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  • Mit dem Mercedes-Benz Showcar EQ emissionsfrei in die Zukunft.

  • Mit dem Mercedes-Benz Showcar EQ emissionsfrei in die Zukunft.

    • 4. October 2016
    • E-Mobilität
    • Fotos: Daimler
    • Text: Rüdiger Abele

    Mercedes-Benz lanciert die neue Marke „EQ“ für Elektromobilität. Sie umfasst alle Produkte, Dienstleistungen und eine Fahrzeugstudie im Look eines SUV Coupé.

    Autosalon Paris, Ende September 2016. Mercedes-Benz hat zur großen Pressekonferenz geladen. Schon lange vor Beginn sind die Ränge dicht besetzt, haben Journalisten aus aller Welt sich die besten Plätze gesichert, um das zu erleben, was jeder in der Halle erwartet: Der Erfinder des Automobils äußert sich umfassend zur Zukunft des Automobils.

    30 Sekunden noch, die LED-Leinwand zeigt den Countdown. Musik läuft an, Beats füllen den Raum, perfekt kombiniert mit einer Lichtershow, die neugierig macht. Es geht los: Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, kommt auf die Bühne. „Bonjour bei Mercedes-Benz und smart!“ Und stellt umgehend das Hauptthema der Pressekonferenz vor: die E-Mobilität. Langsamer als gedacht komme sie in Fahrt. Nur eine Marke sei auch damit niemals schüchtern gewesen: smart. Im Jahr 2007 rollte schon der erste voll elektrisch betriebene Cityflitzer. Nun, hier in Paris, präsentiert Zetsche die jüngste Generation mit umweltfreundlichem Antrieb, und das gleich dreifach: smart fortwo coupé, smart fortwo cabrio und erstmals auch der Viersitzer smart forfour rollen elektrisch betrieben ins Rampenlicht. Drei Fahrzeuge als Idealbesetzung für den Stadtverkehr: Die Reichweite beträgt jetzt bis zu 160 Kilometer, die Ladedauer ist um rund die Hälfte gesenkt.

    Vor einem gebannten Publikum spricht Zetsche auf dem Autosalon in Paris zu den diversen Umschwüngen im Automobilmarkt. Mit ruhigen Worten legt er dar, wie Daimler darauf reagiert. Es wird deutlich, dass das Unternehmen zwar schon immer unterwegs ist auf der Straße in Richtung Zukunft, der Weg aber gerade derzeit große Schritte erfordert und dass die Elektromobilität das nächste große Ziel ist. „Jetzt ist die Zeit, den Schalter umzulegen“, sagt Zetsche – und stellt die neue Produktmarke EQ von Mercedes-Benz für Elektromobilität vor. Das Unternehmen sei bereit für den Start einer Elektrooffensive, die alle Fahrzeugsegmente von der Kompakt- bis zur Luxusklasse abdecken werde. Das Kürzel EQ steht für „Electric Intelligence“. Den ersten Vertreter hat der Vorstandsvorsitzende gleich mitgebracht: Das EQ-Showcar rollt auf die Bühne.

    „ Jetzt ist die Zeit, den Schalter umzulegen. “

    Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars.

    Reichweite bis 500 km

    Die Studie im Look eines sportlichen SUV-Coupés gibt einen Ausblick auf eine neue Fahrzeuggeneration mit batterieelektrischem Antrieb. Das dynamische Exterieur-Design und insbesondere die Frontpartie zeigen die Fokussierung auf den kraftvollen Elektroantrieb: Der „Black Panel“-Frontgrill dient als Erkennungszeichen des EQ.

    Mit zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse ist der EQ ein kraftvolles Fahrzeugkonzept. Grundlage für eine außergewöhnliche Fahrdynamik und -sicherheit ist der elektrische Allradantrieb mit achsvariabler Momentenverteilung und einer tief im Fahrzeugboden installierten Batterie. Das Fahrzeug basiert auf der neuen Mercedes-Benz Technikarchitektur für rein batterieelektrische Fahrzeuge. In der stärksten Ausbaustufe wird eine Gesamtleistung von 300 kW mit einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmeter angeboten. Damit erreicht das SUV die Tempomarke von 100 km/h in weniger als 5 Sekunden. Mit Hilfe einer ausgeklügelten Betriebsstrategie erzielt die Fahrzeugstudie eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern.

     

    5 Minuten Ladezeit für 100 Kilometer

    Ladetechnologien der neuesten Generation füllen die Batterie mit einer Gesamtkapazität von mehr als 70 kWh effizient und schnell. Das EQ-Showcar ist sowohl für das Laden zuhause per Induktion oder Wallbox als auch für das Schnellladen mit Hilfe des Combined Charging Systems (CCS) vorbereitet. Der europäische Ladestandard ermöglicht ein Schnellladen mit einer weit größeren Leistung als heute. Aktuell sind bereits Ladeleistungen von 50 bis vereinzelt 150 kW möglich. Mittel- bis langfristig sind sogar bis zu 300 kW vorgesehen. Innerhalb von fünf Minuten könnte somit Strom für 100 lokal emissionsfreie Kilometer nachgeladen werden.

