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  • Traumrouten mit dem Bus: Teneriffa.
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    Traumrouten mit dem Bus: Teneriffa.

    Auf der Insel Teneriffa befinden sich einige der schönsten Routen Europas. Eine von ihnen ist die Landstraße TF 436.

Fantastische Aussichten.

Wegen ihrer spektakulären Streckenführung durch atemberaubende Berglandschaften zählt die kleine Landstraße TF 436 im Nordwesten Teneriffas zu den schönsten Routen Europas, die sich mit einem Omnibus befahren lassen – wenn auch nur mit Mini- und Midibussen. Viel länger und breiter dürfte der Sprinter Travel von Orlando Santos González nicht sein. Schon die dritte Haarnadelkurve ist so eng, dass der erfahrene Busfahrer den 19-Sitzer zurückstoßen muss, um nicht an der Felswand entlangzuschrammen. Routiniert zirkeln er und sein Kollege „Tito“ Acosta Hernández im direkt hinter uns fahrenden Luxus-Minibus durch die Biegungen der schmalen Straße und strahlen dabei eine Ruhe aus, wie man sie nur bei Busfahrern mit jahrzehntelanger Erfahrung findet.


Bis zu 20 Prozent Steigung.

„Als ich vor 39 Jahren als Busfahrer angefangen habe, gab es diese Straße noch gar nicht“, erzählt Orlando. Bis 1960 war das Bauerndorf Masca, zwischen dem Meer und den schroffen Gipfeln des über 1.300 Meter hohen Teno-Gebirges gelegen, nur über einen Eselspfad mit der Außenwelt verbunden. 22 Kilometer lang ist die Strecke heute und führt durch die Berge weiter bis nach Buenavista del Norte im äußersten Nordwesten der Insel.


Pérez y Cairós.

Das 1969 gegründete Familienunternehmen wird heute in zweiter Generation von José Pérez (50) geführt und zählt mit 60 Reisebussen, 50 Minibussen und rund 800.000 Fahrgästen jährlich zu den drei größten Busunternehmen auf Teneriffa. Pérez legt Wert auf Qualität, Umweltfreundlichkeit und sozialverantwortliches Handeln. Das drückt sich beispielsweise in der Flotte aus, die überwiegend aus umweltfreundlichen Euro-V- und Euro-VI-Fahrzeugen besteht. Zudem sind die meisten seiner Fahrzeuge für die Beförderung von mobilitätseingeschränkten Menschen mit Lifts und Rollstuhlplätzen ausgestattet. Als einziges Busunternehmen Spaniens betreibt Pérez y Cairós neben zahlreichen Fahrzeugen auf Mercedes-Benz Basis auch drei Sprinter Travel aus deutscher Produktion. Wegen ihrer Effizienz, wie Pérez sagt: „Die Wirtschaftlichkeit der Mercedes-Benz Busse ist so viel besser als die der spanischen Aufbauer.“ Deshalb will Pérez seine Flotte demnächst auch mit weiteren Tourismo Reisebussen verstärken.

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Fünf Kilometer in einer Stunde.

Doch das schönste und spektakulärste Stück befindet sich auf der ursprünglichen Dorfverbindung zwischen Santiago del Teide und Masca. Nur fünf Kilometer misst dieses Teilstück – und dennoch kann man gut und gern eine Stunde dafür einplanen. So anspruchsvoll für die Fahrer, so aufregend, ja atemberaubend für die Fahrgäste ist diese Strecke, dass sie heute zu den beliebtesten Ausflugszielen Teneriffas gehört. Fast täglich befahren Tito, Orlando und ihre Busfahrer-Kollegen von Pérez y Cairós, einem der führenden Busunternehmen Teneriffas, die Passstraße nach Masca.


Ein ums andere Mal erleben die Fahrgäste – meist Touristengruppen und Ausflügler – dabei überwältigende Aussichten auf bizarre Felsformationen, auf das 1.000 Meter tiefer gelegene Meer und auf die spektakuläre Streckenführung der Straße, die sich in 13 Serpentinen und annähernd 100 weiteren Kurven eng an die steilen Lavahänge schmiegt. Kaum mehr als 50 Meter misst das längste gerade Stück auf dieser Strecke. Meist weniger als vier Meter breit, gibt es nur wenige Ausweichstellen, an denen Busse gefahrlos einander passieren können.


Atemberaubende Strecken.

„Keine Fahrt vergeht, ohne dass den Fahrgästen regelrecht der Atem stockt“, erzählt Orlando schmunzelnd. Immer dann nämlich, wenn ein anderer Bus entgegenkommt und er seinen Sprinter Travel sprichwörtlich auf Haaresbreite an die Felswand oder an den Abgrund bugsieren muss. Obwohl es auf der TF 436 offiziell kein Tempolimit gibt, wagt es kaum jemand, hier schneller als Tempo 30 zu fahren. Folglich nehmen auch wir in eher gemächlichem Tempo Kurve um Kurve. Über den zweiten Gang kommen wir nicht hinaus, weder wenn der 95 kW (129 PS) starke Euro-VI-Vierzylinder den Sprinter Travel die bis zu 20-prozentigen Steigungen hinauftreibt, noch im Gefälle, wenn Orlando gekonnt das Tempo mit dem Retarderhebel variiert.

Eine Aussicht, die sich lohnt.

Plötzlich erleben wir ein weiteres Phänomen, das der Straße nach Masca ihren Reiz verleiht und gleichzeitig die Busfahrer vor eine weitere Herausforderung stellt: Wo gerade noch die Sonne die Felslandschaft in gleißendes Licht tauchte, verhüllen innerhalb von Minuten zähe Nebelwolken die Sicht. „Das dauert nicht lange“, beruhigt Orlando. „Hier auf der Insel gibt es immer Wind und der treibt die Wolken genauso schnell weg, wie er sie gebracht hat.“ Und tatsächlich: Schon wenig später genießen wir von der Passhöhe aus über Masca den Blick auf den schneebedeckten Vulkan Teide, den mit 3.718 Metern höchsten Berg Spaniens. Allein schon für diese Aussicht hat sich die atemberaubende Fahrt über die TF 436 nach Masca gelohnt.