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Visionen für eine bessere Welt.

Ein Herz aus Licht.
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Die größten Probleme der Menschheit prägen unseren Blick auf die Zukunft. Sieben junge Vordenker suchen nach Lösungen – schon jetzt.

Melati Wijsen und Isabel Wijsen wollen unsere Meere vom Plastikmüll befreien.
Melati Wijsen und Isabel Wijsen wollen unsere Meere vom Plastikmüll befreien.

Ihr habt die Initiative Bye Bye Plastic Bags vor sechs Jahren gegründet. Wie kam das?

Isabel: Inzwischen ist aus diesem Thema eine richtige Bewegung geworden. Diese Mengen an Plastikmüll rücken immer mehr in das Bewusstsein der Menschen. Vor allem auf den indonesischen Inseln zeigt sich das Problem deutlich. Touristen kommen nach Bali zum Schnorcheln oder Tauchen und werden damit konfrontiert, dass Strände oder das Wasser verdreckt sind. Bali war einst so etwas wie ein Paradies. Wir wollen etwas dafür tun, dass es das wieder wird.

Was hat euer Einsatz ganz konkret gebracht?

Melati: Wir konnten zum Beispiel durch unsere sechsjährige Kampagne erreichen, dass ab diesem Jahr Plastiktüten auf Bali komplett verboten sein werden. Vermüllte Meere sind ein globales Problem. Deshalb expandieren wir. Unsere Initiative gibt es inzwischen an 34 Standorten auf der ganzen Welt, dort leiten meist Studenten die Aktivitäten. Unser Ziel ist es natürlich, dass bald die ganze Welt ohne Plastikmüll auskommt.

Wann überkam euch erstmals das Gefühl, dass ihr etwas für die Reinigung der Meere tun solltet?

Melati: Wir sind mit einem Satz aufgewachsen, der uns sehr geprägt hat. Er besagt: Jeder zweite Atemzug, den du nimmst, kommt vom Ozean.

Isabel: Meere, so sehen Balinesen es, SIND das Leben, ohne sie geht es nicht. Dieser Satz hat für uns aber eine Konsequenz. Er verpflichtet uns, ebenso viel für die Meere zu tun wie sie für uns. Also haben wir damit angefangen!

Wie sieht eure Vision von einem idealen Zusammenleben mit der Natur aus?

Isabel: Unsere Jugend auf Bali hat uns gelehrt, auf eine bestimmte Art zu leben. Sie nennt sich Tri Hita Karana und steht für die Harmonie im Umgang mit deinen Mitmenschen, der Umwelt und einer spirituellen Energie, die in allem steckt.

NAMEN: Melati Wijsen/Isabel Wijsen
ALTER: 16/18
GEBURTSORTE: Heerlen, Niederlande/Bali, Indonesien
JOB/STUDIUM: Pausenjahr zwischen Abitur und Studium/Schülerin der elften Klasse LIEBLINGSTHEMA: saubere Ozeane
byebyeplasticbags.org

Tobias Gerbracht entwickelt neue Technologien, die dem Klima nutzen.
Tobias Gerbracht entwickelt neue Technologien, die dem Klima nutzen.

Tobias, welches Thema hat dich zuletzt sehr beschäftigt?

Die Luftqualität. Ich finde, unser aller Ziel sollte es sein, zukunftsfähige Systeme so zu entwickeln, dass sie die Umwelt möglichst wenig belasten. Der Klimawandel existiert und die Ressourcen unseres Planeten neigen sich dem Ende zu. Das sollte uns allen bewusst sein.

Was tust du dafür konkret?

Ich versuche, mir selbst ein Bild von der Luftverschmutzung zu machen, und habe hierzu die erste flächendeckende Station zur Messung der Schadstoffbelastung entwickelt. Damit errang ich nicht nur den Bundessieg beim Nachwuchswettbewerb Jugend forscht und beim BundesUmweltWettbewerb, sondern vor allem auch stichhaltige Ergebnisse.

Und wie lautet das Fazit?

Dass unsere Sorge, was die Luftqualität in einigen Städten angeht, durchaus berechtigt ist und wir hier mehr tun müssen.

Du studierst derzeit Industriedesign. Was können Produktentwickler und Designer künftig dafür tun?

Sie sollten neue Technologien nutzen. Ein Beispiel ist 3D-Druck. Er ist weit nachhaltiger, weil bei der Produktion viele ressourcenverschwendende Prozesse oder Lieferwege eingespart werden.

NAMEN: Tobias Gerbracht
ALTER: 21
GEBURTSORTE: Remscheid
STUDIUM: Industriedesign an der Bergischen Universität Wuppertal, ist zudem Dozent an der Junior Uni in Wuppertal
LIEBLINGSTHEMA: gute Luft

Kavya Kopparapu will mit künstlicher Intelligenz Krebskranke heilen.
Kavya Kopparapu will mit künstlicher Intelligenz Krebskranke heilen.

Kavya, du hast mehrere Preise gewonnen und wurdest vom Time Magazine zu den 25 einflussreichsten Teenagern 2018 gekürt. Was hat dich motiviert, an der Heilung von Krebs zu forschen?

Ich war schlicht verwundert darüber, dass sich die Überlebenschancen für Krebspatienten in den letzten 30 Jahren trotz technischer Fortschritte kaum verbessert haben. In diesem Zusammenhang fasziniert es mich, dass sich durch künstliche Intelligenz völlig neue Möglichkeiten auftun.

Wie sieht das konkret aus?

Ich arbeite zurzeit an einer Plattform namens GlioVision. Sie sammelt genetische Informationen über Tumore. Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Methode künftig genauere Vorhersagen über die Entwicklung von Krebs treffen können. Es ist eine Methode, die genauer, effizienter und weit günstiger ist als alles bisher Dagewesene.

