smart: Elektromobilität auf dem Vormarsch.
  • Move, share, care.

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    • 1. December 2016
    • E-Mobilität
    • Foto: Daimler
    • Text: Walther Wuttke
    • Illustration: Coen Pohl

    Warum die Zukunft elektrisch ist und wie ich den smart als Briefkasten nutzen kann. smart Chefin Annette Winkler über die besondere Ausrichtung der Marke.

    SMART IST DIE EINZIGE AUTOMOBILMARKE, DIE IHRE MODELLPALETTE MIT KONVENTIONELLEM UND ELEKTRISCHEM ANTRIEB ANBIETET. WARUM RÄUMT SMART DER ELEKTROMOBILITÄT EINEN SO GROSSEN STELLENWERT EIN?

    Annette Winkler: Bereits der Ur-smart war als Elektromobil geplant. Und in Zukunft wird der smart als das konsequenteste Stadtauto immer elektrischer werden. Wenn wir angesichts der sich verschärfenden Umweltsituation in Städten wie zum Beispiel Stuttgart weiter auf einen freiwilligen Beitrag der Bürger setzen wollen, muss es ein Angebot geben, dass die Menschen begeistert. Diese Mobilität muss aber auch erschwinglich sein. Der Elektro-smart kostet in Deutschland nach Abzug der Prämien unter 18.000 Euro. Ich entdecke auch zunehmend die Einstellung, dass viele Menschen, darunter vor allem Junge, der Stadt etwas zurückgeben wollen. Mit dem elektrischen smart schenken sie der Stadt mehr Platz, mehr Ruhe sowie bessere Luft. Das alles führt dazu, dass wir sehr stark auf die Weiterentwicklung der Elektromobilität setzen. Die Kombination aus CarSharing, Autos mit geringem Platzbedarf und Elektroantrieb wird in den kommenden Jahren strategisch sehr wichtig werden. Auch weil immer mehr Städte sagen, wir wollen CarSharing fördern, aber bitte mit Elektromobilität.

    WAS MUSS AUS IHRER SICHT GESCHEHEN, DAMIT ES MIT DER ELEKTROMOBILITÄT IN DEUTSCHLAND VORANGEHT? SPÜREN SIE EINE STÄRKERE NACHFRAGE NACH DER EINFÜHRUNG DER STAATLICHEN KAUFPRÄMIE?

    Da muss der Dreiklang aus passenden Fahrzeugen, Infrastruktur und Preisfähigkeit besser abgestimmt werden. Und hier liegen wir mit dem smart ed sehr gut. Die Investitionen in die Infrastruktur müssen allerdings nicht nur von der öffentlichen Hand, sondern auch von privaten Investoren und von den Arbeitgebern kommen. So müssen entsprechend vor Mehrfamilienhäusern oder am Arbeitsplatz die notwendigen Lademöglichkeiten entstehen. Wir beobachten im Internet ein wachsendes Interesse am smart ed, doch die Leute brauchen auch Zeit, um sich umzustellen.

     

    WAS IST DAS BESONDERE AM SMART ED IM FELD DER ELEKTRISCH ANGETRIEBENEN FAHRZEUGE?

    Da ist zum einen natürlich der einzigartige Auftritt des smart mit seinen 2,69 Metern oder als Viersitzer mit 3,49 Metern. Seine Wendigkeit und die Beschleunigung fühlen sich mit dem Elektroantrieb noch einmal stärker an. Wenn ich in der Stadt Auto statt Bus fahren will, ist es einfach die beste Art der Mobilität. Und dann kommt natürlich mein gutes Gewissen hinzu und die Sicherheit, auch in der Stadt leicht einen Parkplatz zu finden. Schließlich schlägt dem Kleinen auch noch ein gewisser und nur schwer zu beschreibender Sympathiefaktor entgegen. Das bereitet einfach viel mehr Freude beim Fahren.

    „ Der elektrische smart könnte sich zu einem Beschleuniger für die Elektromobilität im Konzern entwickeln. “

    Annette Winkler, CEO Smart Automobile

    DIE REICHWEITE IST BEIM NEUEN MODELL NICHT GEWACHSEN. WARUM?

