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Kann Architektur soziale Veränderungen bewirken?

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Die mexikanische Architektin Frida Escobedo trägt ihren Teil dazu bei. Ein Interview rund um Selbstverwirklichung, eitle Kollegen und die soziale Verantwortung einer Chefin.

Von den ambitionierten Plänen eines Corbusiers bis zu den Gemeinschaftsprojekten von Walter Gropius – Architektur wollte schon häufig einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen leisten. Aber was bedeutet es heute für eine Architektin, soziale Verantwortung zu übernehmen? Und welchen Einfluss hat eine Metropole wie Mexiko-Stadt auf ihre eigene Perspektive und Zukunft? Themen, die unseren Interviewgast Frida Escobedo, die aktuell zu den aufstrebenden Stars der internationalen Architekturszene zählt, bewegen.

she mercedes benz - frida-escobedo
Mercedes-AMG C 63: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,9–8,6 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 209–200 g/km*
Calle Venus 52, Jardines de Cuernavaca, 62360 Cuernavaca, Mor., Mexiko

In den vergangenen Jahren arbeitete Escobedo an den unterschiedlichsten Projekten: vom Shop-Design der hippen australischen Kosmetikmarke Aesop bis hin zu konzeptionellen Entwürfen für das MoMa PS1 in New York. Gemeinsam mit Design Milk besuchen wir sie zuhause in der mexikanischen Hauptstadt, lernen ihr Arbeitsumfeld in einem gemeinschaftlich genutzten Galeriehaus kennen und machen einen Ausflug im Mercedes-AMG C 63 nach Cuernavaca, um mehr über eines ihrer bislang wichtigsten Projekte, den Umbau des La Tallera-Museums, zu erfahren.

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    Frida Escobedo's bislang größtes Projekt: Das 'La Tallera‘ Museum außerhalb von Mexiko-Stadt.

Du bist in Mexiko-Stadt aufgewachsen. Wie hat dich dieses Umfeld geprägt?

Wer hier aufwächst, wird mit vielen Kontrasten konfrontiert. Die Stadt entwickelt sich sehr spontan, ohne viel Planung oder Vorschriften. Die daraus resultierende Freiheit fördert den persönlichen Ausdruck. Wenn man sich die Fassaden ansieht, kann man die Interessen ihrer Bewohner daran fast „ablesen“. Das hat mich schon immer fasziniert – wie sich auch Menschen ohne große architektonische Kenntnisse durch Architektur ausdrücken können.

Das La Tallera-Projekt ist dir sehr wichtig. Wie kam es dazu?

Es war mein erster öffentlicher Auftrag und ich konnte ich mich bei dem Wettbewerb gegen viele Architekten durchsetzen, die ich sehr schätze. Nach entsprechender Planung haben wir das ehemalige Haus und Studio des Malers und Polit-Aktivisten David Alfaro Siqueiros in eine öffentliche Galerie verwandelt. Dabei haben wir die markantesten Elemente – zwei riesige Wandbilder von Siqueiros – versetzt: Die Gemälde, die früher einen privaten Garten zierten, rahmen jetzt den neuen Eingangsbereich und öffnen den Komplex so auch visuell für die Öffentlichkeit. Einfach war das Ganze übrigens nicht, da ich damals immer noch in Harvard studiert habe und entsprechend hin- und herfliegen musste. Eine intensive Zeit, in der ich viel gelernt habe.

Architekten nehmen sich selbst viel zu ernst. Was wir in unserem Alltag tun ist viel wichtiger als der Anspruch, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Frida Escobedo

Großzügige Fenster, wucherndes Grün und bunt zusammengestellte Design-Klassiker: So wohnt Frida Escobedo in Mexiko-Stadt.

Du erwähnst Harvard – nach sieben erfolgreichen Jahren als Architektin hast du dich bewusst wieder für die Uni und den Studiengang “Kunst, Design und Öffentlichkeit“ in Harvard entschieden. Warum?

Nach mehreren Jahren in der Praxis kannte ich die Branche genau. Ich finde es immer noch schwierig, nach Vorgaben von Immobilieninvestoren zu arbeiten und damit die Gentrifizierung voranzutreiben. Gleichzeitig fasziniert mich die Freiheit, die man in anderen Disziplinen wie der Kunst genießt. Architektur ist grundsätzlich Teamwork, bei dem es auch immer um Geld geht. An der Harvard Graduate School konnte ich mit „Kunst, Design und Öffentlichkeit“ meinen Horizont entscheidend erweitern, ohne gleich meine eigene Domäne zu verlassen.

