Leider unterstützt ihre aktuelle Browser-Version nicht alle Technologien dieser Webseite.

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um die Webseite korrekt darstellen und alle Funktionen nutzen zu können.

Lernen durch Dialog

Sabine Scheunert trägt einen weißen Anzug mit schwarzem Top und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund ist eine geometrisch gemusterte Wand.
Artikel teilen

Mercedes-Benz Managerin und Mentorin Sabine Scheunert setzt sich für Frauen im IT- und Technologiesektor ein.

Scheunert ist für fast 2.000 Mitarbeitende weltweit verantwortlich. Der Frauenanteil in ihrem Bereich liegt bei 35 Prozent und fast ein Viertel der Führungspositionen ist mit Frauen besetzt. Schon diese Fakten an sich geben bereits ein beeindruckendes Zeugnis für das Anliegen dieser Mathematikerin, die seit rund 20 Jahren Karriere in der Automobilindustrie macht: Letztlich will sie Frauen dazu ermutigen, sich in der IT- und Technologiedomäne stärker zu erkennen zu geben.

Seit Ende 2018 ist Scheunert aktive Mentorin einer Kollegin, die im Bereich der langfristigen Datensicherheit durch Kryptographie arbeitet. Auch nimmt sie regelmäßig an Mentoring-Sessions und -Veranstaltungen teil wie dem Ada Lovelace Festival, einer Konferenz, die auf die weibliche IT- und Tech-Community abzielt. Hier will sie zum einen ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen Fachleuten teilen, zum anderen ist sie aber davon überzeugt, dass auch der erfahrenste Manager aus jedem Dialog immer etwas Neues lernen kann.

Sie nehmen sich auf Geschäftsreisen immer Zeit, um sich an jedem Standort die Anliegen Ihrer Mitarbeitenden und besonders die Ihrer weiblichen Mitarbeitenden anzuhören. Warum glauben Sie, dass diese Art des internationalen Dialogs so wichtig ist?

Die IT-Abteilung, für die ich verantwortlich bin, ist global aktiv. Deshalb ist es für mich so wichtig, die Talente in meinem Team auf der ganzen Welt zu fördern. Erstens geschieht dies unabhängig vom Geschlecht, da dies nicht der entscheidende Faktor in der digitalen Welt ist. Allerdings glaube ich, dass es wichtig ist, Frauen mehr Sichtbarkeit in diesem Beruf zu geben und sie zu ermutigen, selbstbewusst zu sein. Und allgemein gesprochen: Die gesamte Automobilindustrie steht momentan vor der größten Transformation ihrer Geschichte. Wir müssen nicht nur unsere bestehenden Produkte und deren Art der Wertschöpfung überdenken, sondern vor allem eine Unternehmenskultur schaffen, die diesen Wandel lebt und atmet und alle motiviert, Teil dieser Reise in die Zukunft zu sein. Transparenz und ein rigoroser Ideenaustausch sind unabdingbar, wenn wir dieses Ziel erreichen wollen.

Sabine Scheunert sitzt in einem hellen Büroraum. Sie schaut leicht nach links und spricht mit einer Person außerhalb des Bildes.

Im Verlauf Ihrer Karriere haben Sie jeweils mehrere Jahre in Frankreich und China gearbeitet. Haben Sie dort Unterschiede beim Thema weiblicher Führungskräfte festgestellt?

In China bringt man Personen in höheren Positionen generell großen Respekt entgegen, unabhängig vom Geschlecht der höhergestellten Person. Manche meiner Kolleginnen sind wirklich leuchtende Vorbilder für die nächste Generation berufstätiger Frauen, die in die IT- und Technologiebranche eintreten wollen. Von unseren französischen Kolleginnen und Kollegen können wir einen etwas pragmatischeren Ansatz zu Karrieren lernen, was größtenteils auf der Förderung von Frauen beruht. Ein selbstverständliches Bild von Frauen in Ganztagesbeschäftigungen ist der Gleichberechtigung sicherlich zuträglich. Frankreich ist Deutschland dahingehend um Längen voraus. Auch werden berufstätige Mütter in der französischen Arbeitswelt nicht misstrauisch beäugt. Das macht den Balanceakt zwischen Arbeit und Familie für Frauen deutlich einfacher, zumindest im Hinblick auf die gesellschaftlichen Erwartungen.

