Leider unterstützt ihre aktuelle Browser-Version nicht alle Technologien dieser Webseite.

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um die Webseite korrekt darstellen und alle Funktionen nutzen zu können.

„Ich setze mich dafür ein, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen“

Eine Portraitaufnahme von Diane Flynn vor einer weichen grauen Wand. Sie hat einen blonden Bob-Haarschnitt, trägt ein weißes Shirt, einen dunkelblauen Cardigan und lächelt in die Kamera.
Artikel teilen

Diane Flynn ermutigt weibliche Führungskräfte, ihre Karrieren nach einer beruflichen Pause weiterzuverfolgen.

Start-ups und etablierte Unternehmen gleichermaßen klopfen bei Diane Flynn an die Tür. Da die Suche nach weiblichen Führungskräften in Silicon Valley und andernorts an Fahrt aufnimmt, suchen sie ihren Sachverstand in dieser Frage. Die Unternehmerin hat ein klares Ziel: Sie möchte der Welt zeigen, dass sie ein immenses Potenzial an Talenten ungenutzt liegen lässt – und zwar Frauen, die zeitweise aus dem Berufsleben ausgestiegen sind, meistens um sich um ihre Kinder zu kümmern. Viele von ihnen haben zunehmend den Wunsch, ins Berufsleben zurückzukehren, aber der Mangel an Vertrauen, Fähigkeiten und Beziehungen kann oftmals ein limitierender Faktor sein. Als Mitgründerin von ReBoot Accel in Menlo Park, Kalifornien, hat Flynn es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Frauen zu helfen, sich wieder auf ihre Karriere zu fokussieren, indem sie Coachings anbietet, die diesen Prozess so einfach wie möglich machen. Inzwischen zählen sogar einige Männer zu ihren Kunden und sie unterstützt auch Unternehmen und Private Equity-Firmen beim Thema Gender Diversity auf allen Ebenen.

Frau Flynn, als Erstes möchte ich eine Frage stellen, die nur selten beantwortet wird. Warum machen Männer in Silicon Valley viel schneller Karriere als Frauen? Und warum werden sie normalerweise eher von Investoren gefördert?

Das hat sehr viel mit Netzwerken zu tun. Männer haben mehr eingebaute Netzwerke, weil es mehr männliche Kollegen in leitenden Positionen gibt. Viele golfen und angeln zusammen oder gehen gemeinsam etwas trinken. Ist man auf Führungsebene die einzige Frau auf weiter Flur, bleibt man bei solchen informellen Treffen häufig außen vor. Und weil das so ist, bekommen Frauen nicht das gleiche Maß an Betreuung und Unterstützung. Ich glaube, dadurch werden sie beim Aufstieg häufig ausgebremst. Das Gleiche gilt für die Investorengemeinschaft – es ist einfach, Menschen zu unterstützen, denen man traut und von deren Potenzial man überzeugt ist. Die unbewusste und manchmal auch bewusste Voreingenommenheit, die es nun einmal gibt, schadet Frauen, die nach finanzieller Förderung suchen.

Wer hat Ihren persönlichen Führungsstil und Ihren Unternehmergeist geprägt?

Mein Vater. Er war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann und hervorragend qualifiziert, um ein Team zu leiten. Ich habe auch zwei Brüder, die es in ihrem Beruf schon sehr früh weit gebracht haben. Meine oberste Priorität war es viele Jahre lang, Mutter zu sein. Aber als meine Kinder älter wurden, fühlte ich mich gewissermaßen verpflichtet, wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Ich glaube, dass es in der Frage der Berufstätigkeit beider Eltern kein Richtig oder Falsch gibt – und die meisten Menschen müssen schließlich arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – aber ich arbeite daran, mehr Optionen und Wege für Frauen zu schaffen, um reibungslos in den Arbeitsmarkt ein- oder aussteigen zu können. Ich bin in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts aufgewachsen und hatte nicht viele Vorbilder, weil es nicht viele Frauen in Führungspositionen gab. Das hat sich mittlerweile zwar erheblich geändert, aber noch nicht annähernd genug. Wir sind nicht mehr allein auf uns gestellt; es gibt inzwischen viele erfolgreiche Unternehmerinnen, die eine Vorbildfunktion einnehmen.

„Unternehmen müssen unbedingt mehr Frauen in Führungspositionen bringen.“ Diane Flynn

Aber sieht die Realität nicht ganz anders aus, insbesondere in Silicon Valley? Warum gibt es immer noch so wenige weibliche CEOs?

