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„Man muss nicht gut mit Zahlen sein, um Finanzentscheidungen zu treffen“

Natascha Wegelin (Madame Moneypenny).
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Die Bestsellerautorin Natascha Wegelin, auch bekannt als Madame Moneypenny, ermutigt Frauen, die Verantwortung für ihre eigenen Finanzen zu übernehmen.

Finanzielle Abhängigkeit und Altersarmut – ein Problem, das vor allem Frauen betrifft. Das hat viele Gründe. Einer von ihnen ist, dass Frauen häufig davor zurückschrecken, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Genau das möchte Bestseller-Autorin Natascha Wegelin alias „Madame Moneypenny“ ändern.

Auf ihrer Webseite kann man sich nicht nur umfassend über das Thema Geld informieren, es gibt inzwischen auch ein Mentoring-Programm, ein 90-Tage-Journal, einen Podcast und eine Facebook-Gruppe nur für Frauen. Außerdem hat Natascha Wegelin einen Bestseller geschrieben: „Madame Moneypenny – Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ (2018, erschienen bei rororo). Das Tolle: Sie kommuniziert immer auf Augenhöhe, selbst der größte Finanz-Laie fühlt sich bei ihr ernst genommen. Die Moneypenny-Community umfasst inzwischen rund 100.000 Frauen, allein die geschlossene Facebook-Gruppe hat rund 37.000 Mitglieder.

Dass die 33-jährige Natascha Wegelin einmal eine Art Finanz-Guru für Frauen wird, war nicht geplant. Studiert hat sie Medienmanagement, mit Mitte 20 gründete sie ihr erstes Unternehmen, eine Online-Suchbörse für WG-Zimmer. Eine negative Erfahrung mit einer Beraterin weckte Nataschas Leidenschaft für Geld. Sie unterschrieb einen Sparvertrag, der nicht richtig zu ihr passte – als ihr das auffiel, war es längst zu spät. Ärgerlich, aber vor allem ihr eigener Fehler, das war ihr sofort klar. Sie hätte die Verantwortung nicht leichtfertig abgeben dürfen. Als sie sich im Freundeskreis umhörte, wie die anderen das mit dem Geld so regeln, kamen ernüchternde Antworten: „Weiß ich auch nicht. Müsste ich mich eigentlich mal drum kümmern.“ Oder: „Mein Mann macht das.“ Solche Sätze hörte Natascha von gut gebildeten Karrierefrauen. Da wurde ihr klar, dass es jemanden wie „Madame Moneypenny“ braucht.

Warum ist es gerade heute wichtiger als je zuvor, dass sich Frauen Gedanken über ihr Geld machen?

Weil aktuell viele Frauen von Altersarmut bedroht sind. Allein in Deutschland sind voraussichtlich 75 Prozent der heute 35- bis 50-Jährigen betroffen. Ich spreche hier von einer monatlichen Rente unter 400 Euro. Warum das vor allem für Frauen gilt, lässt sich aus beruflicher Sicht schon mal auf zwei fatale Probleme runterbrechen: Erstens arbeiten wir zu kurz und zweitens verdienen wir zu wenig. Das betrifft nicht nur jene, die aktuell ein geringes Einkommen haben, sondern auch die Mittelschicht. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als zu handeln, wenn wir im Alter gut leben wollen.

Du plädierst dafür, dass Frauen ihre Finanzen selbstständig und unabhängig in die Hand nehmen. Altersversorge, Investments, Vermögensaufbau. Allein der Gedanke daran überfordert viele. Man hat weder die Zeit, noch das Wissen, kann vielleicht nicht gut mit Zahlen …

Im Abi hatte ich eine Vier in Mathe. Und auch in meinem Studium habe ich um die Zahlen einen Bogen gemacht und mich lieber um den Marketing-Teil gekümmert. Heute weiß ich: Man muss nicht gut mit Zahlen können, um Finanzentscheidungen zu treffen. Die treffen wir jeden Tag. Kaufe ich mir den Kaffee für 2,50 Euro oder nicht?

Das allein sichert einem aber noch nicht die Rente. Was sind die ersten konkreten Schritte, wenn man seine Finanzen in den Griff bekommen möchte?

Als Erstes muss man sich überlegen, wie viel man verdient. Egal ob festangestellt oder freiberuflich: Viele wissen das nicht genau. Zweiter Schritt: Wie viel gibt man aus? Die Ausgaben-Seite ist bei den meisten Menschen eine große Unbekannte. Da muss man ein paar Wochen Haushaltsbuch führen. Zwischen Einnahmen und Ausgaben liegt die Magie. Altersvorsorge kann man ja nur mit dem betreiben, was übrig bleibt. Im dritten Schritt muss man bewerten, was schon an Verträgen und Versicherungen da ist. Gesetzliche Rente, vielleicht eine Lebensversicherung. Jetzt hat man einen Überblick und kann Vermögensaufbau betreiben.

