Piergiorgio betrachtet die Weinreben, angelehnt an seiner Pagode von Mercedes-Benz aus dem Jahr 1973.

Der Geschmack der Toskana.

Gemeinsam mit Freunde von Freunden treffen wir den toskanischen Winzer Piergiorgio Catellani, der in mittlerweile sechster Generation die Kunst des Weinanbaus perfektioniert. Eine Entdeckungsreise durch die Region in seinem 1973er Mercedes-Benz SLC.

Fotos: Marco Annunziata
  • Der Geschmack der Toskana.

  • Zufall ist vorbereitet.

    Piergiorgios Leben scheint einem inoffiziellen Motto zu folgen: Da draußen warten viele Abenteuer, aber sie kommen nicht von selbst zu dir. Eine Einstellung, die sein aufregendes Leben erklärt, das von Zufallsbegegnungen mit Keith Haring in den späten 1980er Jahren bis zum aktuellen Surfen im nördlichen Mittelmeer geprägt ist.

    Piergiorgio scheut kein Abenteuer.

    Piergiorgio, du hast einmal geschrieben, dass du während deiner Studienzeit viel herumgereist bist und dich viele Dinge leidenschaftlich interessierten: Theater, Kunst, der menschliche Verstand. Was waren die für dich einschneidendsten Erlebnisse dieser Zeit?

    In den späten 1980ern habe ich zwei Jahre lang mit dem New Yorker Pop-Art-Künstler Keith Haring kollaboriert. Wir waren befreundet und haben gemeinsam in Pisa das wunderschöne Wandbild „Tuttomondo“ gestaltet. Ein Jahr später ist Keith dann gestorben. Meine New Yorker Kunstzeit war wirklich verrückt – und Keith ein erstaunlicher Mensch und Künstler.

    Eine zufällige Begegnung mit großartigen Folgen.

    Wie kam es eigentlich zu dieser Begegnung und Zusammenarbeit mit Keith Haring?

    Ach, ich habe so viele lustige und bewegende Erinnerungen an meine Zeit und Freundschaft mit Keith. Solange man offen und konzentriert bleibt, passieren einem die seltsamsten Dinge. Ich habe ihn damals zufällig in New York auf der Straße getroffen, als ich gerade ein paar Hare Krishnas beim Musikmachen zugehört habe. Einen Tag später haben wir dann gemeinsam in seinem Studio darüber nachgedacht, wie man in einer wichtigen italienischen Stadt ein riesiges öffentliches Kunstwerk realisieren könnte.

    Die Pagode von Mercedes-Benz begleitet Piergiorgio auf seinen Abenteuern.

    Das war mein Schlüssel zur extravaganten Welt der New Yorker Kunstszene im Post-Factory-Zeitalter. Wir haben zwei Jahre lang durchgehend an dem Konzept gearbeitet, aber am Ende haben wir alles für Keith geklärt, und er konnte sein wichtigstes Bild an der Seitenwand eines Klosters in der historischen Altstadt von Pisa verwirklichen. Heute gilt dieses Werk als zweitwichtigste Touristenattraktion der Stadt, gleich nach dem schiefen Turm von Pisa!

    Aufgewachsen ist der Winzer in einer italienischen Kleinstadt.

    Der Drang nach Abenteuer.

    Hast du eigentlich jemals Kunst oder Schauspiel studiert, oder bist du dabei einfach nur deinen Neigungen gefolgt?

    Ich bin in einer italienischen Kleinstadt aufgewachsen. Damals bin ich viel mit meinem Vater herumgereist und habe dabei schnell gemerkt, wie viel in der Welt um uns herum eigentlich los war.

    Es war also mehr als eine Neigung oder Leidenschaft – für mich war es damals eine Art drängende Notwendigkeit, ein starker Drang nach einem abenteuerlichen Ausweg.

    Der Winzer bei der Pflege seines Anbaus.

    Die erstaunlichste Rebenvielfalt der Welt.

    Neben traditionellen Weinbergen betreibt Castellani auch experimentellen Anbau – woran forscht oder arbeitet ihr gerade?

    1999 haben wir einen der bekanntesten experimentellen Weinberge der Toskana angelegt, mit klarem Fokus auf Sorten, die akut vom Aussterben bedroht sind. Italien beherbergt die erstaunlichste Rebenvielfalt der Welt, doch leider sind davon viele Arten durch den Massenmarkt und extensiven Weinbau akut bedroht. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir uns deshalb verstärkt darauf konzentriert, das Erbgut und die biologische Vielfalt unserer Weinberge zu erhalten – selbstverständlich auf Bioniveau.

