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Die Unternehmenskultur von morgen

Catherine Gaudry blickt von der Seite in Richtung Betrachter.
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Catherine Gaudry hat ihren Schwerpunkt auf Diversität, New Work und Achtsamkeit gelegt, um den Wandel der Unternehmenswelt mitzugestalten.

Ursprünglich hat Catherine Gaudry als International Business Director bei Scholz & Friends angeheuert, um die Kreativ- und Werbeagentur auf internationaler Ebene weiter zu stärken und Themen wie Innovation und Digitalisierung voranzutreiben. Doch die gebürtige Kanadierin erweiterte ihren Aufgabenbereich mit viel Eigeninitiative – und hat persönliche Anliegen zu Anliegen der Firma gemacht: In ihrer 2018 neu geschaffenen Position als Group Head Talent & Transformation ist sie seither für Diversity, Gender Equality sowie Team und Leadership Development zuständig. Unter ihrer Führung entstand unter anderem ein internes Trainingsprogramm zum Thema „Unconscious Bias“. Sie unterstützt externe LGBT+-Leadership-Weiterbildungen für Mitarbeiter und initiierte darüber hinaus ein Reverse-Mentoring-Programm, bei dem es darum geht, dass Senior Manager von Junioren lernen.

Für ihr Engagement speziell im Bereich Diversität und Frauenförderung erhielt Catherine Gaudry das „Women in Leadership“-Stipendium und absolvierte in diesem Rahmen berufsbegleitend einen Executive MBA in International Business an der ESCP Europe. Mittlerweile doziert sie selbst an dieser Hochschule zum Thema Personal/Career Development. Neben Job und Lehrauftrag arbeitet sie als Trainerin, Beraterin und Speakerin. Bei Konferenzen und Events referiert sie zu Feminismus und New Work.

Im Interview spricht Catherine Gaudry über die Unternehmenskultur von morgen: Welchen Veränderungen unterzieht sich die Arbeitswelt? Und wie wollen und sollten wir in Zukunft unseren Beruf ausüben?

Catherine Gaudry steht frontal zum Betrachter und hat die Hände in den Seitentaschen ihres Blazers.

Den Begriff „New Work“ hat der Philosoph Frithjof Bergmann bereits in den 80er-Jahren geprägt und definiert. Wie kommt es, dass das Konzept heutzutage teilweise oder in abgewandelter Form Anklang findet?

Der Markt und die Jobs haben sich grundlegend verändert. Das liegt zu einem großen Teil an der Digitalisierung. Die Generation, die jetzt in die Berufswelt eintritt, ist in einer ganz anderen Welt aufgewachsen als Generationen zuvor. Deshalb arbeitet sie auch anders. Hinzu kommt, dass ihr neue Tools zur Verfügung stehen. Im Prinzip ist es ein Kreislauf: Die Menschen bekommen neue Werkzeuge an die Hand gegeben, dementsprechend verändern sich die Arbeitsweisen und der Markt. Die Bedürfnisse treiben die Wirtschaft an und die technologischen Änderungen beeinflussen, wie Menschen ihren Job ausüben.

Sie glauben nicht, dass die Idee „New Work“ auch auf das Bedürfnis von Menschen nach mehr Freiheit oder Flexibilität zurückzuführen ist?

Ja und nein. Menschen streben nach mehr Flexibilität, weil sich die Gelegenheit dafür bietet und sich die Jobs verändert haben. In vielen Berufen spielt es keine Rolle mehr, ob man seine Aufgaben vom Büro oder vom Café aus erledigt. Ich glaube, wenn ein Arbeitgeber diese Flexibilität ermöglicht, kann sich das positiv auf die Motivation von Mitarbeitern auswirken. Und in fünf Jahren wird es wieder neue Jobs mit neuen Möglichkeiten geben, die wir jetzt noch gar nicht sehen. Change is the only constant.

Auch in Bezug auf persönliche Werte? Wie es scheint, ist es Arbeitnehmern heutzutage sehr viel wichtiger, dass ein Unternehmen etwa bestimmte ökologische oder gesellschaftliche Werte vertritt.