Welche Erkenntnisse hast du aus dieser Zeit mitgenommen?

Ich habe vor allem gelernt, die richtigen Fragen zu stellen. Es geht nicht darum, etwas für einen Auftraggeber zu entwerfen, sondern vielmehr darum, wie man die eigenen Interessen entdecken und weiterentwickeln kann. Was genau will man mit seiner Arbeit erreichen und ausdrücken? Dieser Perspektivenwechsel war für mich neu und hat mich nachhaltig beeinflusst. Außerdem bin ich eher introvertiert und habe dort gelernt, wie gut und wichtig Kollaboration sein kann. Ideen werden besser, wenn man sie mit anderen teilt!

Gab es jemals Phasen, in denen du ans Aufgeben gedacht hast?

Ehrlich gesagt gibt es solche Durststrecken bei jedem Projekt. “Wie halte ich bloß meinen Laden am Laufen?”, „Bin ich gut genug?“ oder, wenn der eigene Wettbewerbsbeitrag nicht erfolgreich ist, „Habe ich meinen Biss verloren?“ Aber dann legt man sich einfach eine etwas dickere Haut zu und stellt das Grübeln ein – bis das nächste Projekt anklopft und man wieder superglücklich ist.

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    Für die australische Kosmetikmarke Aesop setzte Escobedo bei der Gestaltung des Wynwood-Shops auf eine Mischung der markeneigenen Industrieästhetik und Miamis tropischer Farbpalette. Ihre Geheimwaffe: dichromatische Glaspaneele, die das Licht geschickt brechen. © Aesop
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    Spielerische Materialität und starke Konzepte: Frida Escobedo zeigt uns ihren Arbeitsplatz.
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    Anskizziert: eines der Lieblingsprojekte von Frida Escobedo. Ihr Installationskonzept für die New Yorker MoMa PS1-Galerie setzt bei der Verwandlung des Innenhofs auf radikale Nachhaltigkeit – nur vor Ort gefundene Materialien kommen zum Einsatz.

Wie können Architekten positive Gesellschaftsveränderungen erreichen?

Generell nehmen sich Architekten selbst viel zu ernst. Was wir in unserem Alltag tun ist letztendlich viel wichtiger als der Anspruch, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Die echten Veränderungen passieren im Alltag! Wie wähle ich die richtigen Partner und Lieferanten aus? Setze ich bewusst vom Vergessen bedrohte traditionelle Techniken ein? Wie halte ich meine Mitarbeiter bei der Stange? Oder wie können wir unser Büro so umstrukturieren, dass Frauen Kinder bekommen und trotzdem aktiv zu unseren Projekten beitragen können? Bei diesen Themen kann ich selbst das meiste erreichen.

Fällt Frauen dabei eine spezielle Rolle zu?

Absolut! Wenn man sich die lateinamerikanische Architekturgeschichte anschaut, dann fällt auf, dass dort neben Lina Bo Bardi fast gar keine Architektinnen auftauchen. Ich hatte sehr viel Glück und konnte schon früh viele Projekte realisieren. Damit konnte ich mir ein solides Portfolio, Respekt und Kontakte in der Branche aufbauen. Trotzdem werde ich ab und zu immer noch für die Assistentin eines meiner männlichen Kollegen gehalten. Mit diesen Klischees muss man umgehen können und hoffentlich mit gutem Beispiel vorangehen, damit Architektinnen bald nichts Exotisches mehr sind.

She Mercedes-Benz: Frida Escobedo_social change

Mehr Hintergrundinfos zu Frida und Bilder ihres Studio gibt es in der She's Mercedes Lounge – einem exklusiven Netzwerk, das einen ausgewählten Kreis erfolgreicher, ambitionierter Frauen vernetzt und zum inspirierenden Austausch anregt. Hier geht es zur Registrierung.

*Alle Abbildungen des 'La Tallera' Museums wurden freundlicherweise vom Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura Mexico genehmigt. Vielen Dank!

** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH unentgeltlich erhältlich ist.