Charl Jensel vor dem Laureus-Zeichen und einer Gruppe seiner Schüler.

Skateboarden ist das Leben.

Charl Jensel leitet das „Indigo Youth Movement“ in Südafrika. Ein von der Laureus Sport for Good Foundation unterstütztes Programm, das Lebenskompetenzen durch das Skateboarden vermittelt.
  • Skateboarden ist das Leben.

  • Ein Sport mit Suchtfaktor.

    Über 1,80 Meter groß, 27 Jahre alt und Afro-Frisur – Charl Jensel trägt ein breites Lächeln im Gesicht. Nach fünf Minuten unseres Gesprächs grinst er schon, reißt Witze und wirkt zufrieden und motiviert durch seinen geliebten Sport. „Wenn du dich auf ein Skateboard stellst, willst du etwas tun“, schwärmt er. „Du siehst einen tollen Trick und willst ihn selbst ausprobieren. Hey, das gibt dir Ziele. Du wirst süchtig danach, und es gibt keinen Weg zurück in dein altes Leben.“ Das alte Leben, über das Charl spricht, war hart. Er wuchs in Cape Flats in der südafrikanischen Westkap-Provinz auf, und wie für viele andere Jugendliche um ihn herum war es ein Kampf, in der Schule zu bleiben. Er hat sich mit den falschen Leuten eingelassen, hat die Schule abgebrochen und sich in Schwierigkeiten gebracht.

    Big Wave Surfer Sebastian Steudtner filmt einen Jungen dabei, wie er einen Sprung mit seinem Skateboard wagt.

    „In meiner Gemeinde brechen unglaublich viele Kinder die Schule ab. Drogen und Gangs regieren die Straßen. Diese negativen Vorbilder ermutigen die Kids, den falschen Weg einzuschlagen.“

    Gruppenbild mit Big Wave Surfer Sebastian Steudtner, Charl Jensel, anderen Betreuern und einigen Kindern in Laureus T-Shirts.

    Charl als großer Bruder des Programms.

    Charl beschreibt sich selbst als Glückspilz. Das Skateboarden hat ihn gerettet. Heute leitet er die Arbeit des „Indigo Youth Movement“ in der Westkap-Provinz. Es handelt sich um ein von der Laureus Sport for Good Foundation unterstütztes Programm, das in Durban und in der Westkap-Provinz Lebenskompetenzen durch das Skateboarden in Südafrika vermittelt. In den Gemeinden, in denen das Programm läuft – hauptsächlich dicht besiedelte Townships – ist das Leben hart und der Sport ist mächtig. „In diesen Communities gibt es nur sehr wenige Vorbilder, aber so viele negative Ablenkungen. Deshalb ist das Programm so wichtig. Viele der Kids sagen mir, dass sie ohne das Skaten oder dieses Programm heute in Schwierigkeiten stecken würden.“ Charl will das genauer erklären. Er sieht sich selbst als „großer Bruder“ der am Programm teilnehmenden Jugendlichen, und er spricht freimütig über einen Vorfall aus jüngster Zeit.

    „Ein Sechzehnjähriger wurde erschossen.“

    „Ein Sechzehnjähriger wurde erschossen. Er war Teilnehmer des Programms“, sagt Charl mit nun ganz dunkler Stimme. „Etwa einen Monat bevor es passierte, kam er plötzlich nicht mehr zu allen Programmtreffen und gab sich mit den falschen Leuten ab. Im Moment findet auf unseren Straßen ein Bandenkrieg statt. Er wurde erschossen, weil man ihn für jemand anderes hielt.“

    Vertrauensübung: Mit verbundenen Augen werden die Kinder durch einen Hindernisparcours aus Skateboarden geführt.

    Charl fährt fort: „Dieses Kind, das an diesem Tag beerdigt wurde, war erst 16 Jahre alt. Lehrer und Eltern seiner Schule waren bei der Beerdigung; er gehörte zu denen, die ich tatsächlich wieder in die Schule gebracht hatte. Die Kids wissen – wenn du nicht im Programm bist, kannst du in Schwierigkeiten geraten. Ich glaube, dass wir hier in Südafrika zu diesem Punkt kommen.“

    Vertrauensübung: Mit verbundenen Augen werden die Kinder durch einen Hindernisparcours aus Skateboarden geführt.

    Eine Lebensvision.

