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Croove: Grafik zeigt Menschen, die sich vernetzen.

Share and enjoy.

  • 15.12.2016
  • Mobilitätskonzepte
  • Illustration: James Boast
  • Text: Rüdiger Abele

Pilotversuch in München: Croove, die neue Carsharing-Plattform von Mercedes-Benz, bringt private Fahrzeuganbieter und -mieter zusammen.

Die blaue Mercedes-Benz C-Klasse glänzt in der Sonne. So steht sie auf dem Parkplatz vor einem Münchner Wohnhaus – und virtuell auch bei Croove, der neuen CarSharing-Plattform von Mercedes-Benz. Die Idee: Privatpersonen vermieten ihr Auto an Privatpersonen. „Peer to Peer“ nennen Fachleute dieses Prinzip.

 

Wie das funktioniert? Unkompliziert! Die Croove-App führt den Fahrzeughalter durch alle Schritte. So hat er zügig den Fahrzeugsteckbrief mit Modell, Ausstattung, Fotos, Verfügbarkeit, Preis und Übergabeort auf die Plattform gebracht und damit den Einstieg in die Autovermietung gemacht. Jetzt kann die C-Klasse von den bei Croove (www.letscroove.com) registrierten Nutzern angemietet werden. Eine klare Kommunikation zwischen beiden Parteien über Zeitpunkt, Dauer und weitere Details sorgt für Transparenz und Verlässlichkeit. Der Fahrzeughalter hat die Auslastung seines Fahrzeugs optimiert und verdient auch noch Geld dabei.

Mit dem eigenen Auto Geld verdienen

Etwas mit anderen teilen: Das ist die Grundidee der „Sharing Economy“. Mit car2go, im Jahr 2008 gestartet, ist Daimler im Automobilsektor ein Pionier des Sharing-Prinzips. Die neue Plattform Croove erweitert diese Strategie des Teilens, das im Vergleich zu kommerziellen Anbietern deutlich kostengünstiger ist: „Millionen von Autos werden nur wenige Stunden in der Woche genutzt – wir kümmern uns um die restliche Zeit“, erklärt Croove-Gründer Daniel Rohrhirsch. Die App ermöglicht Mietern, schnell und unkompliziert ein gepflegtes und sicheres Fahrzeug passend zu ihrem Mobilitätsbedürfnis und unabhängig von einer festen Verleihstation zu finden.

 

Die App liefert den Dienstwagen

Begonnen hat Croove Anfang Dezember 2016 zunächst in München. Nach der dortigen Pilotphase wird entschieden, ob die Plattform auch in anderen deutschen Städten startet. Eingebettet ist das Projekt in die CASE-Strategie von Mercedes-Benz Cars für eine Ausrichtung auf die Zukunftsthemen Connectivity, Autonomes Fahren, Sharing und Elektrifizierung.

Ein Beispiel: Person X hat gerade einen Termin aufs Smartphone bekommen. Am Montag soll sie zusammen mit zwei Kollegen einen Kunden im Bayerischen Wald besuchen: in schönster Landschaft, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen.

 

Person X wählt nun auf der Croove-App den kommenden Montag als Datum aus – schon liefert Croove eine Liste der verfügbaren Fahrzeuge. Person X entscheidet sich für eine E-Klasse, die in der Nähe parkt. Sie kostet 61 Euro. Aktuelle Alternativen wären etwa eine A-Klasse für 44 Euro oder ein CLA für 47 Euro. Hinzu kommen Treibstoffkosten. Auch Fahrzeuge anderer Marken sind im Angebot.

„ Millionen von Autos werden nur wenige Stunden in der Woche genutzt – wir kümmern uns um die restliche Zeit. “

Daniel Rohrhirsch, Croove-Gründer

Gezahlt wird über die App

Eine hohe Bedienungsfreundlichkeit sowie Transparenz und Sicherheit stehen bei Croove im Mittelpunkt. Vermieter legen online ein Profil mit den Fahrzeugdaten inklusive Sonderausstattung an. Die Fahrzeuge müssen in einem guten Zustand und dürfen nicht älter als 15 Jahre sein.

Mieter registrieren sich ebenfalls, sie müssen mindestens 21 Jahre alt und im Besitz eines gültigen Führerscheins sein. Vermieter und Mieter dokumentieren den Fahrzeugzustand bei einem Kontrollrundgang bei Abholung und Rückgabe, der digitale Croove-Mietvertrag enthält eine Checkliste. Gezahlt wird bargeldlos über die App. Fertig.

 

In unserem Beispiel: Nachdem Person X und ihre Kollegen ihre Geschäftsreise in die bayerische Provinz mit der C-Klasse absolviert haben, stellen sie die Mercedes-Benz Limousine wieder auf dem Parkplatz des Fahrzeughalters ab. Person A gibt per Smartphone noch eine Bewertung ab. Schon steht das Auto in der Croove-App für den nächsten Mieter zur Verfügung.

Das Smartphone als Vermittlungszentrale.

Mein, dein, unser

Sharing hat sich längst in vielen Branchen und Ländern etabliert. Dabei geht es nicht nur darum, das eigene Gut, so weit eben möglich, zu kommerzialisieren. Für viele Teilnehmer spielt auch der soziale Aspekt eine wichtige Rolle: Jemand bietet etwas an – ein anderer benötigt es. Über eine gemeinsame Plattform finden beide zusammen. Tatsächlich ist Sharing für manche schon zu einer ethischen Haltung geworden, gemäß der Idee: Bewusstes Teilen ist gutes Teilen. Privatbesitz erfährt dabei eine Kommunalisierung.

