• “Extrem hohes Interesse am autonomen Fahren.”

  • “Extrem hohes Interesse am autonomen Fahren.”

    • 24. September 2014
    • Autonomes Fahren
    • Text: Peter Thomas

    Eva Fraedrich, Wissenschaftlerin an der Berliner Humboldt-Universität, zur Akzeptanz des autonomen Fahrens in der Gesellschaft.

    FRAU FRAEDRICH, WIE SCHÄTZEN VERKEHRSTEILNEHMER DAS KÜNFTIGE MITEINANDER VON HERKÖMMLICHEN AUTOMOBILEN MIT AUTONOM FAHRENDEN PKW UND NUTZFAHRZEUGEN IM STRASSENVERKEHR EIN?

    Das ist derzeit – aus verschiedenen Gründen – noch schwer zu sagen. Unter anderem gehen die Meinungen darüber noch auseinander, was genau autonomes Fahren eigentlich ist: Bis zu welchem Punkt unterstützen Assistenzsysteme den Fahrer lediglich, ab wann nehmen sie ihm die Verantwortung ab? Vor allem aber konnten sich bisher fast alle Menschen nur über die Medien über das Thema informieren. Das heißt, dass bei der Frage, ob sie diese Technologie akzeptieren oder nicht, derzeit noch die Außenperspektive dominiert, nicht aber eine persönliche Nutzungsabsicht. Genau diese dürfte aber die Meinungsbildung stark beeinflussen.

    DAS AUTONOME FAHREN WIRD DERZEIT ABER INTENSIV DISKUTIERT, WAS EIN GROSSES GRUNDINTERESSE ZEIGT, ODER?

    Ja, insbesondere in den vergangenen zwei Jahren haben die Medien das Thema zunehmend aufgegriffen. Wir haben diese Berichterstattung auch genutzt, um beispielsweise aus Online-Kommentaren ein Meinungsbild der Leser zu gewinnen. Hier zeigte sich eine sehr positive Einschätzung zum technischen Stand der Fahrzeuge. Gleichzeitig sind viele Menschen noch skeptisch, wenn es um die alltägliche Nutzung dieser Technik geht. Ein klares Pro oder Contra gibt es an dieser Stelle derzeit nicht.

    WIE SETZT SICH DIE GESELLSCHAFT DENN IN DEN MEDIEN MIT DEM THEMA AUSEINANDER?

    Autonomes Fahren war bisher noch kein Thema, das breit in der Gesellschaft diskutiert wird. Doch das ändert sich gerade, wie eine unserer quantitativen Befragungen mit 1.000 Teilnehmern ergeben hat: Es gibt ein extrem hohes Interesse daran. Dabei informieren sich 78 Prozent der Befragten über Massenmedien, bereits 40 Prozent diskutieren aber auch in den sozialen Medien.

    SEHEN SIE UNTERSCHIEDE IN DER BEWERTUNG DES AUTONOMEN FAHRENS VON NUTZFAHRZEUGEN UND PKW?

    Autonomer Güterverkehr kommt momentan in der öffentlichen Diskussion noch eher am Rande vor, wird aber im wissenschaftlichen Diskurs immer stärker aufgenommen. Die öffentliche Diskussion dreht sich aber derzeit eher um den Unterschied zwischen verschiedenen Nutzungsformen für autonom fahrende Kraftfahrzeuge. Das betrifft auch die Gegenüberstellung von individuellem Besitz und dem geteilten Automobil – beispielsweise als Element einer autonom fahrenden Taxiflotte.

    WAS FASZINIERT DIE MENSCHEN AN DIESER FRAGE?

    Denken Sie an das Potenzial von Flotten autonom fahrender und gemeinschaftlich genutzter Automobile in Großstädten: Es gäbe weniger Autos, und die müssten nicht mehr auf der Straße geparkt werden, weil leere Fahrzeuge auch alleine in ihre Garage fahren könnten. So könnten sich Stadtlandschaften dramatisch verändern. Es gibt aber auch die negative Vision, dass autonomes Fahren mit einer größeren Überwachung einhergehen kann. Das stünde dann im Widerspruch zum Automobil und seinem Versprechen der individuellen Freiheit im 20. Jahrhundert.

    WAS KÖNNEN FAHRZEUGHERSTELLER, DIE ÖFFENTLICHE HAND, INFRASTRUKTURBETREIBER UND ANDERE DAFÜR TUN, DASS DIE NEUE TECHNIK DES AUTONOMEN FAHRENS ALLGEMEIN AKZEPTIERT WIRD?

    Dafür gibt es kein Patentrezept. Es hat sich aber gezeigt, dass die Menschen anschaulich erklärt bekommen wollen, was autonomes Fahren ist, was es leisten kann – und was nicht. Dabei geht es nicht nur darum, die Technik und ihre Nutzung darzustellen. Vielmehr gilt es, das Thema im größeren Zusammenhang aufzugreifen und möglichst viele Gruppen auf verschiedenen Ebenen anzusprechen.

    CURRICULUM VITAE

    Eva Fraedrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Verkehrsgeographie des Geographischen Instituts der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie forscht in einem interdisziplinären Team unter der Leitung von Professorin Dr. Barbara Lenz zur Akzeptanz des autonomen Fahrens in der Gesellschaft. Das Vorhaben ist Teil des Projekts Villa Ladenburg der Daimler und Benz Stiftung.

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