• Der alte Traum vom fahrerlosen Auto.

  • Der alte Traum vom fahrerlosen Auto.

    • 22. June 2015
    • Autonomes Fahren
    • Text: Wolfang Pauser

    Autonom fahrende Fahrzeuge existieren schon lange in den Köpfen und auf dem Papier. Die Visionen und Utopien von früher erzählen die Geschichte unserer automobilen Zukunft.

    Was will man tun, wenn das Auto von alleine fährt? Man dreht die Sitze zueinander, um auf einem Tischchen in der Mitte Karten zu spielen! Diese Antwort gibt nicht erst das Forschungsfahrzeug F 015, sondern schon eine Zeichnung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. So verblüffend neu die Idee des automatischen Fahrens heute wirkt, so alt ist die Sehnsucht danach. Dass die Vision des Roboterautos bisher unter die Räder kam, lag am Mangel an Realisierbarkeit. Nur Papier war schon immer geduldig genug für die zeichnerischen Wunschfantasien zur Mobilität im vernunftleeren Raum. Doch wie sollte der geflügelte Straßenkreuzer technisch funktionieren? Die Trennung der Fahrspuren und die hervorgehobene Mittellinie lassen vermuten, dass diese den Wagen auf Kurs hält.

    Das Gefährt erinnert an die manchmal einzelnen, manchmal verkoppelten Wägelchen in Vergnügungsparks. Als schienenlos funktionierende Kleinbahn im Auto-Format gehört es zu den Mischwesen aus Wagen und Zug. Darin ähnelt es dem F 015, der ein Automobil ist, wie auf Schienen fährt, diese aber nicht dafür braucht.

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    Technisch simpel, aber überaus aufwendig in der Umsetzung ist die Idee, das in der Höhe alpiner Gipfel so bewährte Prinzip der Seilbahnen in die Niederungen des Asphalts herunterzuholen. Schon die Cable Cars in San Francisco, von Bodenseilen über die Hügel gezogene Straßenbahnen, hatten die Machbarkeit des „Schlepplifts von unten“ gezeigt. Den Traum vom fahrerlosen Auto damit realisieren zu wollen, wurde glücklicherweise niemals versucht.

    Bei dieser gläsernen Variante der Rohrpost bleibt die Aussicht erhalten. Das transparente Rohr befördert keine Autos, sondern speziell für die Beförderung von Personen bestimmte Kapseln. Diese vermitteln den Eindruck einer der Autofahrt ähnlichen Individualreise, obwohl die Röhre mehr einer Bahn als einer Straße gleicht.

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    Eine von Autos und von Bahnen befreite Stadt wird denkbar, wenn sich der Gehsteig in Bewegung setzt. Hohe Geschwindigkeit scheint nicht vorgesehen zu sein, eher ein „Flaniertwerden“, auf Parkbänken sitzend, die an Strandkörbe erinnern. Vorangetrieben werden diese von Rollen, die anstelle des Gehsteigs von unten her die Kabinen mobil machen.

    Nicht jedes visionäre Bild klärt, welche Technologie dahinter steckt. Hier wird mit Pfeife und Zeitung der Genuss demonstriert, der möglich wird, wenn man zwar ein Lenkrad hat, daran aber nicht immer drehen muss. Der Cartoon hält „in Schwebe“, ob es sich bei dem autonomen Gefährt um ein Auto oder eine fliegende Kapsel handelt. Jedenfalls ist es Teil eines multioptionalen Verkehrssystems, in das es zwischen Autos, Autobussen und Bahnen eingebunden ist.

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    Weder Straße noch Schiene, sondern eine Mischung aus deren Funktionen ist die Halbschale, die diesen Wagen zwingt, auch ohne Fahrer in der Spur zu bleiben. Ähnlich wie von einer Wasserrutsche wird er von der Rinne des Straßenbetts an sein Ziel geführt. Ein Luftkissen soll ihn über dem Boden halten, denkbar wäre auch magnetische Abstoßung. Wozu er ein Lenkrad hat und ob man mit dessen Hilfe das Auto aus dem leeren Bachbett lenken kann, wird für immer ein Rätsel bleiben.