Haben Sie als Frau in einer Führungsposition die Aufgabe, Vorbild für junge Talente zu sein?

Meiner Meinung nach sind Offenheit und Bereitschaft, verschiedene Sichtweisen zu akzeptieren und vom Team zu lernen, die Eigenschaften einer starken Führungspersönlichkeit. Ich glaube, dass gegenseitiges Mentoring eine der nachhaltigsten und bereicherndsten Erfahrungen einer Führungskraft sind. Ich fühle mich dafür verantwortlich, jungen Frauen als Coach mit Rat zur Seite zu stehen, aber auch ich kann aus diesem Dialog lernen.

Wie können beide Seiten von diesem Austausch profitieren?

Voraussetzung ist, dass sich beide Beteiligten aktiv in diese Beziehung einbringen. Der Zeitrahmen spielt hier eine wichtige Rolle und sollte deshalb gleich zu Beginn eindeutig geklärt werden. Offene Diskussionen und Transparenz sind das A und O und bieten das größte Wertpotenzial. Selbst schwierige Momente und Fehlschläge müssen ausgetauscht werden, weil man aus solchen Situationen meistens viel lernen kann. Das bedeutet, dass Mentoring viele Formen annehmen kann. Manche sind recht einfach wie z. B. Job-Shadowing. Für mich waren persönliche Gespräche immer sehr wertvolle Erfahrungen. Regelmäßige offene Gespräche funktionieren auch gut über Skype oder per E-Mail.

Wie gehen Sie als Mentorin an das erste Gespräch mit Ihrer Mentee heran?

Als eine Art Vorbereitung gebe ich ihr den Gallup-StrengthsFinder-Test. Wir stützen uns auf die Ergebnisse des Tests, um gemeinsam intensiv an ihren Stärken zu arbeiten und zu ermitteln, wie und wo sie diese im beruflichen Kontext am besten einsetzen kann.

Wie findet jemand überhaupt einen Mentor? Können Sie dazu einen Rat geben?

Meistens gibt es bereits Menschen in Ihrem eigenen Team oder Unternehmen, mit denen Sie einen gegenseitigen Austausch aufbauen können. Eine Mentorin oder einen Mentor können Sie aber auch online finden. Ich finde zum Beispiel die LinkedIn-Plattform richtig gut, und ich sehe dort immer Persönlichkeiten, von denen ich lernen kann. Aber unabhängig davon, ob Sie online oder offline suchen, lautet meine Empfehlung: einfach fragen und offen Kontakt aufnehmen.

Gibt es eine Person, von der Sie Ihrer Ansicht nach lernen können?

Daimler hat zusammen mit dem Leadership-2020-Programm ein Reverse-Mentoring-Programm auf den Weg gebracht. Digital Natives, die Mentoren, teilen ihre Expertise in digitalen Trends mit erfahrenen, höhergestellten Führungskräften, ihren Mentees. Mein Mentor, Patrick Klingler, ist eine Koryphäe in künstlicher Intelligenz, und wir teilen die Leidenschaft für digitale Technologien und Methoden.

Sabine Scheunert steht in einem dunklen Anzug vor einer blauen Wand. Sie spricht zu einem Publikum, begleitet von Gesten.

Welche Arbeitsmethoden sind für Sie persönlich wichtig? Welche Werte wollen Sie Ihren Mentees und Ihren Mitarbeitenden vorleben?

Mir liegt sehr am Herzen, dass unsere Kultur angst- und vorurteilsfrei bleibt und dies auf Führungsebene aktiv praktiziert wird. Wir zeigen das in unserem Team dadurch, dass unsere Mitarbeitenden auch bereits getroffene Entscheidungen in Frage stellen, ehrliches Feedback geben und auf Ineffektivität hinweisen können. Auch ist es möglich, unbeabsichtigte Fehler zu machen und daraus zu lernen, persönliche Problembereiche zu identifizieren, Ideen auszutauschen und die Ideen anderer zu unterstützen.