Wir verbringen zwei Tage in Athen, wo eine junge, kreative Generation Schönheit neu definiert – und einen eigenen Lifestyle propagiert.

48 Stunden in Athen.

Wir verbringen zwei Tage in Athen, wo eine junge, kreative Generation Schönheit neu definiert – und einen eigenen Lifestyle propagiert.

: Gabriel Tamez
  • 48 Stunden in Athen.

  • Die untergehende Sonne ertrinkt in den Wogen und taucht deren königliches Blaugrün kurz in rose-goldene Töne. Die schlafenden Yachten und Straßenlaternen im Hafen von Flisvos begrüßen die angenehme Ruhe. Umgeben von flirrenden Bergsilhouetten beobachte ich, wie Athen sein Tempo zum Tagesende allmählich heruntertaktet. Doch für mich beginnt die Nacht erst – denn ich treffe die Kreativen, die in diesem Wunderland zuhause sind. Gleich die erste Griechin, mit der ich hier verabredet bin, heißt passenderweise Athina. Vom Vordersitz des Autos dreht sie sich ungläubig zu mir um: „Wie, du hast noch nie traditionelle griechische Küche probiert?“ Athina Panou ist nicht nur meine heutige Begleitung, sondern auch eine der wenigen Food-Fotografen und -Stylisten dieser Stadt.

    Die schlafenden Yachten und Straßenlaternen im Hafen von Flisvos begrüßen die angenehme Ruhe.

    Nebenbei betreibt sie das Food-Blog Sugarbuzz, doch aktuell ist ihre Mission eine andere: Es gilt, mein kulinarisches Defizit auszugleichen.

    Ein erfrischend-sommerliches Abendessen: griechischer Salat, Pita-Brot, ein Tsatsiki-Joghurt-Dip, winzige Käsefladen namens Tyropitakia und traditionelle Koulouria-Kekse.

    Erster Gang.

    Mindestens ebenso ernst wie das Essen nimmt Athina ihre Gastgeberpflichten, sodass mein Athen-Abenteuer in ihrer großzügigen Wohnung im nördlichen Marousi-Bezirk seinen Anfang nimmt. Im Handumdrehen hat sie uns ein erfrischend-sommerliches Abendessen zubereitet: griechischer Salat, Pita-Brot, ein Tsatsiki-Joghurt-Dip, winzige Käsefladen namens Tyropitakia und traditionelle Koulouria-Kekse, die selbstverständlich aus dem eigenen Ofen stammen. Erst 48 Stunden später wird mir klar, dass dieses Dinner mit Athinas Freunden nur der Auftakt eines wahren Schwalls kulinarischer, designorientierter, historischer und modischer Erlebnisse sein sollte, die Griechenlands Hauptstadt zu bieten hat.

    Luxus auf sieben Ebenen.

    Abseits der ausgetretenen Pfade und üblichen Architektur-Highlights erkunde ich in der Filellinon-Straße lieber das griechisch-brasilianisch inspirierte NEW Hotel. Die neuen Betreiber haben die ursprüngliche Fassade des Baus vor dem Abriss bewahrt und stattdessen jungen Architekten bei der Neuerfindung des Innenausbaus kreativen Auslauf gelassen. Auf sieben Stockwerken liefern tropische Hölzer, goldene Beschläge und die alte Marmortreppe dem kultivierten Globetrotter, der modernen Luxus einmal anders erleben möchte, nun ein wunderschönes Setting. In Sonnenbrille, bauschigem, schwarzen Hemd und lachsfarbener Hose betritt die Eventmanagerin Elena Lissaiou die Lobby – eleganter, mediterraner Chic in Reinform.

    Abseits der ausgetretenen Pfade und üblichen Architektur-Highlights erkunde ich in der Filellinon-Straße lieber das griechisch-brasilianisch inspirierte NEW Hotel.

    Sie begleitet mich zum NEW Taste-Hotelrestaurant, wo Original-Holzelemente – ähnlich wie bei Arne Quinzes Design für das Pariser L’Eclaireur – in austreibende Baumstümpfe verwandelt wurden, worunter man es sich auf weichem Samtmobiliar bequem machen kann. Chefkoch Steven Frost versorgt seine hungrigen Fans mit erstklassiger moderner Küche und saisonalen mediterranen Menüs. Auf Elenas Anraten probiere ich auch den Kaffee, denn „hier bekommt man wirklich guten Kaffee, was in Athen sonst eher schwierig sein kann.“

    Auf sieben Stockwerken liefern tropische Hölzer, goldene Beschläge und die alte Marmortreppe dem kultivierten Globetrotter, der modernen Luxus einmal anders erleben möchte, nun ein wunderschönes Setting.

    Unterwegs mit Nileta.

