Mercedes-Benz Vans wandelt sich vom Hersteller zum Anbieter von Systemlösungen.
  • Der Transporter wird intelligent.

  • Der Transporter wird intelligent.

    • 27. October 2016
    • Vernetzung
    • Fotos: Daimler
    • Text: Walther Wuttke

    Mercedes-Benz Vans wandelt sich vom Hersteller zum Anbieter von Systemlösungen. Beispiel: innovative und individualisierte Leistungsangebote für Handwerksbetriebe.

    Auch Transporter müssen sich auf die neue digitale Welt einstellen. Die einst für einfache urbane Logistikaufgaben konzipierten Fahrzeuge werden in Zukunft die Rolle von Systempartnern übernehmen, mit denen Waren und Dienstleistungen vernetzt und ohne Reibungsverluste transportiert werden. Mercedes-Benz Vans treibt diese Entwicklung voran und bringt zusätzliche Intelligenz in die bisher intellektuell eher wenig auffälligen Vans. In Zukunft sollen zusätzliche, an den Bedürfnissen der Kunden orientierte Serviceangebote auf den Markt kommen.

    Neben der Hardware konzentriert sich Mercedes-Benz Vans unter dem programmatischen Schlagwort adVANce auf Zukunftsfelder, die der Logistik eine neue Richtung geben werden: Im Mittelpunkt stehen dabei Konnektivität und das Internet der Dinge sowie verschiedene Technologien, die in den Transporter integriert werden, um den Materialfluss zu optimieren. Hinzu kommen innovative Hardware-Entwicklungen sowie neue Mobilitätslösungen, um Menschen und Güter zu transportieren.

     

    Mercedes-Benz Vans wird im Jahr 2020 ein ganz anderes Unternehmen als heute sein. Nicht nur, weil wir bis dahin innovative Modelle auf den Markt bringen, sondern weil wir unser Fundament vollständig verändern werden. Wir wollen nicht von den Entwicklungen getrieben werden, sondern sie von der Spitze aus gestalten und uns vom Hersteller zum Leistungsanbieter verändern“, erklärt Mercedes-Benz Vans Chef Volker Mornhinweg den neuen Kurs. Das Unternehmen konnte  in den vergangenen Jahren Absatzrekorde einfahren.

     

    Die Logistikindustrie vor neuen Herausforderungen

    Mit der neuen Ausrichtung reagiert Mercedes-Benz Vans auch auf die Urbanisierung der Gesellschaft. „Metropolen werden sich in den kommenden Jahren zu urbanen Regionen entwickeln mit neuen Möglichkeiten und Herausforderungen für die Logistikunternehmen“, so Mornhinweg. Neben der Verstädterung stellt auch die Digitalisierung der Gesellschaft die Logistikindustrie vor neue Herausforderungen – dabei müssen in Zukunft nicht allein die Pakete der großen E-Commerce-Unternehmen transportiert werden. Auch die Bestellungen in den elektronischen Lebensmittelgeschäften werden eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Kunden, die nach einer schnellen und zuverlässigen Lieferung verlangen.

     

    „Um in diesem Wandel bestehen zu können, wollen wir uns vom reinen Transporter-Hersteller zu einem Anbieter von ganzheitlichen Systemlösungen entwickeln. Unser Kunde der Zukunft benötigt mehr als einen Transporter mit vier Rädern“, erklärt Mornhinweg. Und: „Der Van der Zukunft wird zum integrierten Teil der digitalisierten Welt mutieren und wissen, was er geladen hat, wo genau die Ware im Laderaum liegt, wohin die Fahrt geht und wann er den Kunden erreichen wird.“

    „ Unser Kunde der Zukunft benötigt mehr als einen Transporter mit vier Rädern. “

    Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans

    Kooperation mit Silicon Valley

    Deshalb arbeitet Mercedes-Benz Vans mit Start-ups im Silicon Valley zusammen. Dort werden Lösungen für intelligente Beladung und Auslieferung der Waren entwickelt, was sich in Zukunft positiv auf Umwelt und die Kostenstrukturen der Unternehmen auswirken soll. Dabei reichen die möglichen Lösungen vom Transport per Drohne bis zum selbstfahrenden Roboter, der die Lieferung ins Haus bringt.

