Der 1973er Mercedes-Benz 350 SL Roadster auf dem Karamea Highway in Neuseeland.

Mein Guide: mit dem SL Roadster auf dem Karamea Highway.

Manche Dinge sind einfach wie füreinander bestimmt. Bei Tagesanbruch mit einem marineblauen 1973er 350 SL Roadster auf Neuseelands Karamea Highway zu fahren, ist einfach perfekt.
  • Mein Guide: mit dem SL Roadster auf dem Karamea Highway.

  • Nelson: Startpunkt und letzter Außenposten der Zivilisation.

    Das Erste, was man über das Fahren auf dem Karamea Highway wissen muss, ist, dass die Fahrt fast so gut ist wie das Ziel selbst. Nachdem wir Nelson (das nächstgelegene größere Zentrum) verlassen haben, widmen wir uns mit unserem 350 SL Roadster einer begeisternden dreieinhalbstündigen Kletterpartie zur atemberaubenden Buller-River-Schlucht in Richtung der Westküste. Wir lassen Nelsons Weingüter, Kunstgalerien und Restaurants hinter uns und tauchen ganz tief in das Reich der Natur ein, schlängeln uns unter riesigen Felsüberhängen wie denen von Hawks Crag hindurch und passieren tunnelartige Alleen mit dicht überhängenden Bäumen. Dieser Weg ist die dramaturgisch perfekt aufgebaute Vorbereitung auf den Moment, in dem sich vor uns die Küste ausbreitet und wir in dem abgelegenen Örtchen Westport ankommen, dem Einstiegspunkt in den Karamea Highway und Übernachtungsort unserer Wahl. Es ist auch der Ort, um sich die Ausrüstung für alle Abenteuer-, Sport-, Jagd- oder Angelaktivitäten entlang des Karamea Highway zu beschaffen.

    Der 1973er Mercedes-Benz 350 SL Roadster auf einer Brücke in Neuseeland.

    Hier befinden wir uns nun in einem sehr abgelegenen Teil der Südinsel Neuseelands, in einem heiligen Land, einem Land der Tapferen – man sollte also gerüstet sein. Es gibt viel zu sehen und viel zu unternehmen, sodass wir früh zu Abend essen und uns in unsere Zimmer zurückziehen.

    Wildnis und Geisterstädte hinter Westport.

    Der Tagesanbruch ist die beste Zeit, um diese Straße zu nehmen, und abgesehen von vereinzelten Milchwagen gehört sie uns allein. Durch die frühmorgendlichen Wolken ragen Bergspitzen, Nebel hängt in den Tälern und das Gesamtbild ist einfach zauberhaft. Die frische Morgenluft sinkt von den Bergen in die Täler – die idealen Bedingungen für eine Fahrt im offenen Auto. Der 350 SL ist in seinem Element. Man hatte uns gesagt, dass die Fahrt von Westport nach Karamea und zurück ungefähr vier Stunden dauere. Der erste Teil der Strecke führt vorbei an hintereinander aufgereihten kleinen Städten und den Überresten einer einstmals florierenden Kohlebergbausiedlung. Dieser Ort war einst der Inbegriff eines höchst riskanten und zugleich einträglichen Lebens, hier wurde aus stockfinsteren Stollen hoch oben in den Bergen das schwarze Gold herausgeholt. All das kann man heute noch geisterhaft sehen und erleben.

    Der 1973er Mercedes-Benz 350 SL Roadster auf einer Brücke in Neuseeland.
    Der 1973er Mercedes-Benz 350 SL Roadster in einer Kurve.

    Mokihinui und Lake Hanlon – Traumoasen.

    Aber unser Fahrabenteuer beginnt erst richtig in Mokihinuic, ungefähr auf halber Strecke, wo sich die Straße vom Wasser abwendet und in den Himmel zu steigen scheint. Das bergige Regenwaldgebiet öffnet sich landeinwärts in noch vom Morgennebel verhangene Täler mit einer erwachenden Vogelwelt. Diese Kulisse bezaubert, diese Straße begeistert und dieses Land ist verlockend schön. Der hoch gelegene Straßenabschnitt übt eine fast hypnotische Wirkung aus. Die Szene wechselt von grandios zu vertraut, denn der 1973er 350 SL ist ein Auto, das hier rasch zu seinem natürlichen Rhythmus findet. Er fühlt sich ganz wie zu Hause, als er Berge erklimmt und die Serpentinen nach oben tanzt.

    Er duckt sich in enge Kehren, zieht kraftvoll durch weite Kurven und entfesselt auf den Geraden an der Küste bei durchgedrücktem Gaspedal sein ganzes Potenzial. Wir legen beim See Lake Hanlon eine Pause ein. Diese wunderschöne Oase der Ruhe entstand durch ein Erdbeben im Jahr 1929. Man gelangt dorthin bequem auf einem nur leicht ansteigenden Fußpfad, für den wir lediglich 15 Minuten brauchen. Am Ende des Pfads bietet sich uns ein Bild der Erhabenheit, ein spiegelartiger See liegt inmitten eines Buchenwaldes am Rücken des Karamea Bluff. Die Bäume, die Berge und der strahlend blaue Himmel spiegeln sich so vollendet in der Wasseroberfläche, dass wir voller Demut die Vollkommenheit der Natur bewundern.

    Der 1973er Mercedes-Benz 350 SL Roadster auf der Straße.

    Sehenswürdigkeiten und Snacks.

    Jetzt ist es nicht mehr weit bis runter nach Little Wanganui. Dort kommen wir wieder auf den Tasman Highway, um die letzten 20 Kilometer bis Karamea und bis zum Ende der Strecke zurückzulegen. Es ist gerade Whitebait-Saison und wir machen an einem der Hotels der Stadt halt, um einen der einfachen und leckeren Snacks zu uns zu nehmen. Diese winzigen Fische sind eine landestypische Delikatesse und nirgends ist man so nah an der Quelle wie in diesem Ort an der Westküste. Zufrieden setzen wir unseren Weg bis Karamea Town fort und obwohl oder weil der Highway endet, startet hier für manche erst das Abenteuer: Hier beginnen einige berühmte Wanderstrecken und Pfade, von hier aus gelangt man in die unberührten Nationalparks und zu den wundersamen Kalksteinhöhlen, wie beispielsweise zum größten natürlichen Kalksteintor der südlichen Hemisphäre, weit entfernt von den von Menschenhand geschaffenen Kohleminen nahe des Ortes Westport, den wir weit hinter uns gelassen haben.

    Strände auf dem Rückweg über Karamea.

    Bei Gentle Annie Beach beginnt die Rückreise. Dieses einzigartige Aufeinandertreffen des ruhig dahinfließenden Mokihinui River und des zerklüfteten Küstenstriches der Tasmansee zieht uns von der Straße aus an und wir machen noch mal Halt. Hier öffnet sich das Tal zur Weite des Ozeans hin. Als die Sonne über dem Meer untergeht, machen wir uns mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck auf den Rückweg nach Westport und kehren im südlich der Stadt gelegenen Carters Beach Hotel ein. Nach einem Tag mit einem vollen Fahrpensum ist dieser Küstenabschnitt mit seinen Sandstränden der perfekte Ort, um das farbenfrohe Finale der Natur mitzuerleben, während das letzte Sonnenlicht auf dem Karamea Highway schwindet. Die Route inklusive Reisetipps lässt sich unter Mercedes me „Mein Guide“ anschauen und als GPX-File herunterladen.

    Heckansicht des 1973er Mercedes-Benz 350 SL Roadster am Strand.

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