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  • Mit dem Smartphone in die Parklücke.

  • Mit dem Smartphone in die Parklücke.

    • 19.05.2016
    • Vernetzung
    • Illustration: Raúl Soria
    • Text: Walther Wuttke

    Die neue E-Klasse macht Zukunft erlebbar: Parken Sie per Smartphone. Oder lassen Sie sich von spezieller Technik nervenschonend durch den Stau lenken.

    Die neue E-Klasse (W213) macht der Vorsilbe „auto“ (griechisch für „selbst“) in dem Wort „Automobil“ alle Ehre. Denn „selbstmobiler“ oder autonomer als in dem jüngsten Modell von Mercedes-Benz ist Fahren und Parken zurzeit kaum denkbar. Diese E-Klasse ist ein weiterer Schritt hin zum autonomen Fahren.

    Das wurde auch Zeit, denn zwischen Gottlieb Daimlers Erfindung des Automobils, die zahllose Kutschpferde in den Ruhestand schickte und der weitgehenden Befreiung des Chauffeurs von seinen Aufgaben sind immerhin 130 Jahre vergangen. In der aktuellen E-Klasse zeigt Daimler, wie viel Digitalisierung heute möglich ist, und wie sich der Fahrer dank der Technik entlasten lässt, was wiederum dem Fahrkomfort und der Verkehrssicherheit zu Gute kommt.

    Keyless Go 2.0

    Der digitale Fortschritt beginnt bereits mit dem Einsteigen. Denn der konventionelle Schlüssel hat ausgedient, wenn man sein mit einer Secure-SIM ausgestattetes Smartphone mit dem W213 verbunden hat. Dann öffnet sich die Tür wie von selbst, und die E-Klasse lässt sich starten. Möglich macht dies der digitale Fahrzeugschlüssel im Mobiltelefon, mit dem die Zugangs- und Fahrtberechtigung mittels Near Field Communication (NFC) ermöglicht wird. Und das auch, wenn das Telefon an einem akut leeren Akku leidet.

    Der digitale Schlüssel ist eine Komposition aus einem NFC-Steuergerät, einem Touchpoint in der Fahrertür, über den der Zugang geregelt wird und schließlich einem weiteren Touchpoint im Innenraum, über den die „Starterlaubnis“ gegeben wird. Nach der Freischaltung des Smartphones kann der digitale Schlüssel drei Jahre kostenlos genutzt werden, erst danach entstehen zusätzliche Kosten.

    Der digitale Fortschritt beginnt bereits mit dem Einsteigen.

    Parken per Smartphone

    Das Mobiltelefon spielt beim W213 allerdings nicht nur eine Hauptrolle beim Starten, sondern auch beim Parken. Mercedes-Benz bietet erstmalig den Remote Park-Pilot an, mit dem Ein- und Ausparken in engen Parklücken und Garagen mit einem Smartphone und der dazugehörigen App von außerhalb des Fahrzeugs möglich wird.

    Das System nutzt dafür die Ultraschallsensoren des Park-Piloten PARKTRONIC, die Rundumsicht wird über Kameras ermöglicht. Um das Ein-und Ausparken nutzen zu können, muss sich der Fahrer in einem Bereich von zirka drei Metern um das Fahrzeug befinden, und die App auf seinem Smartphone starten. Über den Fahrzeugschlüssel überprüft die Elektronik, dass sich der Chauffeur tatsächlich nicht hinter dem Lenkrad befindet.

    Das Smartphone kann die E-Klasse auch in enge Parklücken leiten.

    Leichteres Einparken in Parkhäusern

    Die Verbindung von Smartphone zum Fahrzeug wird über Bluetooth® aufgebaut. Dafür muss das Smartphone über das Mercedes me Portal freigeschaltet werden. Auf der App lassen sich mehrere Modelle hinterlegen – allerdings kann immer nur ein Fahrzeug gesteuert werden. Ist die Verbindung hergestellt, kann der Parkvorgang gestartet werden. Vor allem bei engen Einstellplätzen in Parkhäusern bewährt sich die Technik, denn die meisten Nischen entsprechen noch immer den schmaleren Fahrzeugabmessungen aus den 1970er Jahren, als die Automobile entsprechend schlank gehalten waren.

    Dem Parklotsen stehen die meisten üblichen Parkszenarien zur Verfügung, also Quer- oder Längsparken, links oder rechts sowie vorwärts und rückwärts. Während des gesamten Parkvorgangs muss ständig eine Kreisbewegung auf dem Display des Smartphones ausgeführt werden.

    Keine Angst vor Radarblitzern

    So weit, so gut. Doch der W213 ist vor allen Dingen ein Fahrzeug, das teilautomatisiertes Fahren auf Autobahnen, Landstraßen und sogar in der Stadt mit dem DRIVE PILOT möglich macht. Ist COMAND Online mit an Bord, kann der DRIVE PILOT durch den zuschaltbaren Geschwindigkeitslimit-Piloten über Kamera erkannte Geschwindigkeitsbegrenzungen selbstständig einregeln. – Dazu zählen auch Schilderbrücken und Baustellenbeschilderungen. Auch von der Navigation gemeldete Limits, zum Beispiel die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h innerhalb von Ortschaften oder 100 km/h auf Landstraßen, regelt das Fahrzeug über den Abstands-Piloten DISTRONIC von allein.

    Nervenschonend durch den Stau

    Die neue Technik orientiert sich bis 130 km/h nicht mehr allein an den Fahrbahnmarkierungen, sondern kann auch ohne eindeutige Linien weiter manövrieren. Im Stau, eine bislang meist Stress verursachende Verkehrssituation, übernimmt der Drive Pilot bis 30 km/h allein die Regie und führt seinen Fahrer nervenschonend durch das Stop-and-go.

    Die sensorisch gesteuerte Technik liefern auch ihren Beitrag zur Verkehrssicherheit. Denn der DRIVE PILOT kann auf mehrspurigen Straßen dem Fahrer helfen, die Spur zu wechseln, zum Beispiel beim Überholen (bis Tempo 180 km/h), wenn der Blinker lange genug (zwei Sekunden) gesetzt wird. Allerdings hilft der DRIVE PILOT nur dann beim Spurwechsel, wenn auf der gewünschten Spur kein anderes Fahrzeug erkannt wird.

    Der „Drive Pilot“ hilft dem Fahrer beim Spurwechsel auf der Autobahn.

    Der Fahrer bleibt verantwortlich

    Trotzdem bleibt der Fahrer in allen Situationen immer noch der allein Verantwortliche. Nimmt er die Hände über einen längeren Zeitraum vom Lenkrad, wird er über ein akustisches und optisches Signal ermahnt. Erfolgt keine Reaktion des Fahrers, verzögert das Fahrzeug in der Spur bis zum sicheren Stillstand und warnt den nachfolgenden Verkehr mittels Warnblinker.

    Die neuen Technologien ermöglichen es dem Fahrer der E-Klasse so entspannt wie nie zuvor herumzufahren. Theoretisch könnte man jetzt hinter dem Lenkrad noch die letzten Mails abrufen oder einen Blick in die aktuelle Zeitung werfen. Doch das ist gesetzlich bislang noch nicht erlaubt.  Stattdessen bleibt im Stillstand oder Kriechgang viel Zeit, um über das „auto“ im mobilen Leben nachzudenken und sich auf die zukünftige Freiheit zu freuen.

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