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Wenn der Truck zum Logistikzentrum wird.

  • 03.06.2016
  • Vernetzung
  • Fotos: Daimler
  • Text: Walther Wuttke

Die Zukunft des LKW ist digital: Wie sich die Herausforderungen des weltweiten Güterverkehrs auf den Straßen meistern lassen? Genau, –  mit Hilfe von Vernetzung.

Sie gelten –romantisch verklärt – als die letzten Einzelkämpfer der Straße. Die Trucker, die mit ihren 40-Tonnern die Wirtschaft auf Touren halten, sind die Cowboys der Autobahn, einsam, aber glücklich und vor allem wichtig.  – So sehen es jedenfalls manche Außenstehende. Tatsächlich steht der LKW in Europa für drei Viertel aller Transportleistungen, und allein in Deutschland arbeiten eine Million Menschen direkt oder indirekt im Transportsektor. Sind Trucker wirklich Einzelkämpfer? Wohl kaum, sie funktionieren vielmehr als Teil eines Geflechts, das die nationale und internationale Wirtschaft am Leben hält. Zudem stehen sie unter erheblichem Druck, denn die Infrastruktur hinkt den Bedürfnissen der Transportwirtschaft deutlich hinterher.

Dieses Geflecht wird sich in Zukunft weiter verdichten, denn bis zum Jahr 2050 dürfte sich der weltweite Straßengüterverkehr verdreifachen, so Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, Leiter Trucks & Buses. Aber: „Eines steht fest: Das Straßennetz wird sich nicht verdreifachen.“

Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, Leiter Trucks & Buses

Neue Lösungen für die Herausforderungen von heute

Keine Frage, wenn sich das Logistik-Netzwerk den neuen Anforderungen erfolgreich stellen will, um Ressourcen zielgerichtet und effektiv einzusetzen, dann müssen neue, vernetzte Lösungen gefunden werden. Der Weg zu einem optimal eingesetzten Truck führt daher über eine möglichst effektive Konnektivität. Aktuell ist der konventionelle Lastzug tatsächlich eher ein Stehzug, denn zwei Drittel der Zeit verbringt der Truck wartend bei Entladestationen, vor dem Zoll, in der Werkstatt, im Stau. Oder der Fahrer muss eine gesetzlich geregelte Ruhezeit einlegen. Und selbst, wenn er rollt, erfüllt er seine Aufgabe kaum. Bernhard: „Einer von vier LKW, die in Europa unterwegs sind, hat nur wenig oder gar keine Ladung an Bord.“

Digital ist schneller

Es besteht allerdings durchaus Hoffnung, dass sich die Dinge zum Besseren wenden. Daimler, vor 120 Jahren Erfinder des Lastwagens, rollt bei dieser Entwicklung an der Spitze. Denn der Konzern befördert den vernetzten Truck zum zentralen Knotenpunkt des Logistik-Netzwerks. „Der vernetzte Truck“, so Bernhard, „kann seine Frachtpapiere vorab an das Cargo-Terminal am Zielort schicken – und zwar völlig digital.“ Gleichzeitig werden die Unterlagen aktualisiert und an die Spedition übermittelt. Der Kunde erhält eine Lieferbescheinigung einschließlich Fotos, die belegen, dass die Fracht ohne Schäden abgeliefert wurde. Auch die Zollabfertigung lässt sich so digital erledigen. Wartezeiten an den Grenzen werden vermieden.

„ Einer von vier LKW, die in Europa unterwegs sind, hat nur wenig oder gar keine Ladung an Bord. “

Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, Leiter Trucks & Buses

Wie beim Boxenstopp in der Formel 1

Einmal vernetzt, kann sich der Truck selbstständig bei der nächsten Werkstatt anmelden und einen Termin vereinbaren, sobald die Bordelektronik ein Problem festgestellt hat, das vom Fahrer nicht mit Bordmitteln gelöst werden kann. Wie bei einem Boxenstopp in der Formel 1 stehen dann in der Werkstatt die Mechaniker bereit, um die Ersatzteile zu montieren. Bernhard: „Das hilft auch uns als Hersteller. Werkstatt und LKW können uns über die technischen Einzelheiten der Reparatur informieren. So können wir einen Ausfall noch besser vorhersehen und ihn verhindern, indem wir Fahrer und Spedition rechtzeitig warnen.“

Auch Leerfahrten lassen sich mittels Vernetzung vermeiden, indem der Truck dem Disponenten mitteilt, dass der Laderaum nicht ausgelastet ist. Die entsprechenden Kapazitäten können einer Börse gemeldet werden, um den Truck effektiv auszulasten.

Ein Navigationssystem, das in Echtzeit funktioniert

Zwar kann auch die effektivste Konnektivität keine zeitraubenden Staus verhindern, doch sie kann zumindest helfen, das überlastete Straßennetz optimal zu nutzen. Navigationssysteme warnen immer wieder vor bereits aufgelösten Staus und sind gleichzeitig nicht in der Lage, entstehende Staus zu melden. „Vernetzte LKW“, so Bernhard, „schließen diese Lücke, indem sie Daten mit der Infrastruktur und anderen Fahrzeugen in Echtzeit austauschen und entsprechend auf die aktuelle Verkehrssituation reagieren. So weiß der vernetzte LKW wirklich auf welcher Straße man am besten ans Ziel kommt.“

Den Lieblingstisch an der Raststätte reservieren

Der vernetzte LKW hilft seinem Fahrer auch am Ende des Arbeitstages, indem er prüft, welchen Rastplatz er rechtzeitig erreichen kann, um die vorgeschriebene Ruhezeit einzuhalten. Der Ruheplatz wird vom LKW gebucht. Und bei Bedarf reserviert er sogar den Lieblingstisch des Fahrers in der Raststätte.

 

Selbst wenn mal zusätzliche Leistung benötigt wird, zum Beispiel auf der Autobahn vor den Kasseler Bergen, kann der vernetze Truck per Funk zusätzliche PS mobilisieren. Nach dem Überschreiten der Grenze lassen sich so auch neue Tempolimits freischalten. Der LKW ist so nicht mehr eine reine Maschine, sondern Teil einer Infrastruktur, die auf Konnektivität basiert und das bestehende Straßennetz optimal nutzt. Bernhard: „Erst der vernetzte Truck verwandelt das Logistik-Netzwerk in ein mächtiges Datennetz.“

 

Vorreiter der Vernetzung

Wie Vernetzung in Zukunft die Transportindustrie optimieren kann, zeigt Daimler mit einem Konvoi aus drei miteinander vernetzten LKW. Bei dieser Lösung wird die Infrastruktur effektiver genutzt, die Umwelt dank eines verringerten Verbrauchs und CO2-Ausstoßes geschont und gleichzeitig die Sicherheit auf Autobahnen verbessert.

 

„120 Jahre nach der Erfindung des Lastwagens“, so Bernhard, „ist es an der Zeit, ihn neu zu erfinden. Es ist an der Zeit, ihn an die Cloud anzuschließen, damit er sein volles Potenzial entfalten kann.“

„ 120 Jahre nach der Erfindung des Lastwagens ist es an der Zeit, ihn neu zu erfinden. “

Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, Leiter Trucks & Buses

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