     

    Skalierbare Elektrofahrzeugarchitektur

    Die eigens für batterieelektrische Modelle entwickelte Elektrofahrzeugarchitektur ist in jeder Hinsicht skalierbar und modellübergreifend einsetzbar. Radstand, Spurweite sowie alle übrigen Systemkomponenten und dabei insbesondere die Batterien sind dank des modularen Systembaukastens variabel. Das Fahrzeugkonzept ist für alle Anforderungen einer batterieelektrischen Modellfamilie optimiert. Die Basisarchitektur eignet sich für SUV, Limousinen, Coupés, Cabriolets und weitere Modellreihen. Die Fahrzeugstruktur baut – ähnlich wie bei den aktuellen Serienmodellen von Mercedes-Benz – auf einem zielgenau zusammengestellten Materialmix aus Stahl, Aluminium und Carbon und erfüllt damit die komplexen Anforderungen an Leichtbau, Stabilität und Kosteneffizienz optimal.

    Ein Blick ins Interieur zeigt ein fahrerorientiertes Cockpit mit einem großen, 24-Zoll-Widescreen Display, das zu schweben scheint. Die Bedienung erfolgt touchbasiert. Damit löst sich die Fahrzeugstudie von der Bedienlogik heutiger Fahrzeuge und gibt einen Ausblick in die Zukunft dessen, was die Fachleute „User Interaction“ nennen.

    Neue Design-Akzente sind auch im übrigen Innenraum zu finden. So ist er beispielsweise mit vier Einzelsitzen ausgestattet. Das reduzierte Volumen, die schwebende Anmutung und die avantgardistische Sitzgrafik vermitteln optische Leichtigkeit. In die Kopfstützen integrierte Lautsprecher sorgen für ein individuelles Sound-Erlebnis. Lichtweißes Leder umspannt die Seitenwangen. Die Perforation in Pixelregen-Optik gibt den Blick auf Partikel in Roségold frei.

    Start einer Elektro-Offensive, die alle Fahrzeugsegmente umfasst. Die Ladedauer ist um rund die Hälfte gesenkt.

    Das Fahrzeug meldet Ladestationen in der Umgebung

    Selbstverständlich bietet der EQ die neuesten Fahrerassistenzsysteme von Mercedes-Benz. Damit geht der EQ den nächsten Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren, immer unter der Prämisse Sicherheit und im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem optimierten Zusammenspiel der einzelnen Komponenten, der sogenannten Sensorfusion, also der Verknüpfung von Daten der diversen Sensoren. Nach der Einschätzung der Mercedes-Benz Experten zählt das zu den wichtigsten Voraussetzungen fürs automatisierte Fahren.

    Die Ingenieure gehen aber noch einen Schritt weiter: Das Fahrzeug ist mit Car-to‑X-Technologie ausgestattet und kann Informationen mit der Infrastruktur und anderen Fahrzeugen austauschen – eine ideale Grundlage für eine Reihe neuer Assistenzfunktionen, die bestehende Systeme ergänzen und so einen weiteren Schritt in Richtung Unfallvermeidung gehen. Hilfreich für den Fahrer sind außerdem Hinweise über Lademöglichkeiten in der Umgebung. Sobald EQ merkt, dass das Fahrtziel mit der vorhandenen Batterieladung nicht erreicht werden kann, informiert er den Fahrer über entsprechende Optionen auf der Navigationskarte.

    3D‑Stadtansicht in einem neuen Design

    Das digitale Interface kann aber noch wesentlich mehr: Ein weiteres Highlight ist die hochdetaillierte 3D‑Stadtansicht in einem neuen Design. Die technische Grundlage auch für die Darstellung bildet die Kartenplattform von HERE. So können zum Beispiel Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten in der Kartenansicht gezeigt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Reduktion der visuellen Komplexität der Karte während der Fahrt: Der Fahrer sieht lediglich die für die Navigation relevanten Gebäude und Informationen. Der Fahrer bekommt Hinweise auf Ladestationen sowie Informationen, wo induktives Laden entlang der Route möglich ist. Auch eine Anzeige des aktuellen Energieverbrauchs entlang der gefahrenen Strecke ist in der hochdetaillierten Anzeige des Showcars integriert.

    Mobilität neu gedacht

    Mit der Marke EQ möchte Mercedes-Benz ein umfassendes elektromobiles Ökosystem aus Produkten, Services, Technologien und Innovationen bieten. Das Spektrum reicht von Elektrofahrzeugen über Wallboxen und Ladeservices bis hin zum Home-Energiespeicher. Die kommenden EQ-Fahrzeugmodelle werden dabei das Wesentliche der modernen Elektromobilität verkörpern: ein die Emotionen ansprechendes Design, Fahrspaß, hohe Alltagstauglichkeit und ein Maximum an Sicherheit.

