Der Ironman Triathlon-Weltmeister Sebastian Kienle auf seinem Rennrad im Mercedes-Benz Windkanal.

Sebastian Kienle im Windkanal von Mercedes-Benz.

Der Triathlon-Weltmeister Sebastian Kienle feilt mit V-Klasse-Experten von Mercedes-Benz im Windkanal an seiner Aerodynamik.
Fotos: Christian Borth
  • Sebastian Kienle im Windkanal von Mercedes-Benz.

  • Die perfekte Haltung.

    Sebastian Kienle tritt auf der Stelle und schaut tief in die Röhre. Über ihm leuchtet eine große Digitalanzeige: 44,9 km/h trotz Gegenwind. Unter ihm bewegt sich die Bodenplatte langsam ein paar Grad nach links, damit ihn die künstliche Brise seitlich trifft.

    Gegenwind und Luftwiderstand sind für Sebastian Kienle die größten Gegner.

    Der 30-jährige Triathlet, Ironman-Weltmeister 2014, nutzt die seltene Gelegenheit, um im Mercedes-Benz Windkanal in Untertürkheim für den Traum von der Titelverteidigung zu trainieren.

    Hochkonzentriert sitzt Sebastian Kienle im Windkanal von Mercedes-Benz auf seinem Rennrad.

    Triathlon ist kein Zuckerschlecken.

    Herr Kienle, wie Sie da im Windkanal auf dem Rad sitzen – das sieht absolut entspannt aus. 

    Freut mich, wenn es komfortabel wirkt. So soll es sein. Aber der Eindruck täuscht.

    Ist es unbequem?

    Ja, auf Dauer sehr. Man kriegt Rückenschmerzen, sieht Sternchen, weil der Kopf stark überstreckt wird und die Nerven im Nacken abgeklemmt werden. Und man muss die Augen extrem weit nach oben verdrehen, um überhaupt etwas zu sehen. Es gibt Triathleten, die so nicht sitzen, geschweige denn dabei mehr als vier Stunden treten könnten.

    Wozu tun Sie sich das an?

    Der Luftwiderstand ist mein stärkster Gegner. Von allen Widerständen, die ich überwinden muss, ist er der größte. Deshalb will ich so aerodynamisch wie möglich auf dem Rad sitzen.

    28 Stunden Training pro Woche.

    Im Wettbewerb schwimmen Sie 3,86 Kilometer, fahren 180,2 Kilometer Rad und setzen dann noch einen Marathon drauf – und dabei ist ausgerechnet der Wind Ihre größte Sorge?

    Wenn ich 35 km/h Gegenwind habe und 35 km/h schnell fahre, strömen 70 km/h auf mich ein. Und je schneller ich bin, desto größer wird das Problem – der Luftwiderstand steigt in dritter Potenz. Für die doppelte Geschwindigkeit brauche ich die achtfache Leistung. Als Triathlet kann ich versuchen, gegen jede Art von Widerstand meine Leistung zu erhöhen, dafür trainiere ich im Schnitt 28 Stunden pro Woche, im Trainingslager auch mal mehr als 40. Schwimmen, Radfahren, Laufen, Kraftübungen. Der andere Weg ist, die Widerstände zu senken. Beim Luftwiderstand ist da viel zu holen. Durch eine gute Aerodynamik werde ich schneller und spare gleichzeitig Energie, die ich am Ende fürs Laufen gebrauchen kann.

    Selbstbewusster Blick in die Kamera: Der Triathlon-Weltmeister Sebastian Kienle.

    Kein Wettkampf ohne V-Klasse.

    Die Aerodynamik bestimmt auch die Effizienz eines Autos. Wie wichtig ist es für Ihren Trainingsalltag?

    Sehr wichtig. Ich bin rund 15.000 Kilometer pro Jahr auf dem Rad unterwegs und nochmal 30.000 im Auto. Ich fahre sehr gern und brauche als Triathlet Platz. Es kommt nicht selten vor, dass ich bei einem Wettkampf zwei oder drei Fahrräder dabei habe, dazu mehrere Laufradsätze und manchmal noch Leute aus meinem Team. Meine V-Klasse ist da ideal, weil sie ein riesiges Raumangebot hat, sich aber fährt wie ein Pkw. Ich mag es sportlich, genieße aber auch den Komfort und die Sicherheit, wenn ich nach einem langen Wettkampf zurückfahre.