    „Hey, ich habe auf den Bürgersteigen begonnen“, sagt Charl über seine ersten Versuche auf einem Skateboard. Das Skaten gab ihm Ziele, eine Möglichkeit und einen Weg aus dem Umfeld, in dem er sich befand. Obwohl er die High School abgebrochen hatte, hatte Charl ein Ziel und eine Vision für sein Leben, nämlich der bestmögliche Skateboarder zu werden. Mit seiner Arbeit im örtlichen Skate-Park lebte Charl seinen Traum, indem er jeden Tag auf dem Skateboard stand. „Ich dachte, dass ich hier den Rest meines Lebens arbeiten würde. Dass ich nun heute hier sitze, bezeugt die Macht des Sports, eine Veränderung zu bewirken.” Der beste Skateboarder Südafrikas, Dallas Oberholzer, der das Programm „Indigo Youth Movement“ in Durban leitete, nahm Kontakt mit ihm auf und bat ihn, in seinem eigenen Umfeld etwas Positives zu beginnen. Zuerst lehnte er ab. „Ich war verschlossen. Ich habe Skateboarden nicht für einen Sport gehalten, mir war nicht klar, welche Macht dieser Sport hat.“ Ein Besuch bei Dallas öffnete Charls Augen, er war entschlossen, er wollte beginnen, etwas zurückzugeben und etwas zu verändern. „Ich sah die Bewegung und das Programm in der Realität, und ich sah den Respekt der Kids untereinander und gegenüber den Älteren. Und genau das brauchte man, wo ich herkomme, das fehlte dort, es gab dort keine Disziplin. Und so sagte ich ihnen, dass ich mitmachen würde. Ich wollte etwas verändern.“

    Wertvolle Lektionen über das Leben.

    Durch seine Beteiligung an Indigo kam Charl auch zum Laureus „Youth Empowerment Through Sports Programm“ (YES), eine Initiative, mit der junge Menschen befähigt werden sollen, andere zu führen und durch den Sport wertvolle Lektionen über das Leben zu vermitteln. Aufgrund seiner veränderten Denkweise hat sich auch Charl entschieden, wieder in die Bildung einzusteigen. Mit seiner durch das Skateboarden und als Mentor für Jugendliche gewonnenen Stärke konnte er auch die sich ihm bietenden Möglichkeiten erkennen. „Ich hatte das Gefühl, dass etwas fehlt”, erinnert er sich. Nachdem er mit seinen Eltern gesprochen hatte, gewährten sie ihm die Unterstützung, die er brauchte, und er kehrte ans College zurück, wo er nur zwei Jahre nach seinem ersten Skateboard-Versuch sein Studium abschloss. Charl leitet zwar ein Sportprogramm, doch geht sein Einflussbereich weit über die Half-Pipes der Skate-Parks hinaus.

    Zwei Kinder lächeln glücklich in die Kamera und umarmen sich.

    „Erst gestern bat mich einer der Jugendlichen ihm zu helfen, wieder in die Schule zu gehen. Ich habe früher selbst 70 Schultage verpasst, und heute sage ich allen im Projekt, dass sie die Bildung nicht vernachlässigen dürfen. All das kommt nur durch das Skateboarden.“

    Tony Hawk steht auf einer Hand über Kopf, mit der anderen hält er sein Skateboard.

    Tony Hawk ist begeistert vom Programm.

    Tony Hawk, Mitglied der Laureus Academy und Skateboarding-Legende, fühlt sich mit „Indigo Youth Movement“ ganz besonders verbunden. Er hat das Projekt bereits zwei Mal besucht, um aus erster Hand zu erfahren, welche Wirkung das Projekt bei den Jugendlichen vor Ort zeigt. Hawk sagte: „Ich war begeistert, wie die Kids in diesen kleinen Dörfern die Möglichkeit bekommen, etwas so ganz anderes zu tun wie Skateboarden und diese Möglichkeit so begeistert annehmen. Sie lieben diese Herausforderung wirklich, sie lieben die Action und die Bewegung, und es hat Spaß gemacht, ihre Interpretation von Skating zu beobachten. Sie stärken dadurch ihre Selbstachtung, das hilft ihnen auf ihrem weiteren Weg. Ich glaube auch, dass schon das Skaten an sich sehr viel über Selbstvertrauen, Selbstmotivation und das Bewältigen der eigenen Herausforderungen lehren kann, da man hier nicht nur einfach an einem Teamsport teilnimmt, wo man sich auf das Team oder den Trainer verlässt, der einem sagt, was zu tun ist. Das ist ein wichtiger Aspekt der Reife, aber ich glaube, dass auch die Idee, dass Skating gleichermaßen eine Form der Selbstdarstellung und eine Kunstform ist, genauso wichtig ist.“

    Hoffnungen, Träume und ein Ausweg.

    Charl philosophiert über die Zukunft des Programms und seine Ziele und Hoffnungen für die jungen Menschen, mit denen er arbeitet. „Ich bin einfach nur begeistert, dass ich das Leben dieser Kids ändern kann. Sie lernen jeden Tag etwas dazu, und das ist wichtig, denn nur so kann man wachsen. Diese Kids wären wirklich verloren gewesen, sie hätten ohne das Programm nichts gehabt. Jetzt haben sie Hoffnungen und Träume und einen Ausweg.“

    Zwei Jungen mit Helmen beobachten das Geschehen.

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