Ja, unsere Werte haben sich verändert. Es wäre zwar nicht richtig zu behaupten, dass noch vor Jahren generell allen Menschen die Werte eines Unternehmens, für das sie arbeiteten, komplett egal waren. Aber in der Tat beginnt die Trennung zwischen Arbeit, Privatleben und Persönlichkeit zu verschwimmen. Früher wurde mehr nach dem Motto gelebt: Arbeit ist Arbeit, Zuhause ist Zuhause. Es ist klar, dass das so nicht mehr funktioniert. Wir sind keine Maschinen. Deshalb ist es wichtig, Transparenz für authentisches, menschliches Dasein zu schaffen. Dazu gehört auch die Offenheit, als Mitarbeiter sagen zu können, wenn es einem nicht gut geht, und gegebenenfalls einmal nicht auf dem üblichen Niveau Leistung bringen zu müssen. Menschen möchten sie selbst sein können – überall.

Catherine Gaudry steht vor einer Leinwand mit der Aufschrift „We believe in friendship.“ und hält eine Präsentation.

Werden also Themen wie Achtsamkeit, Body Awareness und Selbstfürsorge auch auf beruflicher Ebene wichtiger?

Es gibt Firmen, die Positionen wie die des „Chief Mindfulness Officer“ schaffen. Dieses Beispiel zeigt relativ deutlich, dass wir auch in der Arbeitswelt um Achtsamkeit nicht mehr herumkommen. Wir wissen um die Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche. Allerdings bedarf es noch mehr Akzeptanz: Sowohl unsere Gesellschaft als auch viele Unternehmen schätzen den Wert von Selbstfürsorge und Achtsamkeit häufig geringer als die Arbeit. Das muss sich ändern. Denn natürlich performt ein ausgeglichener, glücklicher Mitarbeiter viel besser als jemand, der sich in Grund und Boden arbeitet.

Wie sieht es mit dem Thema Failure Culture aus? Sind wir heute offener dafür, im Job auch Fehler machen zu dürfen?

Failure Culture ist etwas, das vor allem in Start-ups gelebt wird und nun langsam auch in größeren Unternehmen ankommt. Natürlich ist es vollkommen in Ordnung, Fehler zu machen. Es ist sogar notwendig. Denn wenn ich nie die Möglichkeit habe, Fehler zu machen, dann lerne ich nicht, sondern habe ständig Angst und bin weniger innovativ. Allein die Chance, Dinge ausprobieren zu dürfen, entfacht Kreativität. Genauso wichtig ist aber, dass wir Resilienz erlernen: Wie gehe ich denn eigentlich mit Problemen um? Wie kann ich eine andere Perspektive einnehmen? Es geht nicht allein nur darum, Fehler machen zu dürfen. Sondern zu lernen, wie ich wieder aufstehe, die Situation akzeptiere, reflektiere und am besten weitermache.

Sie beschäftigen sich vor allem auch mit den Themen Frauenförderung und Diversität. Wie profitiert ein Unternehmen von diesen beiden Aspekten?

Laut Studien werden Unternehmen profitabler, wenn mehr Frauen in der Führung sind. Diversität sorgt für Reibung. Und die ist wichtig, um Entwicklung voranzutreiben. Sie hilft, Vorurteile zu bekämpfen. Diese hindern uns nämlich oft daran, in neue Richtungen zu denken. Ich glaube, Unternehmen, die keine Diversität leben und fördern, haben auf dem globalen Markt viel weniger Chancen, langfristig und nachhaltig erfolgreich zu sein. Uns geht es bei dem Thema Diversität nicht nur um reine Gender-Themen, sondern um eine ganzheitliche Diversität im Unternehmen.

Wie können Mitarbeiter Themen wie Diversität oder New Work aktiv anstoßen und vorantreiben? Wo fängt man an, wenn man die Unternehmenskultur verändern und mitgestalten möchte?

Erstens sollte man sich auf die „low hanging fruits“ konzentrieren. Das sind die Dinge, die mit wenig Aufwand schnell und einfach umzusetzen sind. Wo haben andere bereits angesetzt? Wo wurden Wege geebnet, die sich ausbauen lassen? Es gilt, sich kleine, erreichbare Ziele zu setzen und Schritt für Schritt vorzugehen, auch wenn das manchmal mühsam sein kann. Zweitens: Verbündete suchen, die das Vorhaben unterstützen. Am besten holt man eine Führungskraft mit ins Boot, um ein bisschen Rückenwind von oben zu haben. Man kann auch ein Pilotprojekt starten und beobachten, wie es funktioniert. Es sind die kleinen, realisierbaren Projekte, an denen man sich gut entlanghangeln kann.