    Ein ganz anderer Geist ist der fröhliche Zeitgeist der 1950er Jahre, der zukunftsoptimistisch darauf vertraut, dass die technische Lösung für den selbstfahrenden Straßenkreuzer demnächst gefunden wird, ohne dass man sich jetzt schon dafür ins Zeug legen müsste.

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    Wie kann man Auto fahren ohne zu lenken, bevor es Computer gibt? Tunnel sind eine von jeder Komplexität freie Lösung, baulich aber recht aufwendig. Ein „Luftstrom“ hält den Familienflitzer in Schwebe und auf dem rechten Weg. Vater bezeugt mit seiner Körperhaltung, nicht lenken zu müssen. Ob das Lenkrad am Ende des Tunnels dann doch noch gebraucht wird, und wie das Fahrzeug dort in Schwebe bleibt und weiterkommt, ist eine Frage, deren Antwort vom Zeichner in die Zukunft aufgeschoben wird.

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    Wenn das Auto sich nicht selbst steuern kann, und man trotzdem nicht lenken will, fährt man es einfach in eine Kapsel, die von einer Röhre durch Stadt und Land gepresst wird. Vorbild dieser Technologie war die Rohrpost, deren System, Kapseln mittels Luftdruck durch enge Röhren zu befördern, auf eine Kombination von Individual- und Massenverkehrsmittel übertragen wird.

    Die ersten Computer waren zu weit weg von künstlicher Intelligenz, als dass man sie sich als Ersatz für den Fahrer vorstellen konnte. Jedoch als Vorläufer des automatischen Fahrens ist die Vorstellung des Roboter-Chauffeurs naheliegend. Die demografische Entwicklung vorweggenommen, übernimmt er Fahrdienste für Seniorinnen und erweitert das Spektrum sozialer Kontakte.

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    Die Rollen von Mann und Frau sind noch traditionell, der rollende Autoverkehr hat sich jedoch bereits zu einer Art Stau entwickelt, dessen Not hier in eine Tugend verwandelt wird: Wenn ohnehin Auto an Auto ohne Abstand auf der überfüllten Straße unterwegs sind, könnte ein relativ einfaches System nach dem Vorbild der Schafherde die Bewegungen koordinieren. Die Ähnlichkeit eines Staus zur Zugfahrt inspiriert den Zeichner zu einem halb ironischen, halb visionären Bild von den Genüssen fahrerlosen Fahrens.

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    1939 werden auf der New York World’s Fair die Innovationsideen der folgenden 20 Jahre in der Ausstellung „Futurama“ vorgestellt. Diesen mutigen Blick in die Zukunft schuf der US-Amerikaner Norman Bel Geddes, dessen futuristische Konzepte ein Kennzeichen seiner Karriere als Industriedesigner waren. Geddes legte großen Wert auf die Vision autonomer Fahrzeuge, die das Straßenbild der Zukunft prägen sollten. Unterstützt wurde „Futurama“ durch die General Motors Corporation.

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    Kein Geisterfahrer, sondern ein wie von Geisterhand gelenktes Auto mit runder Sitzbank ist hier ganz menschenleer auf einsamer Straße unterwegs. Entweder sitzen unsichtbare Aliens im Wagen oder es handelt sich um eine Frühform des autonomen Automobils, das vom Fahrzeughalter zum Flughafen geschickt wurde, um ein paar Außerirdische von ihren fliegenden Untertassen abzuholen.

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    Die bekannteste Vision eines computergesteuerten Autos ist KITT, der intelligente Held neben David Hasselhoff in der Fernsehserie Knight Rider (1982). Seine künstliche Intelligenz wirkt sehr menschlich und ähnelt der des Supercomputers HAL 9000 in Stanley Kubricks Film „2001 Odyssee im Weltraum“ (1968) – nicht nur im Verhalten, sondern auch im Design. KITTs rot flimmernder Frontstreifen repräsentiert das wache Eigenleben des Fahrzeugs auf die gleiche Weise, wie es HALs rundes rotes Licht tut, wenn „es“ dem Kommandanten „Dave“ mit sanfter Stimme flüstert, dass er in seinem Raumschiff nicht mehr das Sagen hat.

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