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Batterie-Speicher Anlage in Hannover von Mercedes-Benz
  • Atmende Energiespeicher.

  • Atmende Energiespeicher.

    • 09.06.2016
    • E-Mobilität
    • Illustration: Realgestalt
    • Text: Walther Wuttke

    3.000 Akkus für die aktuelle smart electric drive Fahrzeugflotte werden in Hannover zu einem XXL-Speicher gebündelt und entlasten das dortige Stromnetz.

    Mit einem weltweit einzigartigen Konzept für ein aktives Batterie-Ersatzteillager geht Daimler in Hannover an den Start. Statt die Akkus einfach in einem Hochregallager zu stapeln, werden in der niedersächsischen Landeshauptstadt rund 3.000 Stück für die aktuelle smart electric drive Fahrzeugflotte zu einem XXL-Stationärspeicher gebündelt. Nach dem Speicher in Lünen, wo Daimler zusammen mit den Partnern The Mobility House und GETEC den größten Second-Use-Batteriespeicher der Welt errichtet, ist die Anlage ein weiterer Schritt, die Umweltbilanz und die Kostenbilanz der Elektromobilität zu optimieren.

    16 Megawatt Leistung

    Der Speicher in Hannover hat eine Leistung von 16 Megawatt und wird noch in diesem Jahr zusammen mit dem Partner Enercity (Stadtwerke Hannover) aktiviert werden.

    Außerdem investiert Daimler 500 Millionen Euro in den Ausbau des Accumotive-Standortes im sächsischen Kamenz, wo die Batterien für die Mercedes-Elektroflotte hergestellt werden. Dort ist die Produktion für die in privaten Haushalten genutzten Stationärspeicher angelaufen. „Auch hier verzeichnen wir eine erfreuliche Nachfrage und haben die ersten Anlagen bereits an Privatkunden ausgeliefert“, zieht Harald Kröger, Leiter Entwicklung Elektrik bei Daimler Bilanz. In Zusammenarbeit mit den Partnern EnBW oder SMA Solar Technology AG kommen in diesen Tagen die ersten Anlagen in die Häuser.

    Positiv für Batterie und Energiebilanz

    Die Speichertechnik spielt bei Daimler inzwischen nicht nur bei mobilen Anwendungen eine bedeutende Rolle. Die in Hannover aktiv gelagerten Batterien liefern einen wichtigen Beitrag, um das Stromnetz in Zeiten regenerativer Energiequellen wie Solar und Wind zu stabilisieren, denn sie gleichen die nicht zu vermeidenden Energieschwankungen so gut wie verlustfrei aus. Doch nicht nur die Energiebilanz profitiert von dem „atmenden Energiespeicher“. Auch die Batterien selbst sind Gewinner. Denn um später problemlos eingesetzt zu werden, muss der Akku während seiner Lagerzeit regelmäßig ge- und entladen werden, um so eine Tiefenentladung zu vermeiden, die sich negativ auf die Leistung auswirken könnte.

    Allerdings ist diese Art der Lagerung nicht für alle Batterietypen sinnvoll. Akkus aus  Hybridmodellen sind ungeeignet, weil „diese Hybridbatterien mehr auf Leistung ausgelegt und weniger auf Energieinhalt. Deshalb kommen sie für einen stationären Speicher wie in Hannover nicht infrage“, erklärt Kröger. Höchstens die Akkus aus den Plug-in-Modellen könnten für derartige Anlagen genutzt werden.

    „ Wir denken darüber nach, an Standorten, bei denen es schon mal zu Stromausfällen kommt, wie zum Beispiel in Südafrika, diese Speicher als Puffer einzusetzen “

    Harald Kröger, Leiter Entwicklung Elektrik bei Daimler

    Jungbrunnen für die Batterie

    Dank des ausgefeilten Batteriemanagementsystems der Daimler-Tochter Accumotive bleiben die Batterien in Hannover stets in einem optimalen Zustand. Wenn sie als Tauschbatterien in einem Smart benötigt werden, erfüllen sie alle Qualitäts- und Lebensdaueransprüche wie am ersten Tag, denn für die Batterien funktioniert diese Art der Lagerung dank der kontrollierten Bedingungen – bei gleichbleibender Temperatur, ohne Vibrationen und ohne Überbeanspruchung durch ungeduldige Fahrer – quasi als eine Art Jungbrunnen.

    Diese Technik lässt sich zudem auch bei Daimler-Produktionsstandorten einsetzen, um dort in der Fertigung für eine optimale Energienutzung zu sorgen. „Wir denken darüber nach, an Standorten, bei denen es schon mal zu Stromausfällen kommt, wie zum Beispiel in Südafrika, diese Speicher als Puffer einzusetzen“, wagt Kröger einen Blick in die Zukunft. Allerdings haben zunächst angesichts des großen Interesses die Kunden den Vorrang.

    Der „atmende Energiespeicher“ ist so ausgelegt, dass man die Batterien kontinuierlich entnehmen kann und „die Leistung“, so Kröger, „dann kontinuierlich heruntergefahren wird. Gleichzeitig können wir aber auch die entnommenen Batterien ersetzen“. Welche Methode gewählt wird, hängt dabei auch vom Partner ab. Unabhängig davon leistet das neue Geschäftsmodell einen wichtigen Beitrag für ein stabiles Stromnetz und gleichzeitig zur Wirtschaftlichkeit der Elektromobilität. So liefern auch die in Hannover gestapelten Batterien ihren Beitrag für eine nachhaltige Mobilität ohne vorerst einen Meter auf der Straße zu rollen.

    Beitrag für eine nachhaltige Mobilität.

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