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Mercedes-Benz Next car2go.
  • „Wir entlasten Städte.“

  • „Wir entlasten Städte.“

    • 26.01.2017
    • Mobilitätskonzepte
    • Illustration: Mathieu De Steur
    • Text: Walther Wuttke

    Daimler ist mit car2go Marktführer beim Thema CarSharing. Thomas Beermann, Chef von car2go-Europa, erläutert im Interview die Zukunftspläne des Unternehmens.

    CAR2GO TRÄGT DEUTLICH ZU EINER ENTLASTUNG DER INNENSTÄDTE BEI. DENNOCH GIBT ES PROBLEME MIT DEN PARKMÖGLICHKEITEN. WELCHE ERWARTUNGEN HABEN SIE AN DIE KOMMUNEN, UM CARSHARING NOCH POPULÄRER ZU MACHEN?

    Thomas Beermann: Für die Städte ist Freefloating-CarSharing eine große Chance. Alle großen Städte, mit denen wir sprechen, haben mehr oder minder die gleichen drei Probleme: die Verkehrsdichte, die Luftverschmutzung und den fehlenden Parkraum. Das Angebot von car2go bietet für all diese Probleme eine nachgewiesene Entlastung. Manchen Städten ist das sehr bewusst, andere Städte sind hier noch nicht so weit. Gerade in Italien zum Beispiel sind viele Städte sehr progressiv, wenn es darum geht, Lösungen für diese Probleme zu finden.

    Entgegenkommen können uns die Städte vor allem in der Parkregelung und beim Thema der Zufahrtsbeschränkungen. Eine spannende Diskussion ist zum Beispiel die Frage nach dem Anwohnerparken. Immer wieder erreichen uns Beschwerden von Menschen, die der Meinung sind, dass sie zwar ihr privates Fahrzeug vor der Tür abstellen dürfen, der Nachbar, der car2go nutzt und kein eigenes Fahrzeug mehr besitzt, dürfe das aber nicht. Das sehen wir natürlich ganz anders. Hier braucht es für jede Stadt, in der wir aktiv sind, klare Regelungen. Das CarSharing-Gesetz, das gerade in Deutschland in der Diskussion ist, kann hier ein wichtiger Rahmen sein.

    WIE VIELE AUTOS SIND DERZEIT FÜR CAR2GO UNTERWEGS?

    Insgesamt sind im Moment mehr als 14.000 Fahrzeuge von car2go in 26 Städten unterwegs. Im Durchschnitt wird jedes Fahrzeug zwischen sechs und acht Mal am Tag genutzt. An unserem erfolgreichsten Standort in Madrid wird jedes Auto sogar im Schnitt 15 Mal angemietet. Je öfter die Fahrzeuge genutzt werden, desto weniger besetzen sie wertvollen Parkraum. Je mehr Kunden unsere Fahrzeuge nutzen, desto weniger private Autos wird es in der Stadt geben. Darum fokussieren wir uns strategisch stark darauf, die Auslastung der Fahrzeuge weiter zu erhöhen.

    IST CAR2GO NICHT EINE KONKURRENZ ZUM ÖPNV?

    Wir sehen unser CarSharing-Angebot ganz klar als eine Ergänzung im innerstädtischen Verkehr – im engen Zusammenspiel mit anderen Verkehrsträgern, insbesondere dem öffentlichen Nahverkehr. Das spiegeln uns auch unsere Nutzer wider. Sie nutzen car2go sehr intelligent im Mix mit anderen Angeboten. Manchmal ist das Auto der beste Weg, um von A nach B zu kommen, und manchmal die U-Bahn. Das ist von vielen Faktoren abhängig: Zu welcher Tageszeit bin ich unterwegs? Ist gerade Stau in der Stadt? Habe ich Gepäck? Wie ist das Wetter? Und vieles mehr.

    „ Je öfter die Fahrzeuge genutzt werden, desto weniger besetzen sie wertvollen Parkraum. “

    Thomas Beermann, Chef von car2go-Europa

    BISHER IST CAR2GO VOR ALLEM MIT SMART AUF DER STRASSE. BLEIBT ES DABEI?