    Doch, sie hat leicht zugelegt. Aber wir reden hier vom kleinsten Auto auf dem Markt. Da ist der Raum für die Batterie begrenzt. Unsere Kunden fahren meistens kurze Strecken in der Stadt, sodass sie uns immer wieder zurückgemeldet haben, dass ihnen die Reichweite unseres smart electric drive ausreicht. Zusätzlich war es uns vor allem wichtig, einen Schnelllader zu bringen, der bezahlbar ist. Früher hat die Technik rund 2.500 Euro gekostet, künftig wird sie deutlich preisgünstiger. Damit kann man die Akkus in 45 Minuten bis zu 80 Prozent aufladen; in einer Viertelstunde hat man leicht 50 Kilometer Reichweite gespeichert. Allerdings brauchen wir dafür natürlich auch eine entsprechende Ladeinfrastruktur.

    DER SCHNELLLADER GEHÖRT ZUR SERIENAUSSTATTUNG?

    Die Technik kommt als Option an Bord. Der Schnelllader wird im kommenden Herbst verfügbar sein. Im Frühjahr wird der smart ed auch in Europa bei den Händlern stehen.

     

    WIRD ES BEIM NEUEN SMART DAS BATTERIE-LEASING WEITER GEBEN?

    Nein. Das war eine gute Idee, um den ersten Kunden die Scheu vor batterieelektrischem Fahren zu nehmen. Stattdessen übernehmen wir jetzt für die Batterie eine acht Jahre andauernde Gewährleistung und es fallen keine zusätzlichen Kosten für ein Batterie-Leasing mehr an.

     

    WIE WIRKT SICH BEIM ELEKTRO-SMART DIE ZUSAMMENARBEIT MIT RENAULT AUS?

    Die Plattform haben wir auf Basis unseres Grundfahrzeugs ebenfalls gemeinsam weiterentwickelt. Bei der Produktion in Hambach, wo der Zweitürer vom Band läuft, ist lediglich eine Station hinzugekommen, an der die Batterie montiert wird. Genauso wie in Novo Mesto in Slowenien, wo wir den Viertürer produzieren. Die Batterie kommt von uns aus Kamenz, der Motor wird im Renaultwerk in Cléon montiert.

     

     

    WANN WIRD SMART GANZ AUF E-MOBILITÄT SETZEN UND DIE VERBRENNER IN DEN RUHESTAND SCHICKEN?

    Ich habe leider keine Kristallkugel, um vorauszusagen, wie schnell sich die Elektromobilität in all unseren 46 Märkten, in denen wir mit smart präsent sind, durchsetzt. Wir können in unseren beiden Fabriken die Produktion immer der Nachfrage entsprechend sehr flexibel steuern. Es wird aber sicherlich noch eine ganze Zeit sowohl Verbrenner- als auch E-Motoren für den smart geben. Die Förderung der E-Mobilität wird aber die Verbreitung der Elektromodelle beschleunigen.

    „ Wir suchen nach Städten, die sich besonders für den smart electric drive eignen, weil sie ökologisch besonders fortschrittlich sind. “

    Annette Winkler

    IHR KONZEPT DER „SMART CITIES“ WAR SEHR ERFOLGREICH. WIE GEHT ES DAMIT WEITER UND SPIELT DIE E-MOBILITÄT DABEI EINE ROLLE?

    Ausgangspunkt war der Erfolg des smart in Rom. Bisher haben wir in Rom 120.000 smart verkauft. Durch die geringen Abmessungen des Zweisitzers im Vergleich zu einem Durchschnittsfahrzeug gewinnt Rom jeden Tag rund 150 Kilometer an Parkraum und auch die Staus werden kürzer. Daraus entstand das Konzept „smart city“. Inzwischen gibt es 37 „smart cities“, und das Netz wird weiter ausgebaut. Die Händler müssen besonders engagiert sein und bereit, in eigene smart Teams zu investieren, denn smart lebt von der Begeisterung aller Beteiligten. Ist diese gegeben, erhalten die Händler von uns eine Anschubfinanzierung, damit sie Spezialisten als Verkäufer einstellen, die quasi Tag und Nacht smart denken. In Nanjing zum Beispiel haben wir so den Absatz von 70 innerhalb relativ kurzer Zeit auf 1.000 smart gesteigert. Inzwischen gibt es in China neun „smart cities“. Zusätzlich bieten wir unseren „smart cities“-Händlern mobile Fahrstationen an, mit denen spontan Probefahrtaktionen organisiert werden können. Denn der smart überzeugt vor allem durch das unmittelbare Fahrerlebnis. Jetzt wollen wir das Konzept um die Elektromobilität ergänzen und suchen nach Städten, die sich besonders für den smart electric drive eignen, weil sie bereits eine Infrastruktur besitzen oder ökologisch besonders fortschrittlich sind. Der elektrische smart könnte sich so auch zu einem Beschleuniger für die Elektromobilität im Konzern entwickeln.

