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  • Leise, lokal emissionsfrei, elektrisch.

  • Leise, lokal emissionsfrei, elektrisch.

    • 06.10.2016
    • E-Mobilität
    • Illustration: Dave Chenelle
    • Text: Rüdiger Abele & Walther Wuttke
    • Foto: Daimler

    Mercedes-Benz präsentiert ein E-Fahrzeug mit 500 Kilometern Reichweite – als Baustein einer breit angelegten Elektrifizierungs-Strategie.

    Die Zukunft kündigt sich oft leise an. Das gilt fürs Automobil derzeit ganz besonders: Viele Zeichen deuten darauf hin, dass der Elektroantrieb seine ganz große Renaissance erleben und zum Standardantrieb werden könnte – das Geräusch von Verbrennungsmotoren wäre dann Vergangenheit. Das mag zwar erst in einigen Jahrzehnten flächendeckend umgesetzt sein. Die Perspektive stimmt indes optimistisch.

     

    Renaissance? Genau: In den Frühtagen des Automobils war keinesfalls ausgemacht, dass der Verbrennungsmotor das Rennen gewinnt. Elektrofahrzeuge waren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tatsächlich ein Standardantrieb. Erst der Wunsch nach größerer Reichweite gab dem Verbrennungsmotor seinen freien Lauf. Und die Verdienste dieses Motors sind groß: Mit ihm schwangen sich Mobilität und Transportgewerbe zum heutigen hohen Stand auf.

    Elektrifizierungs-Strategie

    Daran soll sich auch nichts ändern. Die Elektrifizierungs-Strategie von Daimler baut darauf auf. „Alle Mercedes-Benz Baureihen werden elektrifiziert. smart ist ab 2017 der weltweit einzige Autohersteller, der seine gesamte Modellpalette sowohl mit Verbrennungsmotor als auch voll batterieelektrisch anbietet“, sagt Thomas Weber, Vorstand bei Daimler und zuständig für Konzernforschung und die Entwicklung von Mercedes-Benz Cars. Er zieht den Horizont noch deutlich weiter auf: Das Unternehmen arbeitet an einer eigenen Fahrzeugarchitektur für batterieelektrische Automobile. Thomas Weber: „Die Kunden wünschen keinen Verzicht im Sinne von ‚weniger Auto‘ – im Gegenteil. Deshalb setzen wir auf Effizienzsteigerung durch mehr intelligente Technologie – und das durchgängig in allen Baureihen.“

    „ Effizienzsteigerung durch mehr intelligente Technologie “

    Thomas Weber, Vorstand bei Daimler und zuständig für Konzernforschung und die Entwicklung von Mercedes-Benz Cars

    Brennstoffzelle plus Plug-in

    Diesen Herbst präsentiert Daimler den Mercedes-Benz GLC F-CELL, das erste Brennstoffzellen-Fahrzeug mit Plug-in-Technologie in Serie. Die Brennstoffzellentechnologie vereint Emissionsfreiheit, hohe Reichweite, eine kurze Betankungszeit und breite Einsatzmöglichkeiten. Sie gewinnt aus Wasserstoff Strom für den Elektroantrieb. Das einzige Nebenprodukt ist Wasserdampf. Der Mercedes-Benz GLC F-CELL ist zudem der erste Vertreter einer neuen Ära: Das kompakte Brennstoffzellensystem passt erstmals in konventionelle Motorräume.

     

    Bei einem ersten Blick unter die Haube unterscheidet sich der innovative Antrieb kaum von einem konventionellen. Erst bei genauem Hinsehen offenbaren sich die Unterschiede zum ansonsten dort montierten Verbrenner. Die Ingenieure bei Mercedes-Benz haben sich von Beginn an zum Ziel gesetzt, einen Antrieb zu entwickeln, der in den normalen Motorraum passt. Ganz bewusst wollten sie die Antriebstechnik in ein Modell montieren, das emotionale Qualitäten besitzt und für Fahrspaß steht.

    Tanken dauert 3 Minuten

    Die Alltagstauglichkeit des Brennstoffzellen-GLC zeigt sich bereits beim Tanken. Bei der ersten Präsentation des neuen Modells beim Mercedes-Benz TecDay „Road to the Future“ in Stuttgart zeigte sich, wie schnell sich die Wasserstofftanks füllen lassen. Nach knapp drei Minuten sind die rund vier Kilogramm fassenden Tanks voll und die Fahrt kann weitergehen. Dabei reicht ein Kilogramm für gut 100 Kilometer.

