Der Brite Jack Huston spielt in „Nachtzug nach Lissabon“ einen unbeugsamen Idealisten.

Nachtzug nach Lissabon.

Der Brite Jack Huston ist vor allem durch die Kultserie „Boardwalk Empire“ bekannt geworden. Jetzt spielt er in der hochkarätig besetzen Literaturverfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ einen unbeugsamen Idealisten und Lebensphilosophen. Im Interview erzählt er uns von seiner Rolle und der Existenz als Schauspieler.
Text: Benjamin Cantu
Fotos: Alexander Gheorghiu/2013 Sam Emerson /
  • Nachtzug nach Lissabon.

  • Kür des Kinos.

    Einen Weltbestseller zu verfilmen, ist so etwas wie die Kür des Kinos. Dem legendären Regisseur Bille August (Das Geisterhaus) ist es wieder einmal gelungen, einen hochkomplexen Roman, in diesem Fall Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier, für die Leinwand zu adaptieren. Verstärkt wurde er dabei von Schauspielgrößen wie Jeremy Irons, Charlotte Rampling, Christopher Lee und Bruno Ganz. Doch die zentrale Figur des Films wird von dem jungen Briten Jack Huston – bekannt aus der Serie Boardwalk Empire – verkörpert. Huston spielt einen angehenden Arzt aus Lissabon, der sich während der 70er Jahre gegen die Salazar-Diktatur auflehnt und in eine tragische Dreiecksgeschichte verwickelt wird.

    Der Brite Jack Huston ist vor allem durch die Kultserie Boardwalk Empire bekannt geworden.

    Einer der emotionalsten Momente zwischen ihm und der Schauspielerin Mélanie Laurent (Inglourious Basterds) – in dem sich das Puzzle dieses philosophischen Thrillers zusammenfügt – findet bei Sonnenaufgang in einem 280 SE, Baujahr 1969, statt. Wir trafen Jack Huston am Rande der Berlinale in Berlin.

    Huston spielt einen angehenden Arzt aus Lissabon, der sich während der 70er Jahre gegen die Salazar-Diktatur auflehnt und in eine tragische Dreiecksgeschichte verwickelt wird.

    In einer der ersten Szenen des Films lässt Prof. Gregorius, gespielt von Jeremy Irons, auf beeindruckend spontane Art sein Leben zurück. Gab es jemals einen Moment in deinem Leben, an dem du aussteigen wolltest?

    Oh ja, den gab es! Bevor ich mit der TV-Serie Boardwalk Empire anfing, war ich buchstäblich fertig mit dem Schauspielerdasein! Ich wollte verdammt noch mal raus aus dem Ganzen. Also ging ich zu meinem Manager und meinte: „Du hast zwei Wochen Zeit, mir eine gute Rolle zu besorgen! Ansonsten hau ich ab nach Brasilien, lebe am Strand, ernähre mich von Reis und werde für eine Zeit nur noch schreiben und malen“ – und dann bekam ich die Rolle in Boardwalk Empire. Ich mag die Idee, alles jeden Moment stehen lassen zu können und ich bin auch schon mal für einige Zeit einfach verschwunden. Aber jetzt sind es noch sieben Wochen, bis meine Freundin unser Kind zur Welt bringt. Somit ist das für mich vorbei (lacht).

    Herzlichen Glückwunsch!

    Danke!

    Die Geschichte von Nachtzug nach Lissabon ist ein interessanter Mix aus Thriller und philosophischer Reise in die Gedankenwelt deiner Figur. Was hat dich an dem Projekt anfangs interessiert?

    Als Erstes stach mir der Name Bille Augusts ins Auge. Ich bin ein großer Fan seiner Filme und er ist ein sehr liebenswerter Mensch. Zudem ist Pascal Merciers Roman großartig. Die Rolle des Amadeu fand ich spannend, weil seine unterschiedlichen Lebensphasen, angefangen im Alter von 18 bis 35, im Film gezeigt werden. Ich denke, es ist etwas Besonderes, wenn man als Schauspieler all diese Ebenen darstellen kann. Mich hat der Übergang interessiert, vom aufgeweckten Jungen mit Idealen zu den Erfahrungen, in denen Liebe, Hass und Eifersucht dein Leben vollkommen verändern. Ich finde ihn einen faszinierenden Charakter.
    Die zentrale Figur des Films wird von dem jungen Briten Jack Huston verkörpert.
    Im Interview erzählt Jack Huston von seiner Rolle und der Existenz als Schauspieler.

    Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass du mit Legenden wie Jeremy Irons und Charlotte Rampling im selben Film spielen wirst?

    Das war unglaublich! Es war nur schade, dass wir keine einzige Szene zusammen hatten. Es wäre cool gewesen, mit Jeremy Irons spielen zu dürfen; er ist brillant. Neben Irons sind auch noch Bruno Ganz, Tom Courtenay und Christopher Lee an Bord. Es wäre großartig gewesen, mit ihnen zu spielen, aber meine Figur existiert leider nur in der Vergangenheit. Dafür durfte ich mit August Diehl und Mélanie Laurent spielen, was genauso toll war.

    Wie gefällt dir das Auto im Film?

    Oh, der Mercedes! Können die mir einen schicken? Egal welchen, ich bin mit jedem glücklich (lacht).

     Was mochtest du an dem Mercedes-Benz 280 SE?

    Er erinnert mich an das Auto meiner Tante, Anjelica Huston. Sie fährt einen alten Mercedes in LA und ist schon lange Zeit ein Fan. Man fühlt sich schon irgendwie besonders, wenn man hinter dem Lenkrad eines solchen Fahrzeugs sitzt.

    Du spielst auch in TV-Serien. Wie wichtig sind Rollen im Fernsehen als Sprungbrett zum Erfolg?

    Ich denke es kann helfen. Ich verdanke meine Karriere dem Fernsehen. So ein Risiko einzugehen, kann sich auszahlen und ich hatte Glück mit meiner Rolle in Boardwalk Empire. Aber du weißt vorher nie, was funktionieren wird und was nicht. Einige Dinge, von denen du denkst, dass sie großartig werden, stellen sich als Mist heraus und umgekehrt. Fernsehen ist heute ein unglaubliches Medium. Ich habe das Gefühl, dass sich große Schauspieler zum Fernsehen wenden, weil die Geschichten und Plots so gut geschrieben sind.
    Die Geschichte von Nachtzug nach Lissabon ist ein interessanter Mix aus Thriller und philosophischer Reise.

    Und es ist beständig – Kino ist das nicht. Die wenigsten Menschen können heute noch von einer Filmkarriere leben.

    Interview mit Jack Huston während der Berlinale.

    Ist es wirklich so schwer damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

    Oh Mann, besonders heute ist es hart geworden. Sogar als etablierter Schauspieler ist es schwer, regelmäßig in Filmen mitzuspielen – ich meine in guten Filmen! Darum ist die Beständigkeit des Fernsehens so großartig. Wenn es eine gute Serie ist, ist es beruhigend zu wissen, dass es etwas gibt, das du liebst und an dem du weiter mitwirken kannst.

    Einige Serien sind mittlerweile so erfolgreich, dass sie zu echten Rivalen großer Hollywoodproduktionen geworden sind. Was macht Serien wie Boardwalk Empire so magnetisch?

    Sie sind stylisch und cool. Und die Autoren sind mindestens, wenn nicht sogar besser, als viele Drehbuchautoren im Film. Boardwalk Empire ist darüber hinaus auch noch besonders, weil wir den Luxus haben, über dreieinhalb Wochen an einer einzelnen Episode zu drehen. Normalerweise hat man beim Fernsehen hierfür nur fünf bis sieben Tage.

     Was machst du gerne, wenn du nicht gerade drehst oder dich vorbereitest?

    Ich male sehr viel. Meine Mutter ist Künstlerin und ich wollte mich auch nie ganz zwischen Kunst und Schauspielerei entscheiden. Ich mache beides. Und dann schreibe ich auch noch. Wenn ich nichts tue, werde ich verrückt, deshalb muss ich immer an irgendetwas arbeiten.

    Danke für das Interview, Jack!

    Der Film Nachtzug nach Lissabon startet am 7. März 2013 in Deutschland, der Schweiz und in den Niederlanden. Weitere Kinostarts folgen in Kürze. Mehr Informationen zum Film unter: www.nachtzug-nach-lissabon.de
    Der Film

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