     

    PLANT SMART NEBEN CAR2GO WEITERE ANGEBOTE ALS MOBILITÄTSDIENSTLEISTER?

    Wir haben durch die car2go-Technologie, mit der sich per Smartphone die Autos lokalisieren, öffnen, schließen und starten lassen, alles, um jede Menge neue Services anbieten zu können. Zum Beispiel unsere Kooperation mit DHL, die sich gerade in Stuttgart und Köln im Beta-Launch befindet. Hier wird der smart zum mobilen Briefkasten für meine Bestellungen bei Amazon und anderen Internethändlern. Das lässt sich natürlich auch umkehren, sprich, dass Retouren herausgeholt werden können. Oder man kann zum Beispiel der Reinigung mitteilen, wo sie meine gereinigte Kleidung in den Wagen hängen kann. Dafür gibt es eine Transaktionsnummer, mit der das Auto per Smartphone einmal geöffnet und wieder verschlossen werden kann. Ebenfalls in Köln beginnen wir mit dem privaten CarSharing. Hier kann ich eine beliebige Anzahl Leute einladen, meinen smart mit mir zu teilen. Auf einer Reservierungsplattform teile ich die Zeiten mit, zu denen der smart genutzt werden kann. Das Ganze ist dann eine Art „AirBnB auf Rädern“. Ich kann aber auch im Internet anbieten, das Auto abzuholen, zu waschen und fertig geputzt wieder abzustellen. Wir wollen rund um den smart ein ganzes Bündel von Serviceleistungen entwickeln und so eine neue Kombination aus Smartphone und intelligentem Auto schaffen.

    „ Ich kann eine beliebige Anzahl Leute einladen, meinen smart mit mir zu teilen. “

    Annette Winkler

    Wenn die Stadt smart wird.

    Von Beginn an stand die Marke smart für das intelligente Stadtauto. Daher war es für die Marke nur logisch, Metropolen, die sich besonders für den Zweisitzer eignen, zu „smart cities“ zu befördern. Eine „smart city“ zeichnet sich durch ein hohes Verkehrsaufkommen und ein damit verbundenes knappes Parkplatzangebot aus. Hinzu kommen enge Straßen, eine Bevölkerung mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein und eine kreative Szene, die bereit ist, neue Wege zu gehen. Im Gegensatz zur autogerechten Stadt ist der smart das Auto für die menschengerechte Metropole.

    Die Idee der smart cities hat ihren Ursprung in dem großen Erfolg des Zweisitzers in Rom. Die italienische Hauptstadt hat aktuell die weltweit größte smart-Dichte. Auf 1.000 Einwohner kommen aktuell 41 smart. Und die Zustimmung zum Konzept des maßgeschneiderten Stadtautos wächst in mehr und mehr urbanen Ballungsräumen. Die Automobilmarke konnte inzwischen 37 Großstädte auf drei Kontinenten zu smart cities ernennen. Auf diesen Märkten wird die smart-Dichte durch gezielte Vertriebs- und Marketingaktionen kontinuierlich gefördert. Die an den Aktionen beteiligten Händler werden entsprechend unterstützt und die Verkäufer geschult. Ziel ist es, die Begeisterung für das Fahrzeug auf die Kundschaft zu übertragen. So erhalten potenzielle Kunden zum Beispiel über mobile Fahrstationen die Gelegenheit zu Probefahrten. Den Erfolg der Aktionen misst smart nicht klassisch an Marktanteilen, sondern an „Stadtanteilen“ – der Verteilung von smart Fahrzeugen je 1.000 Einwohner.

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