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Die Wissenschaft von heute ist die Kunst von morgen

Sasha Samochina auf der me Convention
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Ein Gespräch mit Sasha Samochina, die den Weltraum für alle zugänglich machen will.

Was haben Kunst, Virtual Reality und das Universum gemeinsam? Es ist die Multimedia-Spezialistin Sasha Samochina, die diese unterschiedlichen Bereiche in ihrer Arbeit auf überraschende Weise unter einen Hut bringt. Am Jet Propulsion Laboratory in Kalifornien hilft sie der NASA dabei, unser Universum auch Nicht-Astronauten zugänglich zu machen. Wie wäre es zum Beispiel, der Cassini-Mission auf ihrem Weg durch ferne Galaxien zu folgen, einen Spaziergang auf dem Mars zu machen oder einfach nur im Universum zu schweben? An Fragestellungen wie diesen arbeitet Samochina täglich. Für die NASA produzierte sie am Jet Propulsion Laboratory das erste 360°-Video aus dem Weltraum und bereitet die hochkomplizierte wissenschaftliche Forschung der NASA mithilfe neuester Technik für die Öffentlichkeit auf.

Aber der Weg zum Traumberuf war kein gerader: Als Kind wurde Sasha oft gedrängt, sich zwischen ihren vielseitigen Interessen zu entscheiden, denn auf den ersten Blick schien kein Berufsbild dazu zu passen. Heute hat sie eine Profession gefunden, die Kunst, Technologie, Computer und Musik in Einklang bringt. Obwohl ihre Eltern stets davon ausgegangen waren, dass sie Wissenschaftlerin würde, schrieb Sasha sich zunächst am renommierten Art Institute of Chicago für den Studiengang Film und Neue Medien ein. Der konzeptionelle Ansatz des Studiums brachte sie auf die Idee, ihre Interessen im Kontext der Wissenschaftskommunikation zu vereinen und sich nicht mit dem Status Quo abzufinden, der von ihr ein Entweder-oder verlangte.

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Nun also die me Convention in Frankfurt: Am 17. September führte ihr Weg Sasha Samochina zu diesem von Mercedes-Benz und South by Southwest (SXSW) organisierten Forum, das Technologie, Design und Kreativwirtschaft in einem Dialog über die Zukunft zusammenbringt. Dort hielt sie einen Vortrag zum Thema „New Realities“ im Kontext ihrer Arbeit. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit ihr über Aliens, Exoplaneten und die Wissenschaft von heute als die Kunst von morgen gesprochen.

Manche würden sagen, dass Virtual Reality nur eine neue Technologie und keine Kunst sei. Worin siehst du den künstlerischen Aspekt in deiner Arbeit?

Ich bin eine Künstlerin, die in der Welt der Wissenschaft arbeitet. Virtual Reality ist mehr als nur ein Software-Engineering-System. Der künstlerische Aspekt ist, eine Vision zu haben und Dinge mit zukunftsweisenden Ideen zu gestalten. Und Kunst spielt in meinem Alltag eine große Rolle – vom Zeichnen kleiner Entwürfe über das Erstellen von Videos bis hin zum Anfertigen von Skizzen, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht kreativ arbeite.

Ist Virtual Reality denn eine neue Realität oder ist es nur ein Medium? Können Medien überhaupt jemals Realitäten sein?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, dass das sehr subjektiv wahrgenommen wird. Ist Virtual Reality eine „reale“ Realität? Einige würden das bestätigen, aber es kommt wohl auf den Inhalt, der damit kommuniziert wird, an. Bei meiner Arbeit, etwa den 360°-Videos aus dem Weltraum, geht es darum, den Menschen reale Dinge zu zeigen, die sie sonst nicht sehen könnten. Demnach ist es eine Art von Realität, wenn du auf dem Mars stehst. Der Planet existiert, nur können wir nicht einfach dorthin gehen und uns umschauen. Doch mithilfe der Virtual Reality, die wir kreieren, können wir Menschen erleben lassen, wie es wäre, auf dem Mars spazierenzugehen. Wir nehmen also eine Realität und machen diese zugänglich.

Warum sind wir so besessen vom Weltraum?

Ich bin mit dem Blick in die Sterne aufgewachsen und habe mich immer gefragt, was da oben wohl ist. Inspiriert haben mich dabei Leute wie der Astronom Carl Sagan, der die Welt kunstvoll, aber auch wissenschaftlich erforschte. Wenn du aufblickst und dich einfach nur unendlich und gleichzeitig ganz klein und winzig fühlst. Dieses Gefühl macht süchtig. Und ich glaube, dass es vielen Menschen so geht.

Wie erzählt man Geschichten, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen, Geschichten von der Unendlichkeit oder von Aliens? Können Technologien wie Virtual Reality uns dabei helfen, diese Begrenzung unserer Fantasie zu überschreiten?

Tatsächlich wurde diesen Februar ein neues Planetensystem vom Spitzer-Weltraumteleskop der NASA gefunden, das aus sieben erdähnlichen Planeten besteht, die einen einzelnen Stern umkreisen – drei dieser Planeten liegen in der bewohnbaren Zone. Das System wurde TRAPPIST-1 genannt. Das Jet Propulsion Laboratory hat auf Grundlage der gesammelten Daten eine Idee entworfen, wie diese Planeten aussehen könnten. Hier wird etwas, das sehr weit entfernt scheint, in einem realistischen Rahmen aufbereitet – aber mit einem künstlerischen Konzept.

Mit Aliens ist das eine andere Geschichte. Ein großes Anliegen der NASA ist es definitiv, fremdes Leben zu entdecken. Aber solange wir dieses Leben nicht tatsächlich gefunden haben, können wir uns auch nicht einfach ausmalen, wie es aussehen mag.

Als auf dem Mars Spuren von fließendem Brackwasser gefunden wurden, waren alle ganz aufgeregt und dachten sich: Wenn es dort Wasser gab, gab es dort wahrscheinlich auch Leben. Aber wir werden uns anderes Leben nicht vorstellen können, bis wir es finden. Hier sind unserer Fantasie Grenzen gesetzt.

Stimmst du zu, dass Virtual Reality derzeit der „digitale Wilde Westen“ ist?

Definitiv. Für mich ist es der Wilde Westen, weil es noch viel zu entdecken und zu tun gibt. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war es damals, im DIY-Verfahren 360°-Videos zu erstellen, heutzutage gehört das schon zum Standard von Softwareprogrammen. Der Bereich entwickelt sich wahnsinnig schnell, und doch ist noch sehr viel Raum zum Experimentieren. Das ist das Aufregendste an Virtual Reality: Du kannst immer noch eine originelle Idee haben, die niemand anderes vor dir hatte.

NASA Curiosity Mars-Rover
Selbstporträt des NASA Curiosity Mars-Rover. © Mit freundlicher Genehmigung von NASA/JPL-Caltech

Vielen Dank für das Interview, Sasha!

Wenn Sie mehr über Sashas Arbeit erfahren möchten, klicken Sie hier. Für mehr Informationen besuchen Sie auch die Websites von NASA und der Jet Propulsion Laboratory.