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„Wähle selbst, was auch immer du im Leben tun oder erreichen möchtest“

Ein Portraitfoto von Yomi Abiola vor natürlichem Grün, das