    In Deutschland ist car2go an allen Standorten außer Stuttgart schon mit Mercedes-Benz Modellen unterwegs. Das ist ein klares Feedback unserer Kunden, die sich auch mal ein größeres Fahrzeug gewünscht haben, und damit auch unsere Richtung für die Zukunft. Wir werden mit einem guten Mix aus smart und Mercedes-Benz Modellen unterwegs sein. Je nach Standort kann aber das richtige Mischungsverhältnis ein bisschen variieren. Fakt ist, die Mercedes-Benz Modelle werden von den Kunden sehr gut angenommen. Im ersten Quartal ist der Rollout in andere Locations wie Wien und Nordamerika geplant.

     

    WELCHE ROLLE SPIELT DABEI DIE ELEKTROMOBILITÄT?

    Wir sind schon heute der größte Freefloating-CarSharing-Anbieter im Bereich der Elektromobilität. An den Standorten Stuttgart, Amsterdam und Madrid sind wir mit rein elektrischen Flotten und insgesamt mehr als 1.300 EV-smarts unterwegs. Das Thema Elektrofahrzeuge ist für uns strategisch sehr entscheidend. Langfristig gehen wir davon aus, dass die Zukunft des CarSharings rein elektrisch sein wird. Dazu braucht es aber in vielen Städten noch einen starken Ausbau der Ladeinfrastruktur. Die Erfahrungen, die wir heute schon im Betrieb der Elektroflotten machen, ist unser Kapital. Kein Unternehmen weiß besser, wie man das wirtschaftlich umsetzen kann.

    car2go verfügt über eine Flotte von 14.000 Fahrzeugen an 26 Standorten in Europa, Nordamerika und China.

    EINE STUDIE DER UNIVERSITÄT BERKELEY ZEIGT, WIE VIELE FAHRZEUGE DURCH CAR2GO EINGESPART WERDEN. GIBT ES ÄHNLICHE UNTERSUCHUNGEN FÜR DEUTSCHLAND ODER EUROPA?

    Im vergangenen Jahr gab es eine ganze Reihe ähnlicher Studien aus Mailand, München, Wien und anderen Städten. Alle kommen im Kern zu einem ähnlichen Ergebnis: Jedes CarSharing-Fahrzeug ersetzt im Schnitt sechs bis acht private Fahrzeuge. Entweder kaufen die Nutzer ein bereits geplantes Auto nicht oder sie verkaufen ihr altes Fahrzeug. Dabei geht es vor allem um kleine und alte Autos, die von den Straßen verschwinden.

    WELCHE ALTERSSTRUKTUR HABEN DIE KUNDEN VON CAR2GO?

    Der typische car2go Kunde ist männlich, um die 30 Jahre alt und überdurchschnittlich gebildet. Eine sehr spannende Zielgruppe. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das auch die potenziellen Mercedes-Benz Käufer der Zukunft sein werden. Eine einfache Rechnung macht den Marketing-Wert von car2go für die Marke Mercedes-Benz sehr deutlich: Wenn wir 300 Mercedes-Benz Fahrzeuge in Berlin jeweils rund achtmal am Tag vermieten, sind das an jedem Tag 2.400 Probefahrten in einer hochattraktiven Zielgruppe.

    „ Langfristig gehen wir davon aus, dass die Zukunft des CarSharings rein elektrisch sein wird. “

    Thomas Beermann

    Berkley-Studie: Die Metropolen atmen auf.

    Die automobile Welt erlebt derzeit einen Wandel, bei dem nicht allein die neuen alternativen Antriebsarten eine tragende Rolle spielen, sondern auch die Möglichkeiten, wie Automobile genutzt werden. Der Besitz eines Automobils ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Hersteller, die sich bisher darauf beschränkten, rollende Statussymbole zu liefern, entwickeln sich zu Mobilitätsdienstleistern. CarSharing, also ein Auto zu teilen statt exklusiv zu besitzen, ist der neue Standard, und dabei spielt Daimler eine führende Rolle. car2go ist aktuell das größte CarSharing-Unternehmen der Welt. Inzwischen nutzen rund zwei Millionen Kunden in neun Ländern und 29 Metropolen die Mobilität auf Zeit.

    Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen und damit auch auf die Umwelt, fanden jetzt Forscher der Universität Berkeley in Kalifornien heraus. Für ihre in dieser Form erste wissenschaftliche Studie blickten Elliot Martin und Susan Shaheen über einen dreijährigen Zeitraum auf die kanadischen Metropolen Calgary und Vancouver sowie die amerikanischen Städte Seattle, San Diego und Washington D.C.. Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich car2go auf die urbane Mobilität und die Umweltbelastung durch den Verkehr auswirkt.

    „Während unserer dreijährigen Untersuchung haben wir herausgefunden, dass car2go zu weniger Automobilen auf den Straßen führt, weniger Meilen pro privatem Auto zurückgelegt werden und sich die Treibhausgas-Emissionen in den untersuchten Städten verringert haben“, zieht Susan Shaheen ein Fazit der wissenschaftlichen Studie. Und: „Die Beteiligung von car2go und dessen Mitgliedern an der Studie ermöglichte uns einen einmaligen Einblick in die Funktionsweise dieser innovativen Art der Mobilität. So konnten wir untersuchen, welche Auswirkungen sie auf die nordamerikanischen Städte hat. Schließlich stellt car2go die größte CarSharing-Flotte in Nordamerika.“ Für die Studie wurden die Daten von 9.497 car2go-Kunden ausgewertet.

    Teilen statt zu besitzen und nur dann zahlen, wenn man tatsächlich hinter dem Lenkrad sitzt: Das zahlt sich nicht nur für den car2go-Kunden aus. Auch die Umwelt und die urbane Atmosphäre profitiert, wenn sich die Fahrzeugdichte verringert. Zwischen zwei und fünf Prozent der car2go-Kunden haben als Reaktion auf das Sharing-Prinzip sogar ihr privates Fahrzeug abgeschafft, fanden die Berkeley-Forscher heraus. Das durchschnittliche Alter der von car2go-Nutzern abgestoßenen Automobile belief sich dabei auf 14,4 Jahre.

    Weitere sieben bis zehn Prozent der Studien-Teilnehmer behielten zwar ihr Auto, verzichteten aber auf den eigentlich geplanten Kauf eines Neuwagens. Insgesamt, so die Berechnungen der Forscher, ersetzt ein car2go-Fahrzeug zwischen sieben und elf Fahrzeuge auf städtischen Straßen. Positiver Nebeneffekt: Auf diese Weise gewannen die Innenstädte zusätzlichen Parkraum, die Zahl der Fahrzeuge verringerte sich in den untersuchten Metropolen um 28.000.

    Die meisten Privatautos fielen car2go dabei in der kanadischen Cowboy-Metropole Calgary zum Opfer. Dort verdrängte jedes geteilte Automobil insgesamt elf Fahrzeuge. Diese Zahl addiert sich in der Hochrechnung auf insgesamt 6.000 Automobile. Außerdem verbesserte sich die Umweltbilanz durch die Einsparung von 14 Tonnen Treibhausgas je car2go-Fahrzeug, was wiederum im Jahr rund 8.000 Tonnen weniger CO₂ ausmacht. Im besonders umweltbewussten Vancouver verdrängte car2go mehr als 8.000 Fahrzeuge von den Straßen. Die insgesamt pro Fahrzeug zurückgelegte Strecke reduzierte sich um 34,2 Millionen Meilen. Der Umwelteffekt belief sich am Ende auf eine Einsparung von 10.000 Tonnen Treibhausgase.

    Nach den Schätzungen der Berkeley-Forscher wurden dank der Sharing-Fahrzeuge in jeder der Metropolen zwischen zehn und 29 Millionen Meilen pro Fahrzeug eingespart. Das wiederum übersetzt sich in eine Verringerung der Treibhausgase von 5,5 bis 12,7 Tonnen Treibhausgase je car2go-Fahrzeug. Im Durchschnitt reduzierte sich die Umweltbelastung in den untersuchten Städten um zehn Prozent. Nach Hochrechnung der Wissenschaftler verringerte sich die Belastung durch Treibhausgase in den fünf Metropolen danach um insgesamt bis zu 39.127 Tonnen.

