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  • Umweltschonend durch Berlin.

  • Umweltschonend durch Berlin.

    • 5. September 2016
    • E-Mobilität
    • Fotos: Benjamin Tafel
    • Text: Walther Wuttke

    Der Mercedes-Benz C 350 e kann dank Verbrennungsmotor und Elektrontrieb über längere Strecken elektrisch und lokal emissionsfrei fahren. Wie die Testfahrt beweist.

    Der Weg zur Elektromobilität führt über eine technologische Brücke, auf der die besten Eigenschaften zweier Technologien zu einem neuen und umweltschonenden Antriebskonzept vereint werden. Zwar ist es viel zu früh, den Abschiedsgesang auf den Verbrennungsmotor anzustimmen. Doch in Zukunft wird sich die seit mehr als 130 Jahren bewährte Antriebstechnik den Platz unter der Haube mit einem oder mehreren Elektromotoren teilen müssen, um die von der EU-Kommission vorgegebenen Abgasrichtlinien zu erreichen. Mercedes-Benz hat reagiert und bereits 2014 das erste Modell mit Plug-In-Hybrid-Technik auf den Markt gebracht. 2015 folgten zwei weitere Modelle, bis 2017 sollen neun weitere Fahrzeuge mit diesem Antrieb angeboten werden.

    Kaufprämie von 3.000 Euro

    Bei den Plug-In-Varianten wird ein Verbrennungsmotor mit einem Elektrontrieb kombiniert und so eingesetzt, dass jeweils die sparsamste Kombination genutzt wird. Im Gegensatz zu einem konventionellen Hybrid kann ein derartiges Fahrzeug über längere Strecken rein elektrisch und damit lokal emissionsfrei fahren. Beim C 350 e sind dies auch im dichten Verkehr einer Großstadt wie etwa Berlin mit vielen seltsamen Ampelschaltungen rund 30 Kilometer. Die Plug-In-Hybrid-Version der C-Klasse unterscheidet sich auf den ersten und auch auf den zweiten Blick kaum von den konventionell angetriebenen Modellvarianten. Höchstens das neue Kennzeichen mit einem „e“ für Elektroantrieb, die dezente Ladeklappe im hinteren Stoßfänger und einige blaue Accessoires weisen die Limousine als eine Vertreterin der neuen Antriebsgeneration aus, die in Deutschland mit einer Kaufprämie von 3.000 Euro gefördert wird.

    Mercedes-Benz C 350 e

    Kraftstoffverbrauch kombiniert: 2,4-2,1 l/100 km;

    CO₂-Emissionen kombiniert: 55-48 g/km.

    205 kW starkes Kraftpaket

    Unter der Haube verbünden sich ein Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung und ein Elektromotor zu einem zusammen 205 kW starken Kraftpaket, was sich wiederum in eine maximale Geschwindigkeit von 250 km/h und einer Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 5,9 Sekunden übersetzt. Soweit die konventionellen Daten aus der fossilen Epoche der Automobilität. Viel interessanter für die aktuelle Diskussion um Mobilität im Zeichen des Klimawandels sind die anderen Werte des C 350 e. Die elektrische Reichweite von rund 30 Kilometer reicht für die meisten Pendler vollkommen aus, um den Arbeitsplatz lokal emissionsfrei zu erreichen und am Abend abgasfrei nach Hause zu fahren.

    Nach der Beschäftigungsstatistik des Statistischen Bundesamtes in Deutschland wohnen rund 49 Prozent der Arbeitnehmer weniger als zehn Kilometer von ihrer Arbeitsstelle entfernt, bei 27 Prozent sind es bis zu 25 Kilometer und lediglich 17 Prozent müssen mehr als 25 Kilometer zurücklegen. Allerdings ist die rein elektrische Reichweite nur ein Aspekt der umweltschonenden Technologie. Mindestens genauso wichtig ist der Anteil der ohne Verbrenner gefahrenen Kilometer, die sich allein durch den Einsatz der Hybridtechnik erreichen lassen. Im konkreten Fall wurden von 2867 Kilometern 576 ohne Verbrennungsmotor und damit emissionsfrei zurückgelegt. Immerhin ein Anteil von rund 20 Prozent.

    Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 5,9 Sekunden.

    In zwei Stunden geladen

    Die Energie für die elektrische Reichweite liefert eine dezent und platzsparend über der Hinterachse platzierte 6,4 kWh starke Batterie, die aus der konzerneigenen Produktion im sächsischen Kamenz stammt. Bei optimalen Bedingungen vergehen zwei Stunden, nachdem das Ladekabel an der Steckdose oder Ladesäule angeschlossen wurde, bis die Energiespeicher wieder geladen sind. Das Laden kann auch per eingestellter Abfahrtzeit über die Mercedes connect me Web-App gesteuert werden.

    Nachdem der Zündschlüssel die Antriebseinheit zum Leben erweckt hat, passiert zunächst einmal – nichts. Ein dezentes „ready“ weist darauf hin, dass die Fahrt starten kann. Wie bei Hybridmodellen üblich startet auch der C 350 e zunächst im E-Modus lautlos, um je nach gewähltem Modus und dem Zustand der Energiespeicher in den Verbrenner-Modus zu wechseln. Neben der Einstellung Hybrid, bei der je nach Fahrweise ständig zwischen Elektro- und Verbrennerantrieb hin und her geschaltet wird, stehen noch drei andere Einstellungen zur Verfügung. E-Mode steht dabei für den batterieelektrischen Antrieb, der sich vor allem im Stadtverkehr bewährt, wenn man entsprechend vorausschauend fährt und dabei auch die Rekuperationsmöglichkeiten nutzt, also die Energiegewinnung mittels Bremsen.

    Die Batterie lädt beim Bremsen

    Wenn konventionelle Fahrzeuge ihre Geschwindigkeit verzögern, erzeugen sie Wärme.  Hybridmodelle verwandeln die so gewonnene Energie in Batteriestrom. Auf der Autobahn spielt diese Technik ihr Potenzial aus und lädt die Batterie bei jedem Verzögern. Im E-Modus hilft auch das haptische Gaspedal beim umweltschonenden Fahren. Ein Druckpunkt signalisiert die Grenze des elektrischen Antriebs. Wird das Pedal über diesen Punkt hinaus gedrückt, übernimmt der Vierzylinder den Vortrieb. Bis maximal 130 km/h kann elektrisch gefahren werden, danach übernimmt der Verbrenner die Hauptrolle.

    In der Stadt erzeugt der lautlose Antrieb immer wieder Aufsehen bei überraschten Passanten, wenn sich die Limousine ohne das vertraute Motorengeräusch nähert. Auch deshalb empfiehlt sich eine defensive Fahrweise, die gleichzeitig der Energiebilanz hilft.

    Lautlos durch die Innenstadt.

    Klassische Qualitäten der C-Klasse

    Bei der Einstellung E-Save wird die elektrische Ladung für einen späteren Zeitraum erhalten. Zum Beispiel für eine Fahrt durch eine Umweltzone. Der elektrische Antrieb ist bei dieser Stellung nur eingeschränkt verfügbar. Wenn man „Charge“ wählt, hat man offensichtlich während der Fahrt bereits zu viel elektrische Energie verbraucht und füllt nun die Batterie für die Fahrt in die Innenstadt. Bei dieser Einstellung bleibt der Verbrennungsmotor eingeschaltet, und dadurch kann sich der Verbrauch erhöhen.

    Klingt alles kompliziert, ist es aber nicht. Nach einer kurzen Eingewöhnung zeigt der C 350 e die klassischen Qualitäten der C-Klasse – Komfort, Souveränität und stabiles Fahrverhalten. Zudem informiert ein Display ständig darüber, was gerade geschieht: ob die Batterie geladen wird, der Verbrennungsmotor allein die Regie übernommen hat, der Wagen im E-Modus rollt oder ein gemischtes Doppel aus E- und Verbrenner-Antrieb für das Fortkommen sorgt. Der Übergang zwischen den verschiedenen Antriebskombinationen erfolgt so problemlos, dass weder Fahrer oder Passagiere bemerken, welche Variante gerade für den Vortrieb sorgt.

    Nahtloser Übergang zwischen den verschiedenen Antriebskombinationen.

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