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  • Stärker als zuvor.
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    Stärker als zuvor.

    Jan Frodeno, Sebastian Steudtner, Alex Thomson und Garrett McNamara über mentale Herausforderungen und den steten Blick nach vorne.

    Foto: Stephen Reuß, Text: Vera Klocke

Die Laureus World Sports Awards 2017: Treffen der Spitzensportler.

Die vier Spitzensportler und Mercedes-Benz Markenbotschafter Jan Frodeno, Sebastian Steudtner, Alex Thomson und Garrett McNamara stehen auf einer Anhöhe mit Blick auf Monaco. Unter der niedrigen Wolkendecke kreisen Möwen, die nahe See tobt. Die Sportler sind wegen der Laureus World Sports Awards in das Fürstentum an der Côte d’Azur gereist.

Die von Mercedes-Benz mitgestifteten Awards sind, seit sie im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurden, fester Bestandteil der Welt des Spitzensports und eine international anerkannte Auszeichnung. Am Abend werden die Awards zum 17. Mal überreicht und in der Stadt tummeln sich hochkarätige Stars.


Frodeno, McNamara, Steudtner und Thomson kennen sich, begrüßen sich mit breitem Lächeln und Handschlag. Auch wenn sie in ihren Disziplinen als Einzelkämpfer Höchstleistungen erbringen, haben sie eine besondere Beziehung zu den Teams, die ihnen den Rücken freihalten, und der sportlichen Gemeinde. Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner bringt es auf den Punkt: „Ich bin zwar alleine auf der Welle – aber in den Wellen nie allein.“


Video.

Herausforderungen als Chance für Körper und Seele.

Alle vier haben während ihrer vielseitigen Karrieren Widrigkeiten wie Verletzungen, mentale Rückschläge und strukturelle Herausforderungen erlebt. Was sie eint, ist ihre inspirierende Art, diesen Momenten der vermeintlichen Schwäche zu begegnen und sie in neue Kraft zu verwandeln. Ihre Lebensläufe zeigen, dass Verletzungen die ausgeklügelte Trainingsmaschinerie zum Stillstand zwingen können. Gleichzeitig bergen sie aber auch das Potenzial, eine produktive Auszeit für Körper und Seele einzuläuten, um daraus gestärkt zurückzukehren.


Erfolg durch Fokussierung.

Der deutsche Triathlet Jan Frodeno wurde 2016 bereits in der Kategorie „Laureus World Action Sportsperson of the Year Award“ ausgezeichnet und auch für das anstehende Jahr hatte er sich wieder einiges vorgenommen. Doch nach einem schweren Muskelfaserriss im März 2016 hieß es Laufpause: Frodeno musste sein Training unterbrechen und die Teilnahme am IRONMAN Südafrika absagen. Sein Credo für diese unvorhersehbaren Hürden? Weitermachen. „In Momenten des Zweifelns hilft es mir, gemeinsam mit meinen engsten Vertrauten neue Ziele zu definieren. Das ist unerlässlich, um nach vorne zu schauen und neue Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.“


Schulterverletzungen zugezogen.

Auch die Big-Wave-Surfer Garrett McNamara und Sebastian Steudtner kennen die Herausforderungen, die Verletzungen mit sich bringen können. Beide haben sich auf ihrer ewigen Suche nach den größten Wellen schwere Schulterverletzungen zugezogen.

2015 konnte Steudtner nach einer Verletzung insgesamt sechs Monate lang nicht ins Wasser. Im Anschluss an die Genesung mussten die nötigen Muskeln in zeitaufwendigen Trainings wieder aufgebaut werden. Die Zeit der Regeneration hat er trotzdem in guter Erinnerung: „Ich habe in diesen Monaten erkannt, wie sehr ich den Sport liebe, wie sehr ich die Wellen brauche und wie viel Leidenschaft ich für das Surfen habe.“ Im Rückblick beschreibt er die Verletzung sogar als positive Erfahrung: „Ich habe danach mehr Gas gegeben als zuvor.“


Rettung durch Leidenschaft.

McNamara wird nachdenklich, wenn es um seine jüngste Verletzung geht. Seine Schulter war schwer lädiert, der Knochen in zehn Teile zersprungen und das Urteil der Ärzte einstimmig: Mit dem Surfen sei es vorbei. Doch er biss sich durch und steht ein Jahr später wieder auf dem Board. „Ohne meine Familie und meine Leidenschaft für das Surfen hätte ich nicht überlebt. Die Schmerzen waren entsetzlich und ich hätte keinen Sinn darin gesehen, weiterzumachen. Aber wenn ich länger nicht im Wasser war, fühle ich mich wie ein Fisch auf dem Trockenen – ich musste einfach zurück. Meine Liebe zum Surfen hat mich gerettet.“


Der Zusammenhalt im Team ist entscheidend.

Für den Segler Alex Thomson sind Momente des Zweifelns ebenfalls nichts Unbekanntes. Die Vorbereitungen für seine anspruchsvollen Segeltouren brauchen insgesamt fast vier Jahre. Vier Jahre der harten Arbeit, der Herausforderungen und der Disziplin. In dieser Zeit muss alles genau durchdacht und geplant werden, denn am Ende entscheidet die Qualität der Vorbereitung maßgeblich über das Ergebnis. Thomson weiß, wie wichtig sein Team ist und wie kritisch es werden kann, sobald ein Element innerhalb dieses sorgfältig organisierten Rahmens ausfällt. Daher rührt seine Philosophie, die Momente des Erfolges bewusst zu zelebrieren, um mit Vergangenem abzuschließen und positiv in die Zukunft zu sehen. „Du musst immer an dich und die Sache glauben. Mit einem positiven Blick und einem ausgeprägten Glauben kannst du jedes Hindernis überwinden.“


Ziele und der Weg dahin.

Als Frodeno, Steudtner, Thomson und McNamara sich verabschieden, wissen sie, dass sie sich bereits am Abend wiedersehen werden. In der Zwischenzeit stehen Pressetermine und Trainings an.


Die Laureus World Sports Awards sind – genau wie die Wettkämpfe, Touren und Wellen – ein Ziel, für das sie trainieren. Genauso wichtig sind aber auch die Momente zwischen diesen Auftritten, oder, in Jan Frodenos Worten: „I am made of all the days you don’t see.“