    Die V-Klasse von Mercedes-Benz bietet Platz für bis zu drei Fahrräder und ist für Sebastian Kienle ein optimaler Begleiter.

    Worauf kommt es an, um möglichst windschnittig zu sein?

    Von Bedeutung sind folgende Variablen: die Stirnfläche – je kleiner, desto besser. Dann die Form – tropfenförmig, wie bei meinem Helm, ist günstiger als eine Kugel. Und schließlich die Oberfläche. Ein gedimpelter Golfball, also einer mit Dellen, fliegt zum Beispiel bis zu viermal so weit wie ein glatter.

    Sebastian Kienle konnte im Windkanal von Mercedes-Benz neue Erkenntnisse für seine Aerodynamik gewinnen.

    Jedes Watt zählt.

    Am liebsten feilen Sie an der Aerodynamik?

    Ja, da stecke ich viel Arbeit rein. Ich habe Physik studiert, und das macht mir großen Spaß. Und es ist eine Art, schneller zu werden, ohne dass ich mich mehr anstrengen muss.

    Haben Sie hier im Windkanal schon neue Erkenntnisse gewonnen?

    Wir haben Textilvarianten getestet, denn die Oberfläche meines Wettkampfanzugs ist groß. Wir hatten schon geahnt, dass dort einiges zu holen ist. Jetzt wissen wir, dass es zweistellige Wattbereiche sind. Ich leiste über die 180-km-Radstrecke im Schnitt knapp 300 Watt. Mit dem richtigen Anzug durchschnittlich zehn Watt zu sparen, wäre wahnsinnig viel – mehrere Minuten.

    Was bereitet größere Schmerzen: einen steilen Pass hochzufahren oder gegen hawaiianische Mumuku-Winde anzukämpfen?

    Gegenwind ist unangenehmer, weil ich ihn nicht sehe. Es ist ein Kampf gegen eine unsichtbare Macht. Trotzdem: Als starker Radfahrer profitiere ich im Rennen von Gegen- und Seitenwinden. Je schwieriger die Bedingungen, desto besser für mich.

    Der Windkanal von Mercedes-Benz ist für Sebastian Kienle der perfekte Ort, um an seiner Aerodynamik zu feilen.

    Entspannung durch Erfolg.

    Was ist die richtige Strategie bei Seitenwind?

    In der Aero-Position bleiben. Dafür braucht man eine extrem gute Radbeherrschung. Wer im Wind langsamer wird, hat oft den Impuls, aus seiner Position herauszugehen, sich aufzurichten und im Wiegetritt mehr Leistung zu bringen. Das ist das Schlimmste, was man machen kann: dem Wind mehr Angriffsfläche bieten und seine Energie verschwenden.

    In diesem Jahr sind Sie der Gejagte. Wie gehen Sie damit um?

    Es kann eigentlich nur bergab gehen, würde ein Pessimist sagen. Aber ich baue auf mein gewachsenes Selbstvertrauen: Ich habe schon einmal auf Hawaii gewonnen und weiß, dass ich es wieder kann. Das lässt mich lockerer an die Sache herangehen. Der Erfolg im Rücken bedeutet nicht nur mehr Druck. Er entspannt auch.

    IRONMAN European Tour Termine 2015.

    Event Datum Ort
    IRONMAN Austria 28. Juni Austria, Klagenfurt
    IRONMAN France 28. Juni France, Nice
    IRONMAN European Championship Frankfurt 05. Juli Germany, Frankfurt
    IRONMAN UK 19. Juli UK, Bolton
    IRONMAN Switzerland 19. Juli Switzerland, Zurich
    IRONMAN Kalmar 15. August Sweden, Kalmar
    IRONMAN Copenhagen 23. August Denmark, Copenhagen
    IRONMAN Wales 13. September Wales, Pembrokeshire
    IRONMAN Mallorca 26. September Mallorca, Acludia

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