     

    Auch auf der finanziellen Seite gelang den Mercedes-Ingenieuren eine deutliche Optimierung. So ließen sich die Kosten allein durch eine Verringerung des Platinanteils in der Brennstoffzelle um 90 Prozent dramatisch verringern.

     

    Als weitere Innovation der nächsten Generation Brennstoffzellenfahrzeuge hat der GLC F-CELL eine Lithium-Ionen-Batterie. Der Akku mit einer Kapazität von rund 9 kWh dient als zusätzliche Energiequelle und lässt sich erstmals bei einem Brennstoffzellenfahrzeug auch extern per Plug-in-Technologie aufladen. Damit bietet das rein elektrisch angetriebene Fahrzeug ein Maximum an Effizienz und Komfort – und eine geplante Reichweite von 500 Kilometern (NEFZ).

    Das einzige Nebenprodukt ist Wasserdampf.

    Vollwertiges Elektrofahrzeug des Premiumsegments

    Doch im Herbst richten sich die Augen nicht nur auf den GLC F-CELL. Sondern auch auf etwas, was zunächst sehr technisch klingt, jedoch eine immense Tragweite hat: die neue modellübergreifende Mercedes-Benz Technikarchitektur für rein batterieelektrische Fahrzeuge. Die Weltpremiere erfolgte im September auf dem Automobilsalon Paris – in einem vollwertigen Elektrofahrzeug des Premiumsegments, das keine Kompromisse kennt. Die Markteinführung ist noch für dieses Jahrzehnt geplant.

     

    Die neue Plattform wird – wie es schon die Forschungsfahrzeuge F 015 und F 125! vorgemacht haben – konsequent auf das emissionsfreie Fahren mit Batterie ausgelegt sein. Bei der Serienumsetzung profitiert Mercedes-Benz dabei neben der internen Entwicklungs- und Produktionskompetenz auch von der konzern- und baureihenübergreifenden Modulstrategie für alternative Antriebe und dem direkten Zugriff auf Schlüsselkomponenten für die Elektromobilität. Die hocheffiziente Lithium-Ionen-Batterie der Daimler-Tochter Deutsche ACCUmotive ermöglicht in Kombination mit der intelligenten Betriebsstrategie von Mercedes-Benz erstmals rein batterieelektrische Reichweiten bis zu 500 Kilometer.

     

    Höchsten Lade- und Bedienkomfort bietet das Schnellladen mit dem Combined Charging System (CCS). Dieser neue europäische Ladestandard für Elektro- und Hybridfahrzeuge ermöglicht das Schnellladen an öffentlichen Ladesäulen mit weit größerer Leistung als heute.

     

    Hybridantriebe und 48-Volt-Bordnetz

    Den Weg in die emissionsfreie Zukunft des Autofahrens flankieren bei Daimler diverse Technologien. Hocheffiziente Verbrennungsmotoren sind eine Säule. In Hybridfahrzeugen sind sie kombiniert mit einem Elektroantrieb. Die Kraft der zwei Herzen sorgt für Bestwerte bei Verbrauch, Fahrkomfort und Dynamik. Das Mercedes-Benz Hybrid-Portfolio umfasst derzeit dreizehn Modelle.

    Eine einfachere, aber dennoch sehr wirkungsvolle Variante des elektrifizierten Verbrennungsmotors gelingt mithilfe des 48-Volt-Bordnetzes, dessen Entwicklung Mercedes-Benz ebenfalls vorantreibt. Es bietet bei gleichen Strömen die vierfache Leistung im Vergleich zum 12-Volt-Netz. Diese Leistung wird effizient genutzt: Das 48-Volt-System ermöglicht Verbrauchs- und CO₂-Einsparungen, die bisher der Hochvolt-Hybridtechnologie vorbehalten waren.

     

    Eine Zentralkomponente dafür ist der Integrierte Starter-Generator (ISG). Mit ihm lassen sich die wichtigen Hybridfunktionen Rekuperieren, Boosten sowie rein elektrisches Anfahren und Rangieren verwirklichen. Untergebracht ist er direkt im Antriebsstrang zwischen Verbrennungsmotor und Getriebe und wird bei Bedarf zugeschaltet. Der ISG vereint Anlasser und Lichtmaschine in einem Aggregat – und kann als leistungsfähiger Elektromotor arbeiten. So unterstützt er den Verbrennungsmotor, etwa beim Start und beim Beschleunigen, und speist mittels Rekuperation die Batterie.

     

    Die leise Zukunft rückt auch damit wieder ein Stück näher.

    Reichweiten bis zu 500 Kilometer

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