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Sicherheit beim autonomen Fahren, Mercedes-Benz setzt auf Sicherheit auch beim utonomen Fahren, Mercedes-Benz berichtet

Sicherheit hat oberste Priorität – auch bei rechtlichen Fragen.

  • 16.06.2016
  • Autonomes Fahren
  • Illustration: Mathis Rekowski
  • Text: Rüdiger Abele

Automatisiertes und autonomes Fahren hat großes Potenzial, die persönliche Mobilität grundlegend zu verändern. Mit den flankierenden Fragen beschäftigen sich zahlreiche Spezialisten, darunter auch Juristen.

Gesteigerte Verkehrssicherheit, Komfortgewinn sowie neue Mobilitäts- und Logistikkonzepte – das sind Beispiele für Chancen, die Experten im automatisierten und autonomen Fahren sehen. „Statistisch gesehen werden rund 90 Prozent aller Unfälle vom Fahrer verursacht, so dass menschliches Versagen heute das größte Unfallrisiko darstellt“, sagt der Jurist Klaus Schartel, der bei Daimler u.a. für Fragen des autonomen und vernetzten Fahrens zuständig ist. „Automatisierte Fahrzeuge haben den Vorteil, dass sie sich nicht ablenken lassen und dass sie nicht ermüden.“

Die Entlastung des Fahrers verspreche zusätzlich einen erheblichen Komfortgewinn in Situationen, in denen das Autofahren nicht immer nur Freude bereite, etwa im Berufsverkehr oder im Stau.

 

Großes Potential für die Realisierung neuer Mobilitätskonzepte

„Darüber hinaus haben automatisierte und autonome Fahrzeugfunktionen ein großes Potenzial für die Realisierung neuer Mobilitätskonzepte“, so Schartel weiter. „Unter dem Sammelbegriff ‚Sharing economy’ werden etwa CarSharing-Angebote diskutiert, bei denen die Autos selbständig zum Kunden fahren.“

Mercedes-Benz: Herr Klaus Schartel

Klaus Schartel, Leiter des Bereichs Mergers und Acquisitions / Kooperationen in der Rechtsabteilung der Daimler AG

Für die Logistikbranche ist die Technologie ebenfalls vielversprechend. In der Entwicklung befinden sich Systeme, die das sogenannte „Platooning“ ermöglichen – ein Fahren im Konvoi, bei dem mehrere Lastwagen mit Hilfe eines automatischen Steuerungssystems in geringem Abstand aneinander gekoppelt sind. Dies spart Kraftstoff und Platz auf der Straße. Daimler Trucks hat die vielfältigen Funktionen des Platooning mit dem System „Highway Pilot Connect“ bereits auf der Straße gezeigt.

Daimler verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz

Daimler begleitet die technischen Entwicklungen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Ein Schwerpunkt sind juristische Themen wie die Frage, wer beim Unfall mit einem automatisierten Fahrzeug haftet. „Klar ist: Aktuell liegt die Verantwortung beim Fahrer, wenn ihn teilautomatisierte Systeme unterstützen. Er muss sein Fahrzeug nach wie vor kontrollieren und im Ernstfall eingreifen“, sagt Klaus Schartel. „Verursacht der Fahrer einen Unfall, haftet er neben dem Halter für den Schaden. Hersteller verantworten Schäden, die auf Produktfehler zurückgehen.“ Dieses in Europa weit verbreitete Drei-Säulen-Modell habe sich bewährt, denn es stelle eine ausgewogene Risikoverteilung und den Opferschutz sicher und es werde auch  bei den nächsten Entwicklungsschritten des automatisierten Fahrens bestehen bleiben.

Sollte ein autonomes Fahrzeug in einen Unfall verwickelt sein, ist es für alle Beteiligten wichtig zu wissen, wer den Unfall verursacht hat. Dazu müssen im Fall eines Unfalls zwei Informationen vorliegen: ob das System aktiviert war und wenn ja, ob es einwandfrei funktioniert hat. Technisch könnten dabei zwei Lösungen zur Rechtssicherheit beitragen: „Um Beweisschwierigkeiten vorzubeugen, würde ein einfacher Fahrmodusspeicher ausreichen“, so Schartel. „Er registriert, ob ein automatisiertes System eingeschaltet war oder nicht. Dafür sollte es eine gesetzliche Regelung geben, die wir begrüßen würden.“ Für die Rekonstruktion eines Unfalls könnte zudem ein Ereignisdatenspeicher die relevanten Daten erheben und ausschließlich zu diesem Zweck speichern.

Beide Einrichtungen müssen laut Schartel möglichst datensparsam sein und hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit genügen.

Sicherheit als unumstößliche Maßgabe

Nach heutigem Stand gibt es also noch verschiedene Fragen, die auf dem Weg zum autonomen Fahren geklärt werden müssen. Auch vor dem Hintergrund einer Maßgabe, die für Daimler unumstößlich ist: „Bei allen Diskussionen und Überlegungen zu möglichen Produkten der Zukunft hat die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer oberste Priorität. Das ist eine Prämisse, der Daimler immer gefolgt ist und der das Unternehmen auch beim autonomen Fahren treu bleibt. Weil zur Sicherheit auch Rechtssicherheit gehört, sind wir Juristen bei Daimler schon in einem frühen Stadium der Produktentwicklung eingebunden.“

Über Klaus Schartel

Klaus Schartel leitet den Bereich Mergers und Acquisitions / Kooperationen in der Rechtsabteilung der Daimler AG und koordiniert die rechtlichen und ethischen Fragen zum vernetzten und autonomen Fahren.

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