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  • Triathletin Anja Beranek und die Kraft der Familie.
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    Triathletin Anja Beranek und die Kraft der Familie.

    Die Karriere von Anja Beranek gleicht einer Berg- und Talfahrt. Doch kein Rückschlag konnte sie ausbremsen. 2016 glänzte die Leistungssportlerin bei der IRONMAN Weltmeisterschaft auf Hawaii als beste Deutsche.

    Text: Marcel Schlegel | Fotos: Tobias Kuberski

Familie hält Beranek den Rücken frei.

Ausgelaugt war sie. Ausgebremst und angefahren wurde sie. Und durch tiefe Täler musste Anja Beranek schreiten, bis sie schließlich in der Weltspitze der Triathlon-Szene ankam. Eines hat die Powerlady dabei gelernt. „Triathlon ist meine Leidenschaft, doch es gibt Wichtigeres im Leben“, sagt die Fränkin. Darunter fällt für Beranek vor allem: ihre Familie. Diese unterstützt sie im Alltag, diese feuert sie vom Streckenrand aus an und mit dieser teilt die beste Deutsche beim IRONMAN auf Hawaii 2016 auch ihre Erfolge. „Triathlon ist für viele ein Einzelsport, für mich nicht“, sagt Beranek. „Ohne meine Familie, die meinen Weg in den Profisport von Anfang an unterstützt hat, könnte ich mich diesen Herausforderungen nicht stellen“, betont die 32-Jährige. „Sie halten mir den Rücken frei. Bei ihnen finde ich meine Balance.“ Deshalb macht Anja Beranek Triathlon zwar hauptsächlich für sich, „doch zum Glück nicht alleine“.


IRONMAN verlangt auch den Angehörigen viel ab.

Triathlon bedeutet Entbehrung – für den Sportler, aber auch für dessen Angehörige. Auch Beraneks Familie muss bei so mancher Feier auf ihre Triathletin verzichten. „Ich bürde meinem Umfeld viel auf. Mit einem guten Rennen kann ich davon ein kleines bisschen zurückgeben“, sagt die Deutsche Meisterin von 2015 über die Langdistanz. Denn für Beranek gibt es nichts Schöneres, als die Freude über ein gutes Rennen mit ihren Angehörigen im Ziel zu teilen.


Manchmal, so erzählt die sympathische Sportlerin, trifft sich die Familie vor oder nach einem Wettkampf an Beraneks Marco Polo – gemeinsam wird das Rennen dann aufgearbeitet, gemeinsam wird gefeiert, aber auch gelitten. „Wären meine Familie und mein Partner nicht am Streckenrand, würde mir Triathlon nur halb so viel Spaß machen“, erklärt die gebürtige Bambergerin. „Ich muss wissen, dass mich meine Familie unterstützt, daraus schöpfe ich Kraft und Motivation.“


Im fränkischen Roth fängt alles an.

Beraneks Familie ist an der Leidenschaft der Tochter nicht unbeteiligt. Schon im Kindergarten-Alter meldeten die Eltern die damals vierjährige Anja zu einem Familientriathlon an. Laufen mit wackeligen Beinen, Radfahren mit Stützrädern, Schwimmen auf Papas Schultern – so hatte Beraneks erster Triathlon ausgesehen. Die Leidenschaft zu den drei Disziplinen steckte noch in den Kinderschuhen, die Liebe zu diesem schweißtreibenden Sport blieb jedoch bis heute an ihr haften. Ohnehin wuchs die Ausdauerspezialistin in einer sportbegeisterten Familie im fränkischen Fürth auf – und damit in unmittelbarer Nähe zur Triathlon-Hochburg Roth. „Schon als kleines Mädchen stand ich damals am Streckenrand und habe den Athleten mit funkelnden Augen zugeschaut“, erzählt Anja Beranek. „Ich war fasziniert von den Emotionen, die die Sportler im Ziel übermannten. Von da an wollte ich Triathletin werden.“


Kona: Traum wird zum Alptraum.

2007 erfüllte sich Anja Beranek mit ihrem ersten Triathlon über die Langdistanz einen Traum. Nun war ihr klar: Auch das nächste Ziel ist in Reichweite. Denn in all der Zeit hatte sie die Sehnsucht nicht losgelassen, einmal beim IRONMAN auf Hawaii, im härtesten Rennen überhaupt, zu den Besten zu gehören. „Es war ein Risiko“, sagt Beranek. „Aber Kona hat mich verfolgt und motiviert.“ 2012 ging sie dieses Wagnis schließlich ein, kündigte den Job und setzte voll auf den Sport.


Die Erfolge gaben ihr zunächst recht, zum Beispiel gewann Beranek 2013 den IRONMAN in der Schweiz. Doch dann sollte eben Kona vom Traum zum Alptraum werden, als Beranek der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit auf Hawaii zum Opfer fiel und ausgelaugt aufgeben musste. Noch heute spricht Anja Beranek von der „Niederlage von Kona“.


Marco Polo als Erfolgsfaktor.

Noch einmal kämpfte sie sich zurück. Gerade wieder in Tritt geraten, folgte 2014 aber der nächste Rückschlag. Ausgerechnet beim Heimrennen in Roth krachte sie mit einem Staffelfahrer zusammen, stürzte, schleppte sich mit Schürfwunden und gebrochenen Radrahmen noch einmal aufs Fahrrad, doch erneut: die Aufgabe. Sie dachte an den Rücktritt. „Ich beschloss meine Karriere zu beenden“, erinnert sie sich. Wieder konnte sie sich auf ihr Umfeld und ihre starken Partner verlassen. Zu diesen zählt Anja Beranek auch Mercedes-Benz mit dem Marco Polo. Im Reisemobil kann Beranek zwischen den Trainingseinheiten entspannt ihr Equipment wechseln – und vor allem auch neue Energie tanken. Manchmal macht sie sich mit ihrem Fahrzeug schon früh morgens auf in die Natur, parkt den Marco Polo an einem Waldweg und entspannt vor dem Training noch bei einer morgendlichen Tasse Tee. Gerade auch nach der ersten harten Einheit am Vormittag diene ihr der Marco Polo oft als Ruhe- und Rückzugsort. „Vor dem zweiten Teil des Trainings lege ich darin manchmal sogar einen kleinen Power-Nap ein“, gesteht Beranek und lächelt. „Ich schätze die Flexibilität und Mobilität, die mir der Marco Polo bietet.“


Eindrucksvolles Comeback auf Hawaii.

Nach der Enttäuschung der Challenge Roth 2014 fand Anja Beranek Halt bei ihrer Familie. „Im Triathlon fällt man oft tief. Doch wenn ich falle, weiß ich, dass ich weich falle“, sagt die Deutsche und kehrte mit Siegen zurück: 2015 gewann sie den IRONMAN in Wales und wurde Dritte und damit beste Deutsche bei der IRONMAN 70.3 WM. Eine Rechnung aber hatte sie noch offen: die mit Hawaii. „Ich bin mit einem mulmigen Gefühl nach Kona gereist. Doch manchmal muss man aus Rückschlägen das Positive mitnehmen.“ Als sensationelle Vierte lief Beranek 2016 beim Ausdauerklassiker über die Ziellinie – und unter Freudentränen in die Arme ihrer Familie. Ihr bisher bester Erfolg – für Beranek eine Wiedergutmachung und der Beweis, dass sich die ganze Schufterei gelohnt hat. Trotz aller Täler und Tränen.