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Anna Trubachova: „Ich liebe die Einzigartigkeit der Autos von früher“

Anna Trubachova im Innenraum eines Oldtimer Mercedes
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Unterwegs in Los Angeles mit einer faszinierenden, facettenreichen Frau.

Man würde nicht annehmen, dass Anna erst seit einer Woche in Los Angeles lebt – sie fährt die palmengesäumten Straßen wie eine Ortsansässige. Auf dem Weg nach oben nimmt sie die vielen Kurven der Bergstraße mit Leichtigkeit. Das Lenkrad des 1966er Mercedes-Benz W110 dreht sie flink, wenn auch mit einer gewissen Anstrengung, sie lacht und gibt zu, dass sie gerade ein Déjà-vu erlebt.

Anna Trubachova lehnt an einem Fahrzeug und setzt ihre Sonnenbrille ab

Denn noch vor vor zwei Jahren hätte Anna Trubachova – Autorin, Journalistin, Gründerin einer Medienagentur und Managerin zahlreicher sozialer und kultureller Projekte – an meinem Platz gesessen und eine interessante Person interviewt. Nun beantwortet sie meine Fragen und posiert vor der Kamera. Und es gibt noch einen weiteren Grund für ein mögliches Déjà-vu: Annas erstes eigenes Auto war so alt wie sie, ein 1981er Mercedes-Benz W 123.

„Als ich in der fünften Klasse war, gewann ich ein Kaugummibild: das Foto eines W 123. Damals war mir klar, dass ich so einen möchte, wenn ich erwachsen bin. Und ich habe einen bekommen“, erinnert sich Anna.

Annas Leidenschaft für Autos begann bereits in ihrer Kindheit. „Als Elfjährige half ich meinem Vater bei der Reparatur seines Autos. Ich war geradezu besessen von Autos und machte meinen Führerschein, sobald ich nur konnte.“

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Es hat aber eine Zeit gedauert, bis sie zum Autojournalismus kam; ihre berufliche Laufbahn begann Anna im sozialen und kulturellen Bereich. Eines Tages bot man ihr die Position als Pressesprecherin der Automobilmesse in Weißrussland an – und seither hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: „Ich habe Testfahrten gemacht, Weltpremieren besucht und einige der großen Designer und Ingenieure kennengelernt. Kurz gesagt, ein Traumjob.“

Durch ihre Arbeit wurde sie in ihrem Heimatland Weißrussland ziemlich bekannt. Mit ihren Kontakten und ihrer Popularität hat sich Anna auch für den sozialen und kulturellen Wandel eingesetzt. Das vielleicht größte ihrer zahllosen Projekte war die Kampagne zur Schaffung des ersten unabhängigen Bildungszentrums in Weißrussland. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, einen Raum für Kinder, Eltern und Lehrer zu schaffen. Anna ist es in zwei Jahren nicht nur gelungen, einen Dialog mit den städtischen und staatlichen Behörden aufzunehmen, sondern auch potenzielle Investoren anzuziehen.

Leider konnte das Bildungszentrum nicht eröffnet werden. „In meinem Land war ich der Zeit voraus“, sagt Anna. „Obwohl wir potenzielle Sponsoren hatten und Tausende Menschen für das Projekt begeistern konnten, konnte es damals nicht realisiert werden.“ Aber Annas Enthusiasmus und Pionierarbeit hatten etwas in Bewegung gesetzt. So wurden in Minsk seither einige kleinere Bildungsprojekte für Kinder auf den Weg gebracht.

Annas Karriere gleicht einem verschlungenen Weg. Schon immer in der Medienwelt zu Hause, begann sie irgendwann, in Zeitschriften und auf Podien zu erscheinen – was dazu führte, dass sie viele Erfahrungen als Fashion- und Laufsteg-Model sowie als Stylistin sammeln konnte.

„Vielleicht waren es die Erfahrungen aus meiner Zeit als Model, die mir physisch und mental auf meinem langen Weg halfen, mich selbst zu akzeptieren und zu lieben“, sinniert Anna. „Wie falsch liegen doch all die, die an die Allmacht des Aussehens glauben – das ist nur eine Hülle, ein Paket, eine Schale, und sein Preis und Wert sinken rapide. Denjenigen, die Schönheit und ihre Parameter in Normen pressen, entgeht zudem die menschliche Komponente weiblicher Schönheit.“

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Bergauf auf die Hollywood Hills fährt Anna barfuß, nachdem sie ihre High Heels auf den Rücksitz verbannt hat. Es ist ganz offensichtlich, dass meine Fahrerin ihre Seele für die Möglichkeit verkaufen würde, sich ans Lenkrad eines Retro-Autos zu setzen. Retro-Autos sind Annas besondere Leidenschaft, genau wie Retro-Kleidung. In ihrem Outfit für das Fotoshooting sieht Anna sehr elegant aus, wie eine Erscheinung aus vergangener Zeit.

Anna wurde in ihrem Heimatland für ihr Stilgefühl geschätzt. Auch nach ihrem Umzug in die Vereinigten Staaten blieb sie ihrer Leidenschaft treu und arbeitet dort als Stylistin, Produzentin und Koordinatorin von Fotoshootings und Fashion-Kampagnen.

„Ich bin eine Reisende, weil ich das Leben der Einheimischen lebe: Ich lerne die Sprache, suche mir einen Job und lerne die Bürokratie kennen.“ Anna Trubachova

Anna kennt fast 40 Länder, entweder von Reisen oder von längeren Aufenthalten, und weder ihre Kinder noch gelegentliche finanzielle Engpässe hielten sie von ihren Erkundungen und Reisen ab. Sie betont, dass Reisen die beste Schule für Kinder und Erwachsene ist. Aber es gäbe auch einen großen Unterschied zwischen Tourismus und Reisen.

„Ich bin eine Reisende, weil ich das Leben der Einheimischen lebe: Ich lerne die Sprache, suche mir einen Job und lerne die Bürokratie kennen.“ Anna lacht. „Ich ergründe die jeweilige Mentalität und versuche, sie zu verstehen. Jetzt bin ich neugierig, weil ich diese spezielle Stadt kennenlernen und verstehen will – bisher sieht sie für mich wie ein riesiger Parkplatz aus.“