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Formel 1: Lewis Hamilton gewinnt in Kanada.

Lewis meistert Montreal, Nico kämpft sich auf Platz fünf zurück.

Es ist ein Segen.

Lewis Hamilton: „Ich weiß nicht, was am Start passiert ist. Mein Probestart vor der Einführungsrunde war perfekt. Deshalb dachte ich mir: „Das wird ein Kinderspiel am Start“. Als es aber ernst wurde, funktionierte es nicht. Jetzt muss ich herausfinden, woran das gelegen hat. Dann hatte ich starkes Untersteuern in Kurve eins. Um mich herum waren überall Autos und es kam zu einer unglücklichen Berührung mit Nico. Danach machte ich mich auf die Jagd nach Sebastian. Er war auf der ersten Runde blitzschnell und wir hatten beide in der Folge eine gute Pace. Abgesehen von einem kleinen Verbremser in Kurve zehn machte ich das gesamte Rennen über keinen Fehler. Damit bin ich sehr zufrieden. Heute ging es allem voran darum, auf die Reifen zu achten. Das Team hat bei der Strategie genau richtig gelegen. Das Rennen hat mir richtig Spaß gemacht. Alles lief absolut glatt. Immer wenn Sebastian aufholte, hatte ich genug in der Hinterhand, um den Vorsprung zu halten. Ich war richtig im Rhythmus.

Während der letzten 10-15 Runden dachte ich ständig an Muhammad Ali: Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene. Es fühlte sich tatsächlich so an, als ob ich schweben würde. Er war für mich und sicher auch jeden anderen eine riesige Inspiration. Dieser Sieg war für ihn. Ich habe hier 2007 meinen ersten Grand Prix gewonnen und dieser Erfolg heute fühlt sich genauso großartig an. Es ist ein Segen. Vielen Dank an alle, die heute hier waren. Wir kommen jedes Jahr aufs Neue hierher und erleben eine fantastische Woche.“

Hartes Rennen.

Nico Rosberg: „Das war ein richtig hartes Rennen. Lewis hatte einen schlechten Start, meiner war ordentlich und der von Sebastian super. Ich war neben Lewis und versuchte es außen herum. Ich musste es probieren oder akzeptieren, hinter ihm zu sein. In Barcelona hat das funktioniert, hier leider nicht. Es war ein hartes Manöver von ihm, aber das gehört zum Racing dazu. Nächstes Mal muss ich bessere Arbeit abliefern. Ich verlor viele Plätze, als ich durch den Notausgang fuhr, und das kostete mich meine Chancen in diesem Rennen. Ich gab danach alles, um mich zurückzukämpfen, und es bestand die Chance auf einen Podestplatz. Aber dann hatte ich einen Reifenschaden und musste noch einmal an die Box. Verdammt! Ich griff voll an, um die verlorenen Plätze wieder gut zu machen. Aber ich hatte alle Hände voll zu tun, auf das Auto zu achten. Es gab Warnmeldungen von den Bremsen und mein Benzin ging zur Neige. Der Kampf gegen Max war schön. Auch diesmal war es am Limit, aber gutes Racing. Ich gab alles, um an ihm vorbeizukommen, und drehte mich gegen Ende des Rennens. Auf der letzten Runde schleppte ich das Auto geradeso vor Kimi auf Platz fünf ins Ziel. Das ist ein enttäuschendes Ergebnis. Denn unser Auto war heute fantastisch. Aber so läuft es eben manchmal. Jetzt bleiben mir zwei Tage zuhause, um mich auf Baku vorzubereiten. Dort werde ich wieder angreifen.“

Sensationelles Rennen.

Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef: „Dies war ein fantastisches, actiongeladenes Rennen, wie wir es von Montreal gewohnt sind. Lewis ist ein sensationelles Rennen gefahren und hat den Sieg verdient. Vor dem Rennen waren wir uns nicht ganz sicher, ob bei diesen kühlen Bedingungen ein oder zwei Stopps die richtige Entscheidung waren. Es hing davon ab, wie schnell die Reifen auf Temperatur kommen würden. Nachdem Sebastian in der VSC-Phase an die Box gegangen war, wurde uns klar, dass ein Stopp uns die besten Siegchancen ermöglichen würde. Danach lag es an Lewis, die Reifen so lange am Leben zu halten, die Stints auszudehnen und die nötige Pace zu gehen. Das ist ihm grandios gelungen. Als wir an anderen Autos feststellten, dass die weichen Reifen gut hielten, wurde uns bewusst, dass wir auf Siegkurs lagen. Nicos Rennen wurde von der ersten Kurve bestimmt. Danach sah er sich einer Aufholjagd gegenüber. Lewis sagte im Funk, dass er vor der Kurve Untersteuern und kalte Reifen hatte. Dabei bestand das Risiko, dass Nico auf der Außenbahn sein würde. Es war ein hartes Manöver. Wenn du aus der ersten Reihe ins Rennen gehst, rechnest du natürlich nicht damit, dass du nach der zweiten Kurve auf den Rängen zwei und neun liegst. Aber ehrlich gesagt stellen diese Diskussionen nach jedem Rennen für mich ein gewisses Déjà-vu dar. Danach krempelte Nico die Ärmel hoch und zeigte eine fantastische Leistung. Er lag auf Podiumskurs, als er plötzlich einen schleichenden Plattfuß hatte. Das war der Grund dafür, warum wir ihn zu einem zweiten Stopp hereinholen mussten.

In der Folge achtete er auf das Auto, auch, weil er ein wenig mit dem Benzin aufpassen musste. Deshalb konnte er nicht auf jeder Runde attackieren. Er hatte einen großartigen Zweikampf mit Verstappen, der sich sehr gut verteidigte. Nico kämpfte hart um jeden Punkt, verlor dann aber das Auto beim Anbremsen der letzten Schikane. Aus Sicht des Teams führte eine Reihe an Faktoren dazu, dass wir heute nicht mit zwei Podestplätzen abreisen. Dennoch haben wir heute die meisten Punkte aller Teams geholt. Die Pace von Ferrari und Red Bull hat jedoch gezeigt, dass die Konkurrenz da ist. Wir müssen alles richtig hinbekommen, um unsere Position an der Spitze zu behalten.“

Knifflige Bedingungen.

Paddy Lowe, Executive Director (Technical): „Das war von Anfang bis Ende ein ereignisreiches und unterhaltsames Rennen. Der Beginn war natürlich alles andere als perfekt. Wir wussten, dass es bei so kühlen Bedingungen knifflig werden würde. Denn auf dieser Strecke ist es selbst an einem heißen Tag schwierig, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Sebastian hatte einen außergewöhnlich guten Start und überholte unsere beiden Fahrer noch bevor ihnen in Kurve zwei die Strecke ausging. Danach mussten wir versuchen, das Rennen zu retten. Sobald Ferrari beide Autos sehr früh auf eine Zwei-Stopp-Strategie gesetzt hatte, entschieden wir uns dazu, mit beiden Fahrern eine Ein-Stopp-Strategie zu verfolgen. Das funktionierte gut und spielte eine große Rolle beim Sieg von Lewis. Leider zwang ein später Reifenschaden Nico zu einem zweiten Boxenstopp. Es schien so, als ob er auch ein paar Teile in einem seiner Kühler aufgesammelt hätte. Jedenfalls kämpfte er während des Rennens mit Überhitzungsproblemen. So etwas mag sich nicht unbedingt auf seine Performance auswirken, aber es würde eine große Ablenkung darstellen, damit umzugehen. Heute war für ihn ein Podestplatz drin. Aber leider kam es nicht so. Glückwunsch an Lewis zu einem weiteren Sieg in Kanada. Aber auch an das Team in der Box und am Kommandostand. Ihre Boxenstopps und Strategieentscheidungen waren einwandfrei.“

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