    Der Espresso ist mindestens so gut wie angekündigt, und ich genieße jeden Schluck. Auch die rendezvous-prädestinierte Kulisse trägt zu diesem Erlebnis bei, und ich warte entspannt auf Nileta Kotsikou, die „Archivarin“ der griechischen Kreativszene. Jenseits der üblichen Touristenfallen entführt sie mich auf eine aufregende Tour mit Stippvisiten bei Architekten, die gerade eine Dachbar planen, oder Designern, die es sich mit ihren Studios in vermeintlich verlassenen Gebäuden bequem gemacht haben, aber auch kleine Pausen mit griechischem Kaffee in versteckten Hofcafes stehen auf ihrem Programm.

    Mit zwei griechischen Philosophen verplaudern wir uns schließlich bei einem ausgedehnten Mittagessen in einem hundertjährigem Kellerrestaurant.

    Mit zwei griechischen Philosophen verplaudern wir uns schließlich bei einem ausgedehnten Mittagessen in einem hundertjährigen Kellerrestaurant.

    Nicht zuletzt dank ihrem Projekt imatiothiki (griechisch für: „Kleiderschrank“) gilt Nileta mittlerweile als eine der ersten Anlaufstelle für Design- und Lifestylefragen. Im Rahmen ihrer sehr persönlichen, filmischen Bestandsaufnahme lernen wir eine sorgfältig kuratierte Auswahl kreativer Köpfe aus ganz Griechenland kennen, unter anderem Balletttänzer, Köche, Bäcker, Architekten, Musiker, Kuratoren, Mode-Blogger, Typografen und Redakteure, die sich hier in sympathischen Porträts zu ihren persönlichen Design- und Modevorlieben äußern.

    Unterwegs mit Nileta.

    Ewiger Optimist.

    Ausgehend vom Kolonaki-Platz verirre ich mich in den Straßen des Modebezirks. Irgendwann überblicke ich mit sonnigem Lächeln halb Athen, denn ich stehe auf Minas Minastis‘ Penthouse-Balkon, der als Art-Direktor und Gründer von Eternal-Optimist „eine Online-Anlaufstelle für Mode, Kunst, Kultur und Meinung“ ins Leben gerufen hat.

    „Okay, Minas – warum „Eternal“ (ewiger) und warum „Optimist“?“ möchte ich wissen. Laut Minas begann alles mit dem Samuel Beckett-Theaterstück „Glückliche Tage“, dessen Hauptfigur Winnie trotz widriger Umstände einfach nicht kleinzukriegen ist.

    Ausgehend vom Kolonaki-Platz verirre ich mich in den Straßen des Modebezirks.

    „Jeden Morgen wacht sie auf und ist einfach glücklich – obwohl sie rein gar nichts hat!“ freut sich Minas, „und sie genießt einfach ihr Leben. Egal. Was. Passiert.“ Sonnenklar: Minas verfolgt seine Ziele mit ebenso ungebrochenem Enthusiasmus.

    Ich stehe auf Minas Minastis‘ Penthouse-Balkon, der als Art-Direktor und Gründer von Eternal-Optimist, „eine Online-Anlaufstelle für Mode, Kunst, Kultur und Meinung“ ins Leben gerufen hat.

    Im Laufe der Jahre hat Minas ein schier endloses Netzwerk aufgebaut und seit seiner Kindheit die Welt bereist. „Ich habe mich nie am Griechischen festgehalten, ohne es gleichzeitig zu hinterfragen“, erklärt er. Dank seiner reichen Erfahrungen mit kultureller Vielfalt propagiert er nicht einfach das Melodrama der klassischen griechischen Tragödie, sondern gibt stattdessen lieber einer großen Bandbreite internationaler Perspektiven und Ästhetiken eine Plattform.

    Zum Abschied stelle ich ihm eine letzte Frage: „Wieso bleibst du eigentlich in Athen, wenn du in der ganzen Welt zuhause bist?”

    Auf dem Lykavittos.

    Minas Antwort geistert mir im Kopf herum, während ich im Sonnenuntergang den Lykavittos besteige, um mich 277 Meter über dem Meeresspiegel von dieser Stadt zu verabschieden. Am Horizont erhebt sich die Akropolis aus dem engen Stadtgeflecht gen Himmel und strahlt antike Würde aus. Ich lasse noch einmal all die Momente, die ich mit den Athener Ästheten und Designliebhabern verbracht habe, an mir vorüberziehen. Denn Minas grundsätzliche Aussage wird wahrscheinlich auch von der lokalen Designszene geteilt. Hier, hoch über der Stadt, lasse ich seine Worte, und die warme Abendluft, langsam auf mich einwirken.

    Am Horizont erhebt sich die Akropolis aus dem engen Stadtgeflecht gen Himmel und strahlt antike Würde aus.

    „Warum ich immer noch hier bin? Wahrscheinlich wegen des Geists der alten Griechen. Es hat etwas mit der Energie der Sonne zu tun, mit den Farben des Mittelmeers und der Geschichte des Parthenons. Der Geist Griechenlands durchzieht diesen Ort. Und bleibt dabei wunderbar einzigartig.“

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