Nach meiner Erfahrung wollen zwar mehr und mehr Unternehmen Frauen einstellen, doch dann fällt häufig das Stichwort „Pipeline-Problem“. Ich glaube, es gibt viele qualifizierte Frauen, vielleicht ist da also etwas dran. Eine vielfältige Kandidatenliste zu verlangen und unbewusste Voreingenommenheit im Einstellungsverfahren zu beseitigen ist auf jeden Fall ein guter Anfang. Einige Führungskräfte haben mir gesagt, dass sie händeringend Ingenieurinnen suchen, insbesondere in Silicon Valley. Die meisten Unternehmen versuchen auf unterschiedliche Weise, Gender Diversity zu erreichen, aber Untersuchungen zeigen, dass viele dieser Initiativen zu kurz greifen. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Trend in Europa beträchtlich zunehmen wird.

Was genau machen Sie mit Ihrem Unternehmen ReBoot Accel?

ReBoot Accel ist eine Plattform für Frauen, die aus verschiedenen Gründen ihre Karriere unterbrochen haben, jedoch interessiert sind, ins Berufsleben zurückzukehren. Ich setze mich dafür ein, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. In Unternehmen werden sie dringend gebraucht. Außerdem berate ich Unternehmen, wie sie Arbeitsplätze schaffen können, an denen Frauen auf allen Ebenen voll zur Entfaltung kommen.

Eine Portraitaufnahme von Diane Flynn mit unscharfem Hintergrund. Sie schaut in die Ferne und lächelt. Diane trägt ein weißes Shirt, einen dunkelblauen Cardigan und eine lange Halskette.

Halten Sie es für wichtig, dass Frauen sich bei der Planung ihrer Karrieren nicht einschüchtern lassen? Das heißt, dass sie den Mut aufbringen, zu Jobs und Möglichkeiten „ja“ zu sagen, die auf den ersten Blick vielleicht erdrückend erscheinen mögen. Würden Sie Ihren Klientinnen empfehlen, den Sprung zu wagen?

Auf jeden Fall. Ich tue ständig Dinge, die ich noch nie zuvor getan habe. Als Erstes sage ich „ja“ und anschließend suche ich nach geeigneten Lösungen, um Resultate zu liefern. Ich glaube, der erfolgreichste Ansatz besteht darin, ein starkes Team aus optimistischen, fähigen und tatkräftigen Personen zusammenzustellen.

Was benötigt ein solches Team?

Ich bin eine große Befürworterin der generationsübergreifenden Zusammenarbeit. Die Kombination aus Erfahrung und frischen Sichtweisen führt zu innovativen und erstklassigen Ergebnissen. Die 30-Jährigen in meinem Unternehmen bringen neue Ideen ein, die einen wichtigen Beitrag zu unserem Erfolg leisten, und die Erfahreneren unter uns können Mustererkennung und Erkenntnisse anbieten.

Gibt es immer noch große Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften?

Ja, Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen einen ganz anderen Führungsstil praktizieren als Männer. Ich glaube nicht, dass einer von beiden notwendigerweise besser ist, obwohl Frauen jüngsten Untersuchungen zufolge in nahezu allen Kategorien als stärkere Führungskräfte eingestuft wurden. Aber ich glaube schon, dass ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis die besten Arbeitsplätze schafft.

„Wir können die Welt, in der wir leben, nur dann wirklich verstehen, wenn jede Stimme gehört wird.“ Diane Flynn

Gibt es sonst noch geschlechtsspezifische Differenzen?

Erziehungsurlaub. Wenn Männer ihn nicht nehmen, leiden die Frauen.

Neben Gender Diversity wird eine breite Mischung unterschiedlicher Nationalitäten zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor für ein Team. Viele sagen, dass ein Team dadurch kreativer und stabiler wird. Stimmen Sie dem zu?

Kleinere Unternehmen müssen sich diese Frage immer häufiger stellen. Ich habe festgestellt, dass große Unternehmen in dieser Hinsicht besser aufgestellt sind. In vielen Fällen hat Ignoranz gegenüber dem Thema „Diversity“ ihre Wurzeln in den Anfängen des Unternehmens – wie das Unternehmen seine ersten Mitarbeiter rekrutiert hat und woher sie kommen. Wenn Unternehmer daran festhalten, bei der Einstellung von Mitarbeitern auf ihr bewährtes Netz zurückzugreifen, liegt das häufig daran, dass sie nicht wissen, wie sie dieses Thema angehen sollen. Kürzlich war ich zusammen mit rund 350 anderen Personen in Santa Cruz bei einer Veranstaltung von Google für Frauen in der Technologiebranche. Die Verantwortlichen dort erzählten mir, dass die neuen Teamstrategien so konzipiert sind, dass mehr Frauen eingestellt werden und Teams diverser aufgestellt sind – denn wir können die Welt, in der wir leben, nur dann wirklich verstehen, wenn jede Stimme gehört wird.