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Sensible Fäuste

Die Boxgirls von Nairobi
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Wie hilft Kampfsport bei der Bewältigung von Traumata? Zu Besuch bei den Boxgirls in Nairobi.

Sarah Achieng tänzelt über den Beton. Federnd springt sie vor und zurück, weicht aus, greift an. Der Ort, an dem sie junge Mädchen boxen lehrt, ist eine kleine Sporthalle mit Wellblechdach und bröckelndem Putz. Ein Refugium für Kinder mitten im Slum Kariobangi. Seit fünf Jahren arbeitet Sarah Achieng bei den Boxgirls Kenya, die in und um Nairobi rund 2.000 Schützlinge zählen – gefördert wird die Organisation von Laureus Sport for Good.

Sarah, nach dem Training wirken Sie und die Mädchen sehr gelöst ...

Ja, aber es gibt viele Probleme. Die Mädchen kommen aus sehr armen Verhältnissen, wachsen meist ohne Eltern auf. Manche rutschen in die Prostitution, auch frühe Schwangerschaften sehen wir sehr häufig.

Die Boxtrainerin Sarah Achieng
Sarah Achieng, 31, lebt mit ihrer Tochter und ihrem Mann in Nairobi.

Es ist eher ungewöhnlich, dass Mädchen boxen. Wie kam den Gründern die Idee?

Vor zehn Jahren, nach der Wahl in Kenia, gab es hier gewaltsame Unruhen. Viele Frauen aus diesen armen Gebieten wurden sexuell belästigt oder vergewaltigt. Die Gründer der Initiative wollten einen Raum schaffen, um Themen wie Sexualität und geschlechtsspezifische Gewalt zu besprechen. In diesem Raum sollten die Mädchen sich beschützt und zu Hause fühlen. Sie sollten über die Art der Verletzung sprechen und die Erlebnisse verarbeiten können.

Also geht es nicht allein um Selbstverteidigung?

Auch, aber nicht nur. Boxen ist ein ganz besonderer Sport. Er bringt Mädchen in eine führende Position. Er lehrt Selbstvertrauen und Disziplin. Er befreit aus der Opferrolle. Außerdem widerspricht Boxen Geschlechterstereotypen. Dieser Sport ist auch ein Statement gegen eine patriarchalische Gesellschaft in Kenia. Zweimal im Jahr organisieren wir Turniere, die uns helfen, in der Community ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

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  • Mädchen stehen in einem Kreis und stretchen sich
    1
    An den Boxkursen in der Asulma Center Primary School im Kariobangi-Slum nehmen vornehmlich Teenager teil ...
  • Ein Mädchen in Boxerpose
    2
    Ältere Semester, wie Damaris Irungu, 22, absolvieren hier Trainerausbildungen.

Was beobachten Sie, wenn Mädchen boxen?

Diese Kampfsituation hilft ihnen, sich zu öffnen. Sie lernen, sich zu spüren und ihren Körper besser wahrzunehmen. Oft sind erst dann Gespräche möglich, wenn sie selbst einen Zugang zu sich und ihren Ängsten gefunden haben.

Wie hilft Laureus Sport for Good bei diesem Projekt?

Dank der Unterstützung konnten wir unser Programm erweitern. Es gibt beispielsweise ein Training, bei dem Mädchen lernen, Verantwortung für die Lösung verschiedener Probleme zu übernehmen. Mal geht es um die Hygiene der Toiletten, mal um die Einrichtung von Bibliotheken an Schulen. Dann gibt es Führungstrainings, in denen Mädchen zu Boxlehrerinnen ausgebildet werden. Ohne Laureus wäre es uns unmöglich, den Trainerinnen ein gutes Gehalt zu zahlen.

„Boxen hat mich selbstbewusster gemacht.“ Sarah Achieng

Sie selbst haben hier boxen gelernt, heute trainieren Sie die Mädchen. Wie geht es Ihnen selbst?

Ich bin durch den Sport selbstbewusster geworden, habe eine Zeit lang sogar professionell auf internationalen Wettkämpfen gekämpft. Heute möchte ich meine positiven Erfahrungen an die Mädchen weitergeben.

Ein Mädchen im roten Kleid beim Boxtraining

Dieses Interview stammt aus dem aktuellen She’s Mercedes Magazin. Die ganze Ausgabe können Sie hier herunterladen.

She's Mercedes ist Teil der Mercedes-Benz Magazin App, die im App Store und bei Google Play zum Download zur Verfügung steht.

Laureus Sport for Good Foundation

Mercedes-Benz ist einer der Gründungspartner der Stiftung Laureus Sport for Good Foundation. Sie wurde im Jahr 2000 gegründet und ist heute die wichtigste soziale Initiative der Marke Mercedes-Benz. Die Foundation fördert durch weltweite Sportprojekte gesellschaftlich benachteiligte Kinder und Jugendliche. Boxgirls Kenya hilft gezielt Mädchen in Armenvierteln Nairobis.