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  • Triathletin Anja Beranek: Auch Motivation kann man lernen.
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    Triathletin Anja Beranek: Auch Motivation kann man lernen.

    Mit diesen Techniken pusht sich die beste Deutsche der IRONMAN WM 2016 in Wettkämpfen.

    Text: Marcel Schlegel | Fotos: Tobias Kuberski

Beranek steht immer wieder auf.

Anja Beranek hat in ihrer Karriere schon manche Hürde genommen. Beim IRONMAN 2013 auf Hawaii musste die Triathletin frustriert aufgeben. Ein Jahr später stürzte sie beim Heimrennen in Roth. Rücktrittsgedanken plagten die Fränkin. Doch Beranek kämpfte sich zurück, biss die Zähne zusammen und beendete den Klassiker auf Hawaii im Jahr 2016 als beste Deutsche – ihr sportlicher Höhepunkt. Triathlon bedeutet für Beranek, sich täglich neuen Herausforderungen zu stellen. Durch die Freude, die ein erfolgreiches Training oder ein Wettkampf mit sich bringen, bewahrt sich Anja Beranek den Spaß an ihrem Beruf. „Man muss etwas finden, für das man brennt“, sagt sie. „Entscheidend ist, dass man sich stets neu motivieren kann.“ Sie nennt dies „Langzeitmotivation“.

Wie erreicht man diese? „Man muss sich ambitionierte, aber realistische Ziele setzen, immer wieder seine körperlichen Grenzen ausloten und die richtige Balance finden“, antwortet die Weltklasse-Triathletin. So legt sie vor einem Wettkampf drei Zeiten fest, anhand derer sie ihre Form einschätzen kann: eine Optimal-, eine Normal- und eine Mindestzeit. „Nicht immer ist das Optimum drin. Manchmal muss man auch mit dem Minimalziel zufrieden sein“, weiß Anja Beranek.

Powerlady nutzt Marco Polo als Rückzugsort.

Was aber versteht Anja Beranek unter Balance? Ausgeglichenheit, so antwortet sie, beginne für sie schon vor dem Wettkampf, im Training und selbst jenseits des rein Sportlichen. Dazu zählt sie auch die Wahl der richtigen Ausrüstung. Zum Beispiel setzt die Triathletin auf den Marco Polo – das Reisemobil von Mercedes-Benz ist für sie der perfekte Trainingspartner. „In meinem Marco Polo bringe ich mühelos alles unter, was ich für das Training und den Wettkampf brauche“, sagt die 32-jährige Powerlady. „Oft dient mir das Fahrzeug aber auch schlichtweg als Rückzugsort.“ Sie liebe das Training in der Natur. „Ich bin ein Allwetterkind und finde es großartig, nach dem Training noch ein wenig in der Sonne zu sitzen und einen Tee zu trinken“, sagt Beranek. „Es ist toll, ein Auto zu haben, mit dem das alles möglich ist, das mich noch flexibler macht und mit dem ich draußen sein kann und dennoch immer ein Dach überm Kopf habe.“ Motivation stellt für Anja Beranek ferner das Ergebnis eines langfristigen Trainingsplans dar, mit dem sie ihren Fortschritt sichtbar macht. „Wir Triathleten bewegen uns immer an der Grenze“, sagt die Deutsche Meisterin von 2016 über die Langdistanz. „Man sollte diese nicht immer überschreiten.“ Wie das geht? „Man muss die Signale des Körpers zu deuten lernen.“ Was aber, wenn in einem Wettkampf der Körper streikt? Wie kann der Kopf dann in die Bresche springen, sozusagen als mentaler Motor wirken? Anja Beranek greift in solchen Situationen auf eine „Box mit mentalem Werkzeug“ zurück, wie sie sagt. Diese Techniken hat sie sich zusammen mit einem Mentalcoach erarbeitet.

1. Fokussiere dich auf das Positive.

Wann immer man im Wettkampf oder im Alltag zu scheitern droht, überwiegen zunächst negative Gefühle. Man zweifelt, kämpft mehr mit sich selbst als mit anderen – und wenn man nicht gegensteuert, droht die Aufgabe oder das Scheitern. „In solchen Situationen bringt es viel, sich an die schönen Dinge zu erinnern, die man während des Rennens erlebt hat“, rät Anja Beranek. „Das ruft Glücksgefühle hervor. Nur mit einer positiven Einstellung kann es klappen.“

2. Mehr Motivation mit Mantra.

Anja Beranek überwindet innere Blockaden, indem sie sich Mantras zuspricht. Das können Sätze sein wie: „Ich packe das“ oder „Ich mache mein Ding“. Ihr ganz persönlicher Antrieb: „Ein Lied, das meine Nichten immer singen, wenn sie mich anfeuern“, sagt Beranek und lächelt. „Dieses Lied gibt mir den Rhythmus vor und der Gedanke an meine Nichten schenkt mir neue Kraft.“

3. Visualisiere den Erfolg.

Nur was man sich auch vorstellen kann, kann überhaupt erst eintreten. Deshalb setzt Anja Beranek bei Durchhängern auf ihr „Bilderbuch“, wie sie es nennt. In diesem sammelt sie neben Motivationssätzen auch Fotos.

„Das sind Bilder von Situationen, in denen ich mich stark gefühlt habe“, erklärt die Ausnahme-Triathletin. „Wenn ich im Wettkampf schwach bin, rufe ich mir diese Visualisierungen vor Augen. Dann fühle ich mich wieder stark.“

4. Akzeptiere die Angst.

Ganz gleich, wie oft man einer Herausforderung ins Angesicht blickt, die Angst vor der Aufgabe bleibt. „Das ist gut so und muss so sein“, sagt Anja Beranek. Sie schaut dann genauer hin, analysiert die Aufgabe und merkt meistens: „Ich bin vorbereitet.“ So wird Angst zu Respekt vor der Aufgabe.

„Das ist etwas Gutes“, weiß die Fränkin. „Den Respekt vor der Konkurrenz, vor der Herausforderung und vor den eigenen Grenzen sollte man nie verlieren.“

5. Blende negative Gedanken aus.

Meistens, so berichtet Anja Beranek, ist es förderlich, den Kopf abzuschalten und nur noch das Ziel vor Augen zu fokussieren: Das kann eine langfristig gesetzte Vorgabe sein oder ein Gegner, den man auf den letzten Metern hinter sich lassen möchte. „Dann heißt es: Kopf zu und Attacke!“

6. Lerne auch aus Niederlagen.

Manchmal aber geht es nicht weiter, egal, wie sehr man es möchte. „Aufgeben ist hart und selten, aber manchmal muss man das Scheitern für den Moment akzeptieren“, weiß Anja Beranek. Ihre Botschaft: „Aus Niederlagen kann man viel mehr mitnehmen als aus Siegen.“ Man muss die Niederlage genau aufarbeiten, sie womöglich umdeuten. „Oft erkennt man dann, dass gar nicht mehr möglich war“, sagt Beranek. „Immer arbeitet man auf diese Weise die Gründe heraus und geht stärker aus einem Rückschlag hervor.“