    Tierlieb ist Catellani auch noch.

    Einfach. Echt.

    Was ist am Winzertum eigentlich das Schwierigste?

    Man braucht viel Geduld – und Ehrfurcht vor Mutter Erde, selbst wenn die Zeiten einmal besonders hart sind.

    Italien glänzt mit einer einzigartigen Esskultur. Würdest du uns vielleicht deine Lieblingsgerichte verraten?

    Grundsätzlich liebe ich einfaches Essen, das mit echten Zutaten zubereitet wurde – zum Beispiel Pasta al Pomodoro mit Parmesan und frischem Basilikum. Dazu natürlich ein Glas guten Chianti.

    Wellenreiten leicht gemacht.

    Nebenbei gehst du auch gern surfen – uns war ehrlich gesagt gar nicht klar, dass das auch in der Toskana möglich ist.

    Die Toskana hat die wohl beste Küste des gesamten italienischen Festlands dank dem Zugang zur Brandung des nördlichen Mittelmeers. An guten Surftagen sind die Wellen hier wirklich grandios. Außerdem gibt es südlich von Livorno, wo ich gern mit meinem Sohn Giacomo hinfahre, fantastische Reef Breaks.

    Surfen ist eine seiner größten Leidenschaften.

    Er liebt starke Wellen über alles – und ich gebe mein Bestes, um mit ihm mitzuhalten. Außerdem sind wir große Fans der Brandung an der Versilia-Küste; an den klassischen Kais der Gegend trifft sich die gesamte Surfszene der Region. Aber meine zweite Heimat ist Kalifornien. An vielen Orten der Welt gibt es wahrscheinlich perfekte Wellen, aber in Kalifornien erlebt man diese magische Mischung aus erstklassigen Surfbedingungen und einer tollen Surfkultur.

    La Dolce Vita!

    Kunst, Surfen, Wein, La Dolce Vita! Fehlt nur noch dein Mercedes-Benz. Was für ein Modell fährst du genau?

    Einen champagnerfarbenen 1973er Mercedes-Benz SLC.

    Was gefällt dir an diesem Schmuckstück am besten?

    Diese klare, goldene Farbe. Ein Champagnerton, den es wirklich nur bei Mercedes-Benz gibt. Und diese wunderschönen, weißen Fellbezüge sowie das Kassettendeck für alte Tapes.

    An Stränden in der Toskana surft Catellani am liebsten.

    Ein perfektes Juwel für die perfekte Frau.

    Und seit wann besitzt du diesen wunderschönen Wagen?

    Ich habe ihn damals direkt vor einer Autowerkstatt entdeckt – ein wirklich schöner Klassiker. Ich wollte meiner Frau Chiara etwas Besonderes zum zehnten Hochzeitstag schenken, also fragte ich nach dem Wagen und der Preis stimmte. Dann habe ich das Auto sofort von einem Spezialisten restaurieren lassen, denn obwohl es im guten Zustand war, wollte ich ein perfektes Juwel!

    Die champagnerfarbene Pagode von Mercedes-Benz ist Catellanis ganzer Stolz.

    Innerhalb von zehn Tagen war dann alles erledigt, und ich habe es sogar geschafft, das Ganze geheim zu halten. Am eigentlichen Hochzeitstag habe ich den Wagen dann mitten im Garten geparkt – und als meine Frau nach Hause kam, ist sie über diesen unglaublichen Mercedes-Benz gestolpert; ihr ganz persönliches Traumauto!

    Der Wein des Künstlers.

    Hast du darin auch schon richtige Abenteuer erlebt?

    Das wahre Abenteuer ist für mich eher, dass diese Autos quasi Zeitmaschinen sind. Ihr Geruch, ihre Farben, Formen und Geräusche, stammen direkt aus den 1970er Jahren. Wenn man sie auf heutigen Straßen fährt, kann man den Rhythmus dieser Zeit unmittelbar wiederentdecken.

    Catellani sieht sich als Künstler, nicht als Winzer.

    Wolltest du eigentlich schon immer Winzer werden oder hast du zwischenzeitlich auch über andere Karrieren nachgedacht?

    Ich bin kein Winzer – sondern immer noch Künstler!

    Vielen Dank für diesen wirklich wunderbaren toskanischen Nachmittag!

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