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Short Trip mit Ida Tin

Ida Tin: Die Clue-Gründerin in Berlin.
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Ein Ausflug durch das winterliche Berlin mit der dänischen Femtech-Gründerin.

Maschinelles Lernen erlaubt es Computern, klassische Musik zu komponieren, Autos zu fahren, Datensicherheit zu erhöhen, die Zukunft vorherzusagen – und jetzt auch den natürlichen Zyklus des weiblichen Körpers zu bestimmen. Die App Clue ermöglicht Frauen die Dokumentation ihres Zyklus’. Indem sie zu gleichen Teilen Wissenschaft und Technologie heranzieht, verbindet Clue fünf Millionen Frauen aus aller Welt mit sich selbst und untereinander – mit persönlichen Analysen, Bildungsmaterialien und einem außergewöhnlich stimmigen Design. Auch wenn die in Berlin entwickelte App noch oft in der Aufklärerrolle ist, bleibt die Gründerin von Clue Ida Tin ständig auf der Suche nach neuem Wissen. Zwischen dem Ausbau ihres Unternehmens und der Kindererziehung widmet sie sich Femtech, der Entwicklung der digitalen Technologien für Frauen, und lernt von und kommuniziert mit Innovatoren aus dieser neu entstandenen Branche. Die Unternehmerin, die gerade 20 Millionen Dollar an Investitionen einwerben konnte, nahm She’s Mercedes mit auf einen Short Trip zum Tempelhofer Feld, um uns die Strategie und die Motivation hinter ihrem revolutionären Start-up zu verraten.

Was hat Sie zur Gründung von Clue bewegt?

Ich habe mich immer für weibliche Gesundheit interessiert und war lange Zeit, bevor ich den Begriff überhaupt kannte, ein „Quantified Self“-Mensch, also jemand, der Technologie und Datenanalyse in den eigenen Alltag integriert. Bei der Entwicklung der grundlegenden Idee für Clue – einer App, die Frauen hilft, Symptome aufzuzeichnen, um die Muster in ihrem Zyklus zu verstehen – habe ich festgestellt, dass die Familienplanung seit der Erfindung der Pille sehr wenig Innovation erfahren hat. Ich habe mich gefragt, wie es eigentlich sein kann, dass wir zum Mond fliegen konnten, aber die meisten Frauen immer noch nicht wissen, an welchen Tagen sie schwanger werden können oder nicht. Ich persönlich habe ein Tool benötigt, das diesen sehr wichtigen Teil meines Lebens managen könnte. Und ich war auch davon überzeugt, dass viele andere Frauen eine App wie Clue nicht nur sehr nützlich, sondern auch sehr bestärkend finden würden.

Ida Tin: Die Clue-Gründerin in Berlin.

Welche einprägsamen Hochs und Tiefs haben Sie auf dem Weg erlebt?

Eines der schwierigsten, aber auch dankbarsten Dinge am Start von Clue war es, Themen ins Gespräch zu bringen, über die man so lange gar nicht gesprochen hat. Jede Frau auf der Welt – also ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung – setzt sich mit Menstruation und Fruchtbarkeit auseinander, und trotzdem galt beides als „Nischenthema“, die wissenschaftliche Forschung dazu wies Mängel auf, und diese Gegebenheiten bleiben in vielen Kulturen immer noch gesellschaftliche Tabus. Ich bin stolz darauf, zum Bereich der Femtech-Firmen zu gehören, die den globalen Dialog über die weibliche Gesundheit anregen.

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Ist es für Sie leicht, sich zurückzulehnen und zu entspannen oder sind Sie ständig „auf Empfang“?

Nein, es ist für mich nicht leicht, und momentan tue ich viel für meinen Körper, um besser darin zu werden. Ich weiß, wie viel Kraft darin liegt, mit meinem Körper verbunden zu sein und den Körper zu nutzen, um meinen Geist zur Ruhe zu bringen. Ich bin dabei, meinen Körper neu zu erkunden, was im Wesentlichen daraus besteht, dass ich lerne zu entspannen.

Egal, was im Leben passiert: Es bringt einem immer neue Erkenntnisse und zeigt einen Weg nach vorne. Ida Tin

Wie gehen Sie mit Risiken um?

Grundsätzlich glaube ich, dass egal, was im Leben passiert, es einem immer neue Erkenntnisse bringt und einen Weg nach vorne aufzeigt. Oder, um es sogar noch radikaler auszudrücken: Was auch immer passieren mag, die einzige Möglichkeit ist es, das Beste daraus zu machen. Und ich habe die Worte des Dalai Lama verinnerlicht, dass nicht zu bekommen, was man will, manchmal ein großer Glücksfall ist. Das macht das Leben irgendwie widerstandsfähig bei Niederlagen. So was wie eine Niederlage gibt es dann gar nicht mehr.

Ida Tin in Berlin.

Was war der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben, und wer hat ihn gegeben?

Meine Mutter sagt immer, dass man sich im Voraus keine Sorgen machen muss. Für mich ist es eine unglaublich optimistische Ansicht, kein Drama daraus zu machen, was eventuell passieren könnte. Eben weil es nicht passieren muss – und dann sind alle Sorgen umsonst gewesen. Und ich denke, dass auch wenn Dinge passieren, die wir nicht wollen, hilft das auch nicht, sich Sorgen im Voraus zu machen. Das ist auch eine Erinnerung daran, dass man das schätzen soll, was gerade da ist, was gut ist.

Viel Erfolg und vielen Dank für das Interview!