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Alondra de la Parra: Ein Moment der Stille

Alondra de la Parra betrachtet sich im Spiegel und berührt ihr Haar.
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Die Stardirigentin über die beruhigende Wirkung klassischer Musik in unserem Zeitalter der Technologie.

Für Alondra de la Parra war es von ganz persönlicher Bedeutung, dieses Jahr während der Mozartwoche in Salzburg Ende Januar zu dirigieren. Nicht nur, weil es für jeden Dirigenten eine Ehre ist, zu einer der wichtigsten und renommiertesten Veranstaltungen für klassische Musik eingeladen zu werden, sondern auch, weil ihre musikalischen Ambitionen hier ihren Ursprung haben. De la Parra wurde in New York geboren, wuchs in Mexiko auf und ist heute auf der ganzen Welt zu Hause. Die Förderung ihrer außergewöhnlichen Talente und der Glaube an die Musik als eine Kraft, die die Welt verändern kann, haben sie zu einer der profiliertesten Dirigentinnen weltweit gemacht.

Es ist immer wieder etwas Besonderes, wenn Ideen Realität werden, etwa wenn ein Orchester Noten in Klang verwandelt. Ideen können unser Denken und Fühlen verändern. Inwiefern geschieht das durch Musik?

Insbesondere Konzert- und Orchestermusik gibt uns die wunderbare Möglichkeit der Besinnung, der Stille und des Zuhörens. Auf der Bühne sind hundert Menschen, die mit ihren Armen, ihren Fingern und ihrem Körper spielen und singen. Die Verbindung, die im Konzertsaal zwischen allen Anwesenden entsteht, ist außergewöhnlich direkt und pur. Ein Orchester zu hören hat mich schon als kleines Mädchen fasziniert.

In welchem Moment haben Sie die Kraft der Musik zum ersten Mal erlebt?

In der Zeit, als ich begann, Klavier zu spielen, haben sich meine Eltern getrennt. Meine Klavierlehrerin wurde dann zu einer Art Großmutter für mich. Ich hatte das Gefühl, dass sich zwar alles in meinem Leben verändern kann, aber Mozart und die Musik immer da sein werden. Meine Liebe zur Musik ist eine Beziehung, auf die ich mich verlassen kann.

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Sie haben Ihr erstes Orchester im Alter von 23 Jahren gegründet. Das war mutig.

In diesem Alter hat man keine Angst. Ich wollte ein Orchester, das Musik aus Lateinamerika spielt. Aber nach der Gründung gab es viele Aufgaben zu bewältigen: Geld beschaffen, Musiker anstellen, Marketing. Für mich war das die perfekte Schule, da ich alles machen musste.

Ist Ihnen das leichtgefallen?

Ja. Bereits im Kindesalter sagte mein Vater zu mir: „Du solltest Dirigentin werden!“ Ich habe schon in der Schule immer alles organisiert.

In diesem Jahr haben Sie zum ersten Mal während der Mozartwoche in Salzburg dirigiert, eine der wichtigsten Veranstaltungen für klassische Musik weltweit. Was war Ihr persönliches Highlight?

Vor 20 Jahren sagte mein Vater in Mexiko zu mir: „Wir gehen zu den Salzburger Festspielen.“ Er hatte erkannt, wie viel mir die Musik bedeutete. Ich liebte es, Klavier und Cello zu spielen. Im Grunde wollte ich damals schon Dirigentin werden. Als ich dann mit meinem Vater die Aufführung „La damnation de Faust“ von Carlus Padrissa und seiner Gruppe La Fura dels Baus in der berühmten Felsenreitschule sah, hat das mein Leben verändert.

Dieses Jahr wurden Sie nun eingeladen, in der Felsenreitschule aufzutreten.

Ja, ist das nicht unglaublich? Zwanzig Jahre später lädt mich Rolando Villazón ein, als Dirigentin an dem Ort aufzutreten, der mein Leben verändert hat. Das allein war schon ein überwältigender Zufall. Als dann kurz vor unserem ersten Treffen bekannt wurde, dass ich auch noch mit Carlus Padrissa und La Fura dels Baus arbeiten würde, ging ein Traum in Erfüllung.

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Das Bühnenbild von La Fura dels Baus war spektakulär. Es wirkte historisch und zugleich futuristisch. Es gab auch musikali­sche Intermezzi, die von Computern gespielt wurden. Finden Sie grundsätzlich, dass die futuristi­schen Klänge und die Musik Mozarts zusammenpassen?

Als Dirigentin sehe ich es als Aufgabe, den Komponisten zu verteidigen. Wenn etwas bereits perfekt ist, verändere es nicht mehr. Da die elektronischen Klänge sich aber stark von den Orchesterklängen unterschieden, entstand ein schöner Kontrast. Unsere Version von „Thamos“ zeigt aber auch eine Zukunft, in der wir die Sklaven unserer Handys und Computer geworden sind. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, heute über diese Themen zu reden. Und ich bin mir sicher, dass Mozart unseren unkonventionellen Zugang gemocht hätte. Man kann sich ganz auf den Klang einlassen. Musik ist eine wunderbare Möglichkeit, eine Pause von unserem Alltag und auch von der digitalen Vernetzung zu nehmen.

Wie gehen Sie mit dem durch Technik verursachten Stress um? Gibt es Momente, in denen Sie das Handy bewusst abschalten?

Immer wenn ich dirigiere, ist mein Fokus zu 100 Prozent bei der Musik. Außerhalb der Proben und Konzerte muss ich das Abschalten des Handys noch besser üben.

Sie reisen für Ihren Job viel um die Welt. Hören Sie im Flugzeug Musik, um abzuschalten?

Musik begleitet mich immer. Meist höre ich dann in meinen Gedanken den Nachklang des gerade zu Ende dirigierten Konzerts oder ich studiere die Partitur des Werks, das in der nächsten Stadt auf mich wartet.

Kommen Sie ab und zu noch zum Spielen eines Instruments, als Möglichkeit, Ablenkung zu finden?

Ich habe mein Leben der Musik und meinen Kindern gewidmet. In ruhigen Nächten, wenn sie schlafen, spiele ich manchmal für mich selbst. Das sind wunderschöne Momente.

ALONDRA DE LA PARRA – DIRIGENTIN

Man sagt, mit ihr sei die Klassik im 21. Jahrhundert angekommen. Ihre Leidenschaft für die Musik brachte die Dirigentin in Konzertsäle auf der ganzen Welt, sie stand vor mehr als 100 der namhaftesten Orchester bereits am Pult. In ihrer Rolle als Kulturbotschafterin ihrer Heimat Mexiko setzt sie sich für lateinamerikanische Musik und Komponisten ein. Im Alter von 23 Jahren gründete sie das Philharmonic Orchestra of the Americas. Neben Auftritten in New York, Paris oder Berlin ist sie derzeit Chefdirigentin des Queensland Symphony Orchestra in Australien. Vergangenen Herbst machte sie beim Musikpreis OPUS KLASSIK auf sich aufmerksam, als sie bei der Konzertgala das renommierte Konzerthausorchester Berlin dirigierte. An der Staatsoper unter den Linden in Berlin übernahm sie Anfang 2019 die musikalische Leitung für Mozarts „Die Zauberflöte“. Die Neuinszenierung wird im September in der neuen Spielzeit wieder aufgenommen. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr wird das ZDF-Adventskonzert mit der Staatskapelle Dresden in der Frauenkirche Ende November sein.

alondradelaparra.com