Indem man das Geld, das übrig bleibt, spart?

Nein. Indem man es zum Beispiel in Aktien oder Aktienfonds investiert. Am wichtigsten ist es dabei, sich breit aufzustellen. Vorher Gedanken darüber machen, wie risikofreudig man ist. Man soll ja nachts noch gut schlafen können.

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Das klingt fast zu einfach. Woher bekomme ich das nötige Wissen? Muss ich mich beraten lassen?

Einen Berater braucht man meiner Meinung nach nicht. Man muss sich aber vorher umfassend informieren, damit man eine fundierte Entscheidung treffen kann und nicht das Gefühl aufkommt: „Oh, ich weiß gar nicht, was ich hier mache.“ Also Bücher und Finanzblogs lesen, Seminare besuchen, Podcasts hören. Das ist erstmal wie eine neue Sprache lernen, eine kleine Bildungsreise.

Muss ich zu Beginn eine große Summe einzahlen, damit sich das Investment lohnt?

Nein. Wenn man heute damit beginnt, jeden Monat 100 Euro zu fünf Prozent Rendite zu investieren, kann man nach 20 Jahren 40.000 Euro angesammelt haben. Beginnt man erst in drei Jahren, sind es nur noch 31.800 Euro, also fast ein Fünftel weniger. Prinzipiell sind Sparpläne ab 25 Euro im Monat möglich. Wichtig ist das Prinzip: Ich puste jetzt mein Aktiendepot auf, damit das Geld für mich arbeiten kann und es später zu Ausschüttungen kommt.

Du sprichst häufig von „passivem Investieren“. Was genau ist das?

Das ist die gute Nachricht: Wir müssen nicht jeden Tag Börsennachrichten lesen, sondern lediglich ein Mal verstehen, wie die Börse funktioniert und der Markt tickt. Wenn wir unsere persönliche Strategie zurechtgelegt haben, läuft das die nächsten 30 Jahre durch. Es reicht dann, einmal pro Jahr einen Check-up zu machen. Das nennt sich passives Investieren.

Und was mache ich, wenn ich mir zwischendurch etwas gönnen möchte, etwa eine große Reise?

Das Geld dafür würde ich sparen und nicht investieren. Man sollte nie mit einem fixen Enddatum investieren. Wenn du das Geld an Tag X brauchst, ist es vielleicht weniger wert als am Anfang. Alles, was kürzer als 15 Jahre dauern soll, sind für mich klassische Sparziele. Dieses Geld liegt auf einem Tagesgeldkonto richtig.

Was rätst Du Frauen, die nicht oder weniger arbeiten, weil sie sich um die Kinder kümmern?

Wenn der Mann weiter Karriere macht und sein Vermögen anhäuft, während die Frau Abstriche in Bezug auf diese beiden Punkte in Kauf nimmt, sollte es eine Ausgleichszahlung geben, damit sie in ihre Altersvorsorge investieren kann. Männern ist oft nicht bewusst, dass ihre Frau gar nicht mehr oder eben weniger in die Rente einzahlt, wenn sie zu Hause bleibt.

Viele Frauen scheuen solche Gespräche. Das geht häufig schon beim Ehevertrag los.

Besser zweieinhalb Tage ein Konflikt in der Luft als im schlimmsten Fall Altersarmut.

Danke für dieses Gespräch, liebe Natascha!

Drei konkrete Tipps von Natascha Wegelin für den Umgang mit Finanzen im Alltag:

1. Glaubenssätze loswerden: „Reiche Menschen sind geizig“, „Geld ist schmutzig“, „An der Börse verliert man nur Geld“ – das sind drei von vielen „Geldglaubenssätzen“, die man unbedingt für sich auflösen sollte. Im Netz kann man sich ganze Listen anschauen.

2. Ein konkretes Ziel für 2019 setzen: „Meine Top-Priorität ist es, mich um meine Finanzen zu kümmern.“ Und dann jeden Tag ein Geldvorhaben angehen und dafür zehn Minuten investieren. Die Überschriften im Wirtschaftsteil lesen etwa.

3. Bewusst sparen: Wenn ich nur schaue, was am Ende des Monats übrig bleibt, bleibt meistens nichts übrig. Aber ohne Sparen kann ich nichts in meine Altersvorsorge einzahlen. Der Trick ist, nur das auszugeben, was vom Sparen übrig bleibt. Also am Anfang des Monats einen Betrag zur Seite legen, beispielsweise aufs Tagesgeldkonto. Ab 25 Euro monatlich ist es möglich, zu investieren.