    CarSharing beeinflusst laut Studie auch die alltäglichen Fahrgewohnheiten. In den fünf Städten gaben zehn Prozent der Teilnehmer an, insgesamt weniger zu fahren. Gleichzeitig erklärte eine Mehrheit vor allem in den dicht besiedelten Metropolen wie Vancouver und Washington, eher mehr Fahrten zu unternehmen. Zu den Verlierern gehören die Taxiunternehmen. Denn offensichtlich dient car2go in den meisten Städten als Taxi-Ersatz. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel werden von den car2go-Kunden weniger frequentiert. Stattdessen sind diese häufiger zu Fuß unterwegs.

    Durchgeführt wurde die Untersuchung von Innovative Mobility Research. Die Forschergruppe gehört zum Transportation Sustainability Research Center (TSRC) an der Universität Berkeley und konzentriert sich auf die Erforschung der Zukunft der Mobilität.

    car2go-USA-Chef Paul DeLong bewertet die Studie positiv: „Das Ergebnis bestätigt, dass CarSharing einen bedeutenden und positiven Einfluss auf die Reduzierung der gefahrenen Meilen und die Umweltbelastungen in den Städten besitzt.“

    CAR-Studie: Die Neuerfindung der Mobilität.

    Mitfahrten spontan per App organisieren, flexibles CarSharing nutzen oder das Taxi auf Knopfdruck bestellen, bezahlen und bewerten: Das wird in den nächsten Jahren vor allem in weltweiten Ballungsräumen eine immer größere Rolle spielen, so das kalifornische Center for Automotive Research (CAR) in der 2016 erschienenen Studie „The Impact of New Mobility Services on the Automotive Industry“.

    Die CAR-Studie nennt als vorerst wichtigste Zielgruppen für diese Entwicklung die um das Jahr 2000 geborenen „Millennials“ sowie die zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den 1960er-Jahren geborenen „Babyboomer“. Dabei werden die Jüngeren die Palette digitaler Mobilitätsservices ganz selbstverständlich nutzen, während die älteren Kunden sich vor allem wegen des Komforts und der Flexibilität für die Neuen Mobilitätsservices (NMS) entscheiden.

    Aber was bringt die Entwicklung für die Automobilwirtschaft? Das Resümee der CAR-Studie kann der Branche Mut machen: „Dass sich der Trend zu NMS durchsetzt, stellt für Automobilhersteller vor allem eine Gelegenheit dar“, heißt es in dem Papier.

    Die Industrie muss bereit sein, sich neu zu erfinden. Das ist eine Aufgabe, die so alt ist wie das Automobil selbst. Denn dessen Erfinder, Carl Benz und Gottlieb Daimler, stellten 1886 ja nicht nur ein radikal neues Verkehrsmittel vor. Sondern die beiden Pioniere stellten die etablierte Branche des Motorenbaus auf den Kopf. Aus der stationären Arbeitsmaschine wurde durch das Automobil das Herzstück eines neuen Produktes, durch welches wiederum eine ganze Palette neuer Dienstleistungen möglich wurde.

    Wandlungsfähigkeit steckt der Automobilbranche also in den Genen. Bei Daimler sind inzwischen zahlreiche Mobilitätsdienstleistungen entstanden, welche Daimlers Fahrzeugentwicklung mit Zielen wie dem autonomen, elektrischen und vernetzten Fahren ergänzen. Zu diesen Angeboten zählen die Mobilitäts-App Moovel, das Taxi-Portal MyTaxi, der CarSharing-Anbieter car2go und der Limousinenservice Blacklane. Das Unternehmen betreibt diese Dienstleister als Tochtergesellschaften oder ist an ihnen beteiligt – so wie auch am führenden Fernbusunternehmen Flixbus. Zudem bietet Mercedes-Benz Kunden in aller Welt Systeme für den Bus Rapid Transit (BRT) aus einer Hand an: von den Fahrzeugen über die Beratung bis zur Finanzierung.

    NMS werden in der CAR-Studie weniger als Katalysatoren eines plötzlichen Umbruchs gesehen, sondern als Förderer einer kontinuierlichen Evolution von Mobilität: „Der graduelle Wandel wird es allen an der Transportwirtschaft Beteiligten – besonders den Automobilherstellern – ermöglichen, sich anzupassen und ihre Marktposition zu sichern“, heißt es in dem Papier.

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