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Schauspieler Til Schweiger über seinen inneren Antrieb - und die Lust, Gastgeber zu sein.

„Ich will alles so gut wie möglich machen.“

Herr Schweiger, Ihr Antrieb scheint unermüdlich. Woher kommt Ihr Ehrgeiz nur?

Ehrgeiz ist mir zu negativ besetzt. Ich will alles so gut wie möglich machen. Wenn ich etwas anpacke, dann meine ich es ernst – hier mal rumdaddeln, da mal rumdaddeln, da hatte ich noch nie Bock drauf. Im Gegensatz zu meinen beiden Brüdern habe ich mich zum Beispiel akribisch aufs Abitur vorbereitet. Bin morgens um 5 Uhr aufgestanden, habe mein Sportprogramm durchgezogen, gelernt, bin in die Schule und habe danach wieder gelernt und gelernt. Keine Party, kein Weggehen. Mit einer ähnlichen Entschlossenheit mache ich auch meine Filme. Eigentlich alles in meinem Leben.

Gestatten Sie sich auch mal einen Fehler?

Vor allem beim Barefood Deli, meinem Restaurant, habe ich sehr viele Fehler gemacht. (lacht) Aber nur der, der bereit ist, Fehler zu machen, kann auch etwas erreichen. Kennen Sie die geniale Rede des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt, „The Man in the Arena“?

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„The Sky is the limit.“

Ehrlicherweise nein.

(grinst) Da hab ich gedacht, das passt zu mir: „Die Ehre gebührt dem, der tatsächlich in der Arena steht, dessen Gesicht mit Staub und Schweiß und Blutverschmiert ist; der tapfer strebt; der sich irrt, wieder und wieder scheitert, weil es kein Fortkommen ohne Irrtum und Fehler gibt.“ Eine Wahnsinnsrede.

In Deutschland gibt es nicht viele Schauspieler mit vergleichbarer Umtriebigkeit auch jenseits des Filmsets, in den USA schon eher: Robert De Niro mit seinen Sushi-Restaurants, vor allem aber Paul Newman mit „Newman’s Own“, seinem Imperium von Bio-Lebensmitteln. Waren diese Kollegen Vorbilder für Sie?

Ich habe keine echten Vorbilder. Aber ich halte Paul Newman für einen der ganz Großen. Und ich sage meinen Leuten: The Sky is the Limit. Think Newman’s Own. Der hat mit einer Salatsoße angefangen und daraus ein Imperium geschaffen. Alles ist möglich.

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Filme erlebbar machen.

Produktionsfirma, Restaurant, eigenes Bier, Modekollektionen, bald ein Hotel – Sie sind ein Konzern in Personalunion. Wie kam es dazu?

Im Boxen sagt man „Rolling with the Punches“ – eins ergab das andere. Ich bin ja nur aus Verlegenheit Schauspieler geworden, weil das mit meinem Traumberuf Lehrer nicht geklappt hat. Anfang der 1980er-Jahre gab es diese Lehrerschwemme. Das hätte keinen Sinn gemacht, sich da auch noch in die Schlange einzureihen.

Aber reicht es nicht, Schauspieler, Autor und Blockbuster-Regisseur zu sein?

Ich hatte nie den Plan, ein Restaurant oder Hotel zu eröffnen. Aber als jemand auf mich zukam mit der Idee, meine Filme erlebbar zu machen – also Barefoot Living zu gründen, den Onlineshop – da fand ich die Idee zwar gut, aber etwas virtuell.

Ich habe dann in einem Interview nur so dahingesagt, wie cool es wäre, wenn wir gleich ein ganzes Hotel entwerfen würden. Dieses Interview las Mirko Stemmler und rief mich an, wir wurden Unternehmenspartner – und zwei Jahre später ist das Hotel jetzt da. Im Juni wird es eröffnet.

Ruhe ist nicht Ihre Sache, oder?

Also, zwei Wochen in meinem Haus auf Mallorca sein, am Pool ausspannen, mit meinen Hunden spielen – das ist wunderbar. Aber dann wird es mir langweilig. Dann fange ich sofort wieder an, Pläne zu schmieden. Wie die Barefood Bakery.

Til Schweiger geht unter die Bäcker?

Die kommt auch noch dieses Jahr in Hamburg.

