eine Einladung erhält. Die ehemaligen Champions führen traditionell Neulinge in den Platz ein, Martin Kaymer hat deshalb bei fast allen seinen Masters-Starts Proberunden mit Langer bestritten. Einzigartig ist, dass Masters-Teilnehmer am Sonntag vor Beginn der Turnierwoche einen Gast mit auf den Platz mitnehmen dürfen: „So hatte ich die Gelegenheit, mit besonders guten Freunden oder jemandem aus der Familie zu spielen, was sonst bei keinem anderen Major geht“, sagt Langer. Auf diese Art und Weise bekommt das Turnier am Sonntag einen sehr familiären Anstrich. Ein weiteres Highlight ist der Turnierauftakt am Donnerstag mit dem Abschlag der sogenannten Honorary Starter Gary Player, Jack Nicklaus und Arnold Palmer an Tee eins. Tiger Woods hat es „eine der ältesten und besten Traditionen des Spiels“ genannt. Auch der Verkauf von Eintrittskarten ist in Augusta eine Besonderheit: Seit 1972 sind sie nur noch über eine Lotterie zu ergattern. Handys sind tabu, weshalb sich alljährlich lange Schlangen vor den fest installierten Telefonzellen bilden.

    Die Eiscremewaffel für zwei Dollar gehört ebenso zum Standardmenü wie das Pimento-Cheese- Sandwich für 1,50 Dollar, das beliebt wie eh und je ist. Pommes frites waren nie im Angebot, weil der erste Geschäftsführer des Clubs, Clifford Roberts, sie für ungesund hielt. Und egal ob Cola, Sandwich oder Limo: Verpackt wird alles in Knallgrün. Nur das kleine grün-gelbe Logo des Clubs prangt auf Servietten, Wasserflaschen oder T-Shirts. Das Masters und der Augusta National Golf Club sind eine werbefreie Zone – im heutigen Spitzensport weltweit einmalig. Dementsprechend begehrt sind die Sponsorenplätze, die Chairman Billy Payne an ausgewählte Firmen vergibt. Mercedes- Benz etwa ist seit 2008 International Sponsor und übernahm 2014 einen Platz als Global Sponsor.

    Mit der Nagelschere manikürt.

    All diesen Regularien zum Trotz fasziniert das Turnier mehr als jedes andere. „Das 13. Loch ist für mich eines der attraktivsten und tollsten Golflöcher, die man spielen kann,“ erklärt Langer. Das Par 5, ein langes Loch mit 460 Metern, ist die perfekte Kombination aus spielerischer Herausforderung und Optik. Hohe Bäume und ein Bach, ein perfekt eingebettetes Grün und eine Vielzahl von leuchtend blühenden Büschen ergänzen sich zu einer Einheit. „Es sind noch immer die kompliziertesten 18 Grüns, die wir im ganzen Jahr spielen“, ist Langer von der Schwierigkeit des Platzes überzeugt. „Als ich 1982 zum ersten Mal da war, habe ich den Cut verpasst mit elf Schlägen hinter dem Ersten nach 36 Löchern. Ich hatte elf Dreiputts auf 36 Löchern gemacht – der helle Wahnsinn. So ondulierte Grüns hatte ich noch nie erlebt, so wellig und schnell.“ Die Verantwortlichen des Clubs haben seit der ersten Ausrichtung des Turniers im Jahr 1934 Maßstäbe gesetzt, wenn es um perfekte Platzpflege geht.

    Wie mit der Nagelschere manikürt stehen die Grashalme in Reihe. Kein braunes Fleckchen trübt den Anblick der sattgrünen Bahnen. Laubbäume hat man über die Jahre systematisch entfernt, damit keine abgefallenen Blätter die Optik stören. Stets ist der Zustand der Spielfläche perfekt, auch wenn es besondere Maßnahmen erfordert. Unter den Grüns entzieht ein spezielles Leitungssystem bei starkem Regen überflüssige Nässe. Nur das Beste vom Besten ist für Augusta eben gut genug.

    Bühne für die Besten.

    Nur einmal im Jahr, zum Masters, bekommt die Öffentlichkeit dieses perfekte Bild präsentiert. Dann wird diese Welt hinter den meterhohen Hecken zur Bühne für das Who’s who im Golf. Profis jagen an Löchern namens White Dogwood oder Golden Bell nach Birdies. Titelträume zerbrechen auf den herausfordernden Grüns. Die Azaleen blühen wie auf Befehl in allen Rosatönen. Knisternde Spannung und freudige Erregung liegen in der Luft. Kurz vor Sonnenuntergang wird am Sonntagnachmittag der Champion gekürt. Die Masters-Woche – sie bleibt einmalig, bezaubernd und hinterlässt Jahr für Jahr den charmanten Eindruck ein eigenes Universum zu sein.

    The Masters Website Bernhard Langer Website

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