Europa ist für CarSharing derzeit der größte Markt mit rund 2,2 Millionen Mitgliedern in unterschiedlichen Communities und fast 60.000 Fahrzeugen, sagt eine aktuelle Studie der University of California in Berkeley. Deutschland ist der größte Einzelmarkt. Nordamerika steht an zweiter Stelle, mit mehr als 1,6 Millionen Nutzern und fast 25.000 Fahrzeugen. Überall auf der Welt wird ein signifikantes Wachstum von CarSharing erwartet, am größten in China.

Vertrauen macht Spaß

Zwar gibt es noch immer erheblich mehr Autos in Privatbesitz. Doch diese und andere Studien verweisen auf einen ernst zu nehmenden Markt. Die stärksten Treiber für CarSharing sind eine zunehmende Bevölkerungsdichte insbesondere in urbanen Räumen, ein Rückgang des privaten Autobesitzes, die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs sowie Mobilitätsstrategien, die einen multimodalen Verkehr betonen, wie das Center for Automotive Research (CAR), Ann Arbor in einer im August 2016 veröffentlichten Untersuchung feststellt.

 

Hinzu kommt ein genereller Wandel von Besitz- und auch Mobilitätsgewohnheiten. Für eine „Sharing Economy“ begeistern können sich vor allem die 18- bis 24-Jährigen. Außerdem Haushalte mit einem Jahreseinkommen zwischen 50.000 und 75.000 Dollar. Sowie Nutzer mit minderjährigen Kindern im Haushalt, hält das Wirtschafts- und Steuerprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers in einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2015 fest. Zu allen praktischen Motiven komme für 63 Prozent und damit die Mehrheit der Befragten noch ein weiteres hinzu: Sharing und der damit verbundene Kontakt mit anderen Menschen, sowie das Vertrauen ineinander machen mehr Spaß als eine Geschäftsbeziehung mit traditionellen Unternehmen. Sharing schafft ein soziales Erlebnis, das mancher als sozialen Reichtum empfindet.

Gleichzeitig Geld verdienen und jemandem Nutzen bringen.

Rein ins Autos – raus aus der Stadt.

Mit dem eigenen Auto Geld verdienen ist leichter, als man denkt. Wer sein Auto nicht braucht, kann es ab sofort kostenlos über die Plattform www.letscroove.com zunächst im Großraum München anbieten. Das Angebot reicht bereits jetzt zum Start des Piloten vom VW Polo 1.2 für 28 Euro bis zum Ford Mustang 5.0 Cabriolet für 143 Euro am Tag. „Den genauen Preis legt der Vermieter fest. Wir geben anhand von Modell und Baujahr in unserer App einen Vorschlag, doch der Vermieter kann den Preis auch unabhängig davon eingeben. Wir sind dabei für alle Automarken offen“, erklärt Croove-CEO Daniel Rohrhirsch. „Bei uns bekommt man im Gegensatz zu einer normalen Autovermietung nicht irgendeine Autoklasse, sondern genau das Auto, das man auch wirklich will.“

Ob sich die Vermietung des eigenen Fahrzeugs auf Dauer lohnt? Bei der Hochrechnung hilft ein Rechner auf der Croove-Homepage. Hat das Auto beispielsweise einen Marktwert von 40.000 Euro, könnten das bei monatlich acht Miettagen gut 6.000 Euro im Jahr und somit pro Monat 500 Euro sein.

Die Abwicklung der Vermietung könnte einfacher kaum sein. Alles läuft über die Croove-App, über die auch die Protokolle für die Übergaben abgewickelt werden. So spart man sich bei der Übergabe unübersichtliche Formulare, zahllose Unterschriften und Kleingedrucktes. Vom endgültigen Mietpreis gehen 30 Prozent an die Croove-Plattform. „Zudem bieten wir für 15 Euro in der Münchner Innenstadt auch einen Hol- und Bringservice an“, erläutert Christian Röhm vom Produktmanagement.

Im Gesamtpreis enthalten sind die Fahrzeugnutzung für 24 Stunden inklusive einer Strecke von bis zu 300 Kilometern sowie ein spezielles Versicherungspaket der Allianz. Hierin ist das Fahrzeug während des Vermietungszeitraumes unabhängig von der normalen Haftpflicht- und Kaskoversicherung des Autos geschützt. Das sichert beide Parteien maximal ab. „Es wird zum Start wohl eher mit kurzen Mietzeiten beginnen, da die meisten den Service erst einmal ausprobieren wollen“, blickt Christian Böhm in die Zukunft. „Mittelfristig werden es jedoch überwiegend mehrtägige Anmietungen sein.“ Das fünfzehnköpfige Croove-Team geht zudem davon aus, dass die potenziellen Mieter mit den Fahrzeugen vor allem freizeitorientierte Touren zum Skifahren, in die Berge oder an die Seen im Umland unternehmen. „Daher ist München ideal für den Start unseres Unternehmens“, sagt Daniel Rohrhirsch. Bald soll Croove allerdings in ganz Deutschland zu einer Mobilitäts-Alternative zu normalen Autovermietungen wie Avis, Sixt oder Europcar werden.

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