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Alex Thomson: Vendée Globe.

Rennen der Rekorde.

Alex Thomsons dramatischer Kampf mit den Naturgewalten: das weltweit härteste Langstreckenrennen.

Foto: Alex Thomson Racing/Lloyd Images

Im Visier: der „Everest der Meere“.

Wer eine leichte Herausforderung sucht, ist bei der Vendée Globe fehl am Platz: Der „Everest der Meere“ gilt als Rennen der Superlative – dem sich Mercedes-Benz Markenbotschafter Alex Thomson bereits zum vierten Mal stellt. Beim diesjährigen Kräftemessen der weltbesten Skipper ersegelt er sich, trotz widrigster Umstände, fast den ersten Platz – und stellt nebenbei einen neuen 24-Stunden-Weltrekord und ganze drei Rennrekorde auf.

Alex Thomson.

Photo: Alex Thomson Racing/Lloyd Images

Vendée Globe.

Photo: Oliver Blanchet

In knapp 80 Tagen um die Welt.

Am 6. November 2016 fällt der Startschuss: 29 furchtlose Extremsegler verlassen den Kanal von Les Sables d’Olonne an der französischen Westküste, um im Alleingang den Erdball zu umrunden. Unter diesen Ausnahmeseglern: der einzige britische Teilnehmer Alex Thomson. Nach bereits drei Vendée-Globe-Teilnahmen und einem dritten Platz beim letzten Rennen hat er sich nun ein ambitioniertes Ziel gesetzt: als erster Nichtfranzose den Vendée-Globe-Cup nach Hause zu holen.

Dabei ist er in bester, und exklusiver, Gesellschaft. Schließlich haben sich seit 1989 kaum 100 Offshore-Profis an dieses Ausnahmerennen gewagt – und nur 72 von ihnen sind bei der ultimativen Solo-Weltumrundungs-Challenge, die nicht umsonst auch als „härtester Sportwettkampf der Welt“ gilt, überhaupt ins Ziel gesegelt.

Ein Wettkampf der Extreme.

Für Außenstehende sind die Rahmenbedingungen kaum vorstellbar. Was auch immer passiert: Die Skipper sind stets auf sich allein gestellt. Die Regeln erlauben keinen noch so kurzen Landgang oder Hilfe von außen. Nichts schützt vor der Macht der Meere außer dem eigenen Schiff – plus jahrelange Erfahrung, eiserner Willen und stählerne Nerven. Ganz allein auf hoher See können trügerische Winde und Wellen selbst die besten Pläne zum Scheitern bringen.

Alex Thomson: Vendée Globe.

Photo: Alex Thomson Racing/Cleo Barnham

Video.

Zurück zum Rennen und Alex Thomson: Nach kaum zwei Wochen und einem gewagten taktischen Manöver – direkt durch die Kapverdischen Inseln statt um sie herum wie die restliche Segelflotte – freut sich der Brite über seine klare Führungsposition. Doch schon kurz darauf, am 13. Renntag und während der Durchquerung des Südatlantiks, droht ein schwerwiegender Rückschlag, seine Träume zum Platzen zu bringen.

Trotz souveräner Segelkünste hat in der Nacht ein unbekanntes, im Wasser treibendes Objekt sein rechtes Foil abgerissen. „Ein schlechter, sehr schlechter Tag“, schreibt Thomson in seinem Log. „Ich wurde von einem lauten Knall geweckt. Die Zukunft sieht düster aus.”

Photo: Alex Thomson Racing/Cleo Barnham

Die dramatische Wendung.

Andere hätten aufgegeben, doch Alex Thomson hält an seinem Siegesziel fest und entschließt sich, das Rennen auch ohne Foil fortzusetzen. Seine Belohnung: die schnellste Zeit von Les Sables d’Olonne zum trügerisch-wilden Kap der guten Hoffnung. „Ich habe mich im Vorfeld sehr gründlich mental vorbereitet, um im Extremfall für solche Situationen gewappnet zu sein. Wer hier nicht scheitern will, muss, auch wenn es hart auf hart kommt, eine sehr positive, ausgeglichene Natur haben.“

Alex Thomson.

Photo: Alex Thomson Racing/Lloyd Images

Spannender Sprint bis zur letzten Minute.

Thomson verwandelt den Rest des Rennens in ein atemberaubendes Duell mit dem Franzosen Armel Le Cléac’h. Obwohl der Brite zwischenzeitlich wegen schadensbedingtem Backborddrift teils 800 Seemeilen zurückliegt, nimmt Thomson hartnäckig die Verfolgungsjagd auf – er verringert den Abstand nach seiner Kap-Horn-Umrundung am 1. Weihnachtstag auf kaum 40 Seemeilen.

Thomson bleibt dem französischen Skipper dicht auf den Fersen – und bricht auf der letzten Etappe durch den Atlantik sogar den 24-Stunden-Distanzweltrekord. Trotz fehlendem Foil kann Thomson – dank seiner Erfahrung – sämtliche Erwartungen übertreffen.

Auf klarem Erfolgskurs.

Schließlich – nach 74 Tagen, 19 Stunden und 35 Minuten auf See – erreicht Alex Thomson das Ziel im Hafen von Les Sables d’Olonne, begleitet vom enthusiastischen Applaus Tausender Gratulanten, die sich am Ufer eingefunden haben.

Trotz Schaden am Schiff sind dem lächelnden Skipper die Strapazen nicht anzusehen. Mit leuchtenden Augen steuert er jetzt sein letztes Ziel an: die Familie, die er seit knapp drei Monaten nicht mehr gesehen hat.

Alex Thomson.

Photo: Vincent Curutchet / DPPI / Vendee Globe

Noch kann er gar nicht fassen, dass er das Rennen wirklich absolviert hat, sogar sechs Tage schneller als bei seiner letzten Teilnahme – nebenbei die bisher schnellste britische Solo-Weltumrundung.

„In unserem Sport gibt es keine härtere Herausforderung, also werde ich diesen Moment nie vergessen. Beim letzten Mal Dritter, diesmal Zweiter – ganz klar, was unser nächstes Ziel ist!“

Alex Thomson und Armel Le Cléa’ch.

Photo: Jean-Marie Liot / DPPI / Vendee Globe

„Armel ist die Geschichte, aber Alex ist die Legende.”

Fans überhäufen den Meister des „Comebacks aller Comebacks“ mit Lob: „Thomson ist der Inbegriff eines leidenschaftlichen, engagierten, sympathischen, positiven, loyalen, bescheidenen Stehaufmännchens. Wir haben endlos mit ihm gefiebert: So ein knapper zweiter Platz nach einem derartigen Rückschlag mit dem gebrochenen Foil ist einfach unglaublich.“ Oder, in den Worten eines anderen Fans: „Armel ist die Geschichte, aber Alex ist die Legende.“

Bildergalerie.

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