     

    Ein Beispiel ist die Optimierung des Materialmanagements in Handwerksbetrieben. Den Satz „Das Teil fehlt, da muss ich aufs Lager fahren“ kennt jeder Bauherr. Die Konsequenzen sind eine still stehende Baustelle und ein entsprechender Zeitverlust, der noch größer wird, wenn „das Teil“ erst noch bestellt werden muss, was wiederum die anderen Gewerke aufhält. Die Experten von Mercedes-Benz Vans haben ausgerechnet, dass ein Handwerker durchschnittlich eine Stunde pro Woche allein damit beschäftigt ist, vergessene oder nicht bestellte Teile zu organisieren.

    Aktuell ist der Transporter noch ein „dummes Fahrzeug“ ohne Verbindung zur Außenwelt, allein dafür geschaffen, Waren von einem Punkt zum anderen zu bringen. In Zukunft wird sich der intelligent vernetzte Van zum Partner des Handwerks entwickeln und eine tragende Rolle beim Materialmanagement spielen. Zusammen mit den Kooperationspartnern Sortimo International und Fischerwerke hat Mercedes-Benz Vans den „Mobile Material Service“ entwickelt, mit dem fehlende Teile mittels Smartphone bestellt und direkt in den Transporter geliefert werden können. Der Satz mit dem fehlenden Teil und der Fahrt zum Lager gehört dann der Vergangenheit an.

     

    Pilotversuch am Bodensee

    In einem Mercedes-Benz Vito des Unternehmens FF Haustechnik am Bodensee befindet sich ein Regalsystem von Sortimo, das mit Near Field Communication Tags (NFC-Tags) ausgerüstet ist und mit Material von Fischer befüllt wurde. Seit Mai ist der intelligente Vito im Dienst. Um herauszufinden, welche Teile vorhanden sind, scannt der Servicetechniker die NFC-Tags mit seinem Smartphone und erhält über die Sortimo Refill-App eine Übersicht über den Inhalt der einzelnen Fächer. Mit der App kann der Techniker die fehlenden Teile ordern und gleichzeitig auch den Standort des Vans angeben.

    Der Van als Partner des Handwerks.

     

    Um die Lieferung und das Einräumen kümmert sich dann der Großhändler, der auf der App hinterlegt ist. Nachts werden die fehlenden Teile direkt in den Vito geliefert. Der Lieferant ist mit der Delivery-App ausgerüstet, mit der sich der Standort über GPS herausfinden lässt. Die App öffnet dem Lieferanten das Fahrzeug und verschließt es wieder. Der Vito ist mit einem Geofence ausgerüstet, sodass sich der Van in einem Umkreis von 150 Metern einmalig öffnen und schließen lässt. Über eine weitere App (Mercedes-Benz Vans Driver’s App) können der Techniker und sein Chef alle wichtigen Details kontrollieren und sich ansonsten um andere Aufgaben kümmern.

     

    Zeitersparnis: 140 Minuten pro Woche

    Das Pilotprojekt am Bodensee hat erstaunliche Potenziale zutage gefördert. So lassen sich durch die Vernetzung des Vans jede Woche rund 140 Minuten Zeit pro Fahrzeug einsparen, die bisher in außerplanmäßige Fahrten zum Lager oder Großhändler für Bestellungen und zum Auffüllen der Regale investiert werden mussten. Auch der Teile-Lieferant zieht eine positive Bilanz, weil die App den Lieferprozess deutlich vereinfacht. Im Durchschnitt entfallen pro Fahrzeug zwei Fahrten in der Woche, was sich pro Jahr in eine Ersparnis von bis zu 7.000 Euro übersetzt. Im kommenden Jahr soll der innovative Materialservice an den Start gehen.

    „ Wir wollen nicht von den Entwicklungen getrieben werden, sondern sie von der Spitze aus gestalten. “

    Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans

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