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Vernetzung als Zukunftstreiber.

  • 27.05.2016
  • Vernetzung
  • Foto: Daimler
  • Text: Walther Wuttke

Der US-amerikanische Zukunftsforscher Jeremy Rifkin über die dritte industrielle Revolution und über Trucks als Vorreiter beim digitalen Fortschritt.

Die digitale Revolution ereignet sich ohne viel Aufsehen. Dennoch wird sie die Art und Weise, wie in Zukunft wirtschaftliche Abläufe gestaltet werden, vollkommen neu definieren. Die dritte industrielle Revolution findet inmitten dramatischer Umwälzungen statt, die vor allem durch den leichtfertigen Umgang der Menschheit mit der Umwelt und den dadurch folgenden wirtschaftlichen Veränderungen ausgelöst werden, so der amerikanische Autor und Zukunftsforscher Jeremy Rifkin auf dem Daimler Campus Connectivity Ende März 2016 in Düsseldorf. „Unser Ökosystem kann nicht mehr mit den von uns verursachten Klimaveränderungen mithalten, und zugleich erleben wir eine globale Wirtschaftskrise“, so Jeremy Rifkin.

„In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Produktivität weltweit zurückgegangen, was wiederum eine hohe Arbeitslosigkeit zur Folge hat. Auch deshalb müssen wir unbedingt Wege finden, das Zeitalter fossiler Brennstoffe zu verlassen.“

Das Internet der Dinge als Chance

Ein Weg aus der Krise, erläutert Rifkin, führt über das Internet der Dinge. Dieser Begriff umschreibt die Kommunikation aller Geräte untereinander, die entsprechend große Datenmengen sammeln. Diese Daten stehen wiederum allen am Wirtschaftsleben Beteiligten zur Verfügung und ermöglichen eine Optimierung der Abläufe. „Dazu gehören eine Internet-basierte Kommunikation, ein vollautomatisches GPS-gestütztes Transportsystem, sowie eine Art Energie-Internet“, erklärt Rifkin, das als dezentrales Netz Energie effizient und zuverlässig verteilt.

Nur wenn diese Kombination gelingt, kann aus seiner Sicht die stagnierende Weltwirtschaft wieder in Schwung gebracht und der unter dem Klimawandel leidende Planet gerettet werden. Für Rifkin definiert sich aus diesen Elementen die dritte industrielle Revolution.

Die Logistik wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern.

Der Zukunftsforscher sieht Daimler auf gutem Weg

In diesem Umfeld sieht Rifkin Daimler und vor allem Mercedes-Benz Trucks auf einem guten Weg – schließlich hat der Konzern nicht nur vor 130 Jahren das Automobil erfunden, sondern zehn Jahre später auch noch den Lastwagen. Der LKW spielt seitdem eine unverzichtbare Rolle im weltweiten Wirtschaftsleben und ist jetzt schon dabei in das Internet der Dinge eingebunden zu werden. Keine Frage, die Logistik wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern – von den unabhängig hintereinander rollenden Lastenträgern zu einem vernetzten Transportsystem, das wesentlich effektiver als bisher in die Abläufe integriert sein wird.

„Heute“, erklärt der 71-jährige Zukunftsforscher, „legt Daimler die Grundlage für die dritte industrielle Revolution. In der Epoche des Internets der Dinge werden alle Geräte und Maschinen über Sensoren verfügen, die jederzeit aktuelle Informationen liefern können, und so die Art und Weise, wie wir wirtschaften, grundlegend verändern werden.“ Zu einem Kommunikations-Internet und einem neuen Energie-Internet gesellt sich heute, so Rifkin, als dritter Teil der neuen industriellen Revolution ein automatisiertes GPS gesteuertes Logistik-Internet, das die Energieeffizienz deutlich optimieren wird.

„ Heute legt Daimler die Grundlage für die dritte industrielle Revolution. “

Jeremy Rifkin, US-amerikanischer Soziologe, Ökonom und Zukunftsforscher

„Diese drei Internets sitzen auf einer gemeinsamen Plattform, dem Internet der Dinge und bilden ein neues Wirtschaftsmodell“ In diesem System sind alle denkbaren Geräte miteinander verbunden. Von den dort gesammelten Datenmengen profitieren, so Rifkin, am Ende die Produzenten, sowie die Kommunikations-, Strom- und Logistikanbieter. Abläufe werden transparenter und Reaktionen dramatisch beschleunigt. Viele Instanzen, die bisher als unverzichtbar gelten, werden umfahren, die Energiebilanz sowie die Produktivität verbessert. „Dadurch lässt sich auch der CO2-Fußabdruck der beteiligten Unternehmen verringern“, bilanziert Rifkin.

Lastwagen als intelligente Datenzentralen

Die neuen Mercedes-Benz Lastwagen“, analysiert Rifkin, „haben sich zu veritablen Datenzentren entwickelt. Wir erleben zurzeit die ersten rollenden Datenzentralen der Welt.“ Die von den Sensoren der Trucks gewonnenen Informationen nutzen allen Beteiligten – von der Spedition bis zu anderen Lastwagen, die in Echtzeit über Verkehrsverhältnisse informiert werden und bei Bedarf auf eine bessere Route ausweichen können.

Diese Datensammlung nutzt in Zukunft nicht allein den Logistikern – auch Berufspendler zum Beispiel werden von den gesammelten Informationen profitieren, wenn sie dank der rollenden „Datenzentralen“ Staus umfahren können. Daimler erschließt sich zudem mit den digitalisierten Lastwagen einen neuen Tätigkeitsbereich. Rifkins Vision: „Daimler wird natürlich weiter innovative Fahrzeuge entwickeln und produzieren, doch gleichzeitig mit den gesammelten Daten als erster Konzern überhaupt ein neuartiges Logistik-Geschäftsfeld aufbauen, indem diese Informationen an interessierte Partner weitergegeben werden. Daimler wird so zu einem Wirtschaftsförderer, der die Effektivität von Unternehmen verbessern und den ökologischen Fußabdruck verkleinern kann.“

Über Jeremy Rifkin

Jeremy Rifkin ist ein US-amerikanischer Soziologe, Ökonom, Zukunftsforscher, Autor sowie Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends. Er unterrichtet unter anderem an der Wharton School der Universität von Pennsylvania und ist Berater diverser Regierungen und auch der EU-Kommission. Rifkin präsentierte seine Keynote-Rede auf dem Daimler Campus Connectivity am 31. März 2016 in Düsseldorf.

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