Klingt nach einer nachhaltigen Vision für das gesamte Gesundheitswesen ...

Ja, ich bin davon überzeugt, dass Technik das Gesundheitswesen revolutionieren kann. Ich rede nicht davon, Ärzte zu ersetzen, aber ich träume von effektiveren Techniken, die auch für Patienten leicht verständlich sind, damit sie dem Gesundheitssystem wieder vertrauen.

Welche Experten braucht es künftig auf diesem Gebiet?

Ich möchte Mädchen für MINT-Fächer motivieren, sprich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Da tut sich schon viel! Den Wandel konnte ich zum Beispiel in meiner Bildungsorganisation Girls Computing League gut beobachten. Aber es ist wichtig, dass Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft integriert werden. Dieses Feld braucht unbedingt verschiedene Perspektiven.

NAME: Kavya Kopparapu
ALTER: 18
GEBURTSORT: Herndon, Virginia, USA
STUDIUM: Informatik und Biologie im ersten Semester in Harvard
LIEBLINGSTHEMA: künstliche Intelligenz
kavyakopparapu.com

Shubham Issar und Amanat Anand beugen potenziellen Infektionen mit Seife vor.
Shubham Issar und Amanat Anand beugen potenziellen Infektionen mit Seife vor.

Shubham, Amanat, wieso ist das Thema Hygiene für euch so wichtig?

Shubham: Wir sind in Neu-Delhi aufgewachsen und hatten das riesige Glück, Zugang zu sanitären Anlagen zu haben. Viele Kinder haben das aber nicht.

Amanat: Wir fanden es erstaunlich, dass, obwohl schon so viel für Aufklärung getan wird, offenbar noch solche Missstände herrschen. Wir stellten fest, dass da ein anderer Ansatz hermuss.

Der da wäre?

Shubham: Wir stellen mit unseren Produkten den Spaß in den Vordergrund! SoaPens sind kleine Stifte, die Seife in einer bestimmten Farbe enthalten. Gerade laufen Blau, Pink und Lila am besten. Kinder bemalen sich mit den Stiften die Hände, halten sie dann unter Wasser, bis sich die Farbe abgewaschen hat, und schon ist das lästige Händewaschen erledigt.

Wie soll es mit SoaPen weitergehen?

Shubham: Wir würden in der Zukunft gerne mit internationalen Organisationen kooperieren, die unsere Seifenstifte benutzen, um Kindern beizubringen, wie wichtig Hygiene ist.

Wenn ihr euch die globalen Herausforderungen anschaut, welches Thema beschäftigt euch am meisten?

Shubham: Der Umgang mit Lebensmitteln. Jährlich wird weltweit Essen im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar weggeworfen. Wenn man daneben die Millionen von unterernährten Menschen in der Welt betrachtet, könnte eine Umkehrung dieses Trends viele Leben retten.

Glaubt ihr daran, dass sich die Gesellschaft hier in eine neue Richtung bewegt?

Shubham: Ja! Der Trend des bewussten Konsumenten, der sich seiner eigenen Auswirkungen auf die Umwelt im Klaren ist, ist ja präsent. Immer mehr Menschen denken über ihren Konsum nach. Wichtig ist, dass Unternehmen auch für mehr Transparenz sorgen, was beispielsweise Inhaltsstoffe oder Verpackungsmüll betrifft.

Amanat: Ich denke, wir Konsumenten haben da eine große Macht, wir können mit unserem Kaufverhalten Firmen zu mehr Verantwortung zwingen oder sie durch Loyalität belohnen.

NAMEN: Shubham Issar/Amanat Anand
ALTER: 25/25
GEBURTSORT: Neu-Delhi
JOB: Gründer von SoaPen mit Hauptsitz in New York City
LIEBLINGSTHEMA: Hygiene
soapen.com/

Leroy Mwasaru arbeitet an einer grünen Zukunft für Ostafrika.
Leroy Mwasaru arbeitet an einer grünen Zukunft für Ostafrika.

Leroy, welches Problem ist für dich das dringlichste?

Die drohende Energiekrise. Viele afrikanische Länder sind von Lieferungen aus dem Ausland abhängig. Das bringt uns mittelfristig in Bedrängnis. Mit unserem Start-up Greenpact möchten wir vor allem eine grüne Zukunft für Ostafrika realisieren.

Wie sieht das konkret aus?

Wir statten Kleinfarmer und Institutionen mit innovativen Biogassystemen aus. Damit können sie aus biologischem und organischem Abfall – wie Essensresten, Dünger oder gemähtem Gras – durch Zersetzungsprozesse Biogas gewinnen. Das wird dann für den Gasherd genutzt.

Was sind die Vorteile?

Die Umwelt wird geschont, da wir natürliche Ressourcen verwenden. Es ist auch ein vergleichsweise kostengünstiges Verfahren. Zudem sind wir in Zukunft weniger stark auf fremde Energiequellen angewiesen.

Welches Thema liegt dir noch am Herzen?

Wir brauchen bessere Bildungschancen für alle. Mit unserem Start-up CampBuni, einem Ferienlager für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren, wollen wir darauf hinwirken. Wir finanzieren das Projekt durch die Gewinne von Greenpact.

NAME: Leroy Mwasaru
ALTER: 21
GEBURTSORT: Nairobi, Kenia
STUDIUM/BERUF: Absolvent der African Leadership Academy in Johannesburg, Gründer zweier Start-ups
LIEBLINGSTHEMA: regenerative Energien, Bildung für alle

greenpact.co.ke