    Den Startschuss dafür hat das EQ-Showcar in Paris gegeben. „Wir sind bereit für die Zukunft“, sagt Dieter Zetsche. „Sie wird eine Revolution beinhalten – aber es wird eine friedliche und tatsächlich leise Revolution sein.“

    Neuauflage des Elektro-Stadtflitzers

    Weltpremiere auf dem Automobilsalon Paris für die neuen smart electric drive – erstmals mit dem Viersitzer smart forfour. Markteinführung: Anfang 2017.

    Der Pionier des batterieelektrischen Stadtautos legt nach: Auf dem Automobilsalon Paris 2016 erlebten gleich drei Fahrzeuge ihre Weltpremiere in der „electric drive“-Ausführung: smart fortwo coupé, smart fortwo cabrio und – erstmals – auch der Viersitzer smart forfour. Bereits 2007 brachte die Marke den ersten elektrisch angetriebenen smart heraus. Sie ist jetzt weltweit der einzige Autohersteller, der seine vollständige Modellpalette sowohl mit Verbrennungsmotoren als auch voll batterieelektrisch anbietet. Das fortwo cabrio ist zudem das einzige Cabriolet mit Elektroantrieb auf dem Markt. Die Markteinführung beginnt in drei Monaten in den USA und danach in Europa im Frühjahr 2017.

    „Der smart ist das perfekte Stadtauto, das mit dem elektrischen Antrieb noch ein bisschen perfekter wird“, sagt smart-Chefin Annette Winkler. Im Heck der Fahrzeuge arbeitet ein 60 kW (81 PS) starker Elektromotor. Aus dem Stand stellt er ein kraftvolles Drehmoment von 160 Newtonmetern zur Verfügung. Die Reichweite beträgt jetzt 160 Kilometer (NEFZ) – ideal für eine Nutzung in Städten und Großräumen. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 130 km/h zugunsten der Reichweite elektronisch abgeregelt. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt beispielsweise der smart fortwo electric drive in 11,5 Sekunden.

    Eine deutliche Verbesserung auch bei der Ladezeit der Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 17,6 kWh: Serienmäßig bieten alle Modelle einen neuen leistungsstarken On-Board-Lader. In den USA und Großbritannien beträgt die Ladezeit 2,5 Stunden und ist damit im Vergleich zum Vorgänger halbiert. Über die „smart control“-App lassen sich der Ladevorgang bequem aus der Ferne überwachen und viele weitere Funktionen wie das intelligente Laden steuern. Die Batterie stammt von der Daimler-Tochter Deutsche ACCUmotive. Das Unternehmen mit Sitz im sächsischen Kamenz baut bereits seit 2012 das elektrische Herzstück des smart electric drive.

    Schnelllader verfügbar

    Auf Wunsch ist ab 2017 ein besonders leistungsstarker Schnelllader mit einer Leistung von 22 kW verfügbar. Dieser ermöglicht es, den smart electric drive in noch einmal deutlich kürzerer Zeit zu laden: in weniger als 45 Minuten, wenn das Laden je nach örtlicher Gegebenheit über drei Phasen möglich ist.

    Aufgrund der Leistungscharakteristik des Elektromotors kommt der smart mit einer einzigen festen Getriebeübersetzung aus. Schalten ist somit überflüssig – ein großer Vorteil im dichten Stadtverkehr. Zum Rückwärtsfahren ändert sich die Drehrichtung des Motors. Der Antrieb wird im Renault-Werk in Cléon in Nordfrankreich produziert. Die beiden Modelle des smart fortwo electric drive laufen im Rahmen der Serienfertigung im smart Werk Hambach vom Band. Der smart forfour electric drive wird am Standort Novo Mesto in Slowenien produziert.

    Neben dem Basis-Fahrprogramm kann der Fahrer den Eco-Modus wählen. Dieser ist auf eine besonders effiziente Fahrweise ausgelegt. Dazu ist die Höchstgeschwindigkeit begrenzt, die Fahrpedalkennlinie angepasst und die maximale Rekuperationsstufe fest vorgewählt. Im Schiebe- oder Bremsbetrieb wird Bewegungsenergie des Fahrzeugs in elektrische Energie umgewandelt – die sogenannte Rekuperation. Vorausschauend arbeitet die radarbasierte Rekuperation, die im Basis-Fahrprogramm aktiv ist. Über einen Radarsensor wird das Verkehrsgeschehen beobachtet und die Rekuperationsstufe passend zur aktuellen Situation gewählt.

    Um Energie zu sparen und noch mehr Reichweite zu gewinnen, bietet der smart electric drive zudem eine Vorklimatisierung. So lässt sich der Innenraum zum Beispiel bereits auf die gewünschte Temperatur bringen, während das Fahrzeug noch zum Laden mit der Steckdose verbunden ist.

    Über die „smart control“-App lassen sich viele „electric drive“-Informationen per Smartphone, Tablet oder PC abrufen und Funktionen wie Vorklimatisierung oder intelligentes Laden bequem aus der Ferne steuern. Gegenüber dem Vorgänger sind die Bedienmöglichkeiten ausgebaut. So erlauben zum Beispiel zwei programmierbare Abfahrtszeiten, dass häufige Fahrten für intelligentes Laden und Vorklimatisierung nicht immer neu eingestellt werden müssen.

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