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Auf Glückssuche durch den hohen Norden

© Bettina Theuerkauf
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Auf unserer Happiness-Roadtour durch Skandinavien haben wir uns mit drei ganz unterschiedlichen Frauen über ihre Definition von Glück unterhalten.

Laut World Happiness Report führen die nordischen Länder jahrein, jahraus das weltweite Glücksranking an. Warum ist das so? Dieser Frage sind wir auf den Grund gegangen und haben uns mit unserem Marco Polo auf Glückssuche durch Skandinavien gemacht.

Mercedes Marco Polo fährt in der Landschaft
© Bettina Theuerkauf

Erste Station: Dänemark und Kirstine Roepstorff. Nachdem die Künstlerin eine ganze Weile in New York und Tokio sowie 14 Jahre in Berlin gelebt hat, ist sie in ihre Heimat, das beschauliche dänische Fredericia, zurückgekehrt.

Vorbei an endlosen Weiten schnurrt unser Camper ohne große Anstrengung durch das flache Land. Hier und da blitzt das Meer in der Ferne auf oder eine Windmühle erscheint am Horizont. Nach drei Stunden Fahrt stehen wir vor Kirstines Atelier, das sich als hölzerner architektonischer Blickfang zwischen den grünen Wiesen hervorhebt und in den strahlend blauen dänischen Himmel ragt. Die Künstlerin, die 2017 Dänemarks Repräsentantin auf der Biennale di Venezia war, ist schwer beschäftigt: Sie steckt mitten in den Vorbereitungen für ihre große Ausstellung „Renaissance of the Night“ in der Kunsthal Charlottenborg in Kopenhagen.

© Wendy Taylor

Mit charmantem dänischen Akzent berichtet sie von ihrer Zeit in Berlin und der Bogen zum Glück ist schnell gespannt: „Ein Thema, um das ich aus unterschiedlichen Perspektiven kreise, ist das der Auflösung. Berlin ist eine Stadt der Auflösung, Auflösung in der Form von Veränderung, was auch immer mit Schmerz verbunden ist.“ Doch wo Leid sei, sei auch Heilung. „Ich hatte das Gefühl, als unfertiges Puzzle nach Berlin gekommen zu sein und die 14 Jahre waren für mich wichtiger Teil eines Heilungsprozesses.“

Ihre Rückkehr nach Dänemark war verbunden mit dem Bedürfnis, sich vom ganzen Trubel und den vielen äußeren Einflüssen abzugrenzen. Durch mehr Ruhe für den Blick nach innen, nehme sie auch das Äußere wieder aufmerksamer wahr. In Berlin, so die Künstlerin, sei sie durch ihr Leben gelaufen, hier in Dänemark habe sie das Gefühl, in ihrem Leben angekommen zu sein und das trage für sie Glück in sich. Doch was genau bedeutet eigentlich Glück und wie wird der weltweite Glücksindex gemessen?

Glücksforscherin Anne Henderson auf einem Fahrrad
© Wendy Taylor

Eine, die es wissen muss, ist Anne Henderson, die als Analystin beim Happiness Research Institute in Kopenhagen arbeitet und uns Rede und Antwort zur Frage steht, wie Glücksforschung funktioniert. Man habe festgestellt, dass Großzügigkeit, Vertrauen – Vertrauen in die Regierung, Vertrauen ineinander – und das soziale Netz extrem wichtig seien; jemanden zu haben, auf den man sich in Krisenzeiten verlassen könne, mit dem man aber auch sein Glück teile. Außerdem seien physische und psychische Gesundheit sehr wichtig. Ebenso Gleichberechtigung. „Gleichberechtigung kann sich auf viele Aspekte im Leben beziehen, sei es beim Einkommen, in der Geschlechtergleichstellung, im Gesundheitswesen. Das sind im Grunde die wesentlichen Treiber für Glück“, so die Dänin.

Der Besuch beim Happiness Research Institute hat für uns Glücksforschung nicht nur greifbarer gemacht, sondern auch verdeutlicht, dass Gleichberechtigung und ein gutes Sozialsystem sehr viel dazu beitragen, dass eine Gesellschaft überwiegend zufrieden ist.

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  • Mercedes Marco Polo in Schweden
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  • Wohnsiedlung in Schweden am Wasser
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  • Wiese in Schweden
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  • Mercedes Marco Polo auf einer Wiese während der Happiness Tour
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  • Innenausstattung des Mercedes Marco Polo
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  • Mercedes Marco Polo an einem See
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  • Mercedes Marco Polo vor einem See in Schweden
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  • Landscape in Sweden
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Nach einem Zwischenstopp in Schweden geht es für uns weiter nach Island, der letzten Station unserer Happiness-Roadtour. Fasziniert von der unglaublichen Natur des Landes, treffen wir Arnbjörg Mariá Danielsen. Für die 38-jährige Gründerin des Disko Art Festivals auf Grönland liegt der Schlüssel zum Glück in der Freiheit, das Leben selbst zu gestalten Dies spiegelt sich auch in den beruflichen Projekten der Isländerin wider, die als freie Regisseurin große Orchesterprojekte begleitet. So entwickelt sie derzeit mit dem isländischen Sinfonieorchester ein Stück zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes bevor sie im Winter ihren Posten als Programm-Managerin und Kuratorin für das Nordic House Reykjavik antreten wird. Dass ihre Heimat stets eine Vorbildfunktion in Sachen Gleichberechtigung einnimmt, ist für sie nicht überraschend: „Isländer*innen haben ein großes Verständnis für das Menschliche. Es herrscht große Toleranz und ein sehr starkes Frauenbild.“

Gründerin Arnbjörg Mariá Danielsen
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Für Arnbjörg hängt Glück aber nicht nur mit individueller Freiheit und Selbstentfaltung zusammen, sondern auch mit dem Verhältnis zur Natur, die in ihrer Heimat eine große Rolle spielt. Elfen und Kobolde, an die rund 80% der Isländer*innen glauben, gelten als Hüter der Natur und haben schon so manches Bauprojekt auf der Insel verhindert.

Mercedes Marco Polo fährt durch die Lanschaft Schwedens
© Bettina Theuerkauf

Ein weise Entscheidung und ein großes Glück, finden wir, während wir die Landstraße entlang an Herden von Islandpferden, mystischen Mondlandschaften und dunklen, kargen Bergen fahren. Wir machen Station an Wasserfällen, heißen Quellen, Eisbergen und schwarzen Stränden, die einer Märchenwelt entsprungen zu sein scheinen und uns fast den Atem rauben. Vergessen ist das Smartphone in der Tasche, vergessen die offenen Punkte unserer To-Do-Listen. Stattdessen überkommt uns bei knapp zehn Grad und spontanen Regenfällen ein starkes Glücksgefühl und die Gewissheit, in diesem Moment genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.