„Zwei Dinge sind mir wichtig: Ehrlichkeit und Leidenschaft.“

Wie leicht fällt es Ihnen denn, zwei Wochen am Pool allein auszuspannen?

Je älter ich werde, umso schlimmer wird es für mich, allein zu sein. Einfach mal durchatmen und nur für sich allein sein, einen Tag lang – okay. Aber für so etwas bin ich einfach nicht gestrickt. Als Kind habe ich dann viel gelesen, aber jetzt komme ich gar nicht mehr dazu. Ich habe Freunde, die wandern den Jakobsweg. Aber ich habe halt gerne viele Leute um mich. Bringe Menschen zusammen, bei Abendessen, in meinem Haus auf Mallorca und auch schon in Malibu – Leute, die sich noch nicht kennen, von denen ich aber das Gefühl habe, dass sie sich gut verstehen würden. Im besten Fall werden dann Freunde daraus, manche arbeiten inzwischen zusammen oder geben sich gegenseitig Jobs.

Ist es das, was Sie antreibt, bei allem, was Sie machen: ein guter Gastgeber zu sein?

Ich ziehe eine große Befriedigung daraus, produktiv zu sein, wenn etwas geschaffen wird. Auch wenn es nur ein schönes Gefühl ist. Zum Beispiel habe ich ständig Leute in meiner Finca auf Mallorca zu Besuch. Ich selbst bin eher selten da. Aber die Fotos und Geschichten auf WhatsApp mitzubekommen, das macht mich froh.

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„Ich vertraue auf meinen Bauch.“

Ein Firmenimperium baut man nicht alleine auf, dafür braucht man ein Team – nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Leute aus?

Zwei Dinge sind mir wichtig: Ehrlichkeit und Leidenschaft. Inzwischen sagt mir meine Intuition ziemlich schnell, ob jemand ein ehrlicher Mensch ist. Und das mit der Leidenschaft stellt sich im Alltag auch schnell heraus: Kommt jemand mit Spaß zur Arbeit? Brennt jemand für das, was er macht? Ich versuche mich mit Menschen zu umgeben, die nicht nur gut sind, sondern ein Feuer in den Augen haben.

Gibt es Menschen, die Til Schweiger widersprechen und mit denen Sie unternehmerische Entscheidungen besprechen – also echte Sparrings­partner?

Ich brauche keinen Sparringspartner, höchstens beim Boxen. (lacht) Ich vertraue auf meinen Bauch. Meine Exfrau hat mir manchmal vorgeworfen, ich sei zu „opinionated“, würde zu schnell meine Meinung hinausposaunen. Aber wenn ich jetzt auf mein bisheriges Leben zurückblicke, muss ich sagen: Ich lag nur in den Entscheidungen daneben, in denen ich nicht auf meinen Bauch gehört habe.

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„Ich bin ein Glückskind.“

Sie treffen wie kaum ein Zweiter den Geschmack sehr vieler Menschen in deutschen Wohnzimmern und Kinosälen. Woher haben Sie diese Sicherheit?

Ich glaube, dass ich ein unheimlicher Mainstream-Charakter bin. Ich mag Mainstream-Musik, ich mag Mainstream-Filme. Für meine letzten Filme habe ich vier Lieder herausgesucht, die dann später Nummer-eins-Hits wurden. Und in meinem Res­taurant läuft zwar noch vieles schief, aber es gibt niemanden, der hereinkommt und sagt, das ist aber ungemütlich hier. Vor allem Journalistinnen sagen mir, ich hätte einen weiblichen Geschmack. Mir egal, manche mögen es „weiblich“ nennen, ich nenne es schlicht „zeitlos“.

Darf man sich Til Schweiger als glücklichen Menschen vorstellen?

Auf jeden Fall. Ich bin ein Glückskind.

Das heißt?

Das heißt jetzt nicht, dass ich jeden Morgen lachend aufwache – die Welt sieht ja gerade auch nicht nur funkelnd aus. Aber ich kann sagen, dass ich ein erfülltes Leben lebe. Ich habe mich sehr selten in meinem Leben gefragt: Wann ist endlich Wochenende? Ich habe Freude an dem, was ich tagtäglich mache. Und das ist der Hauptmotor bei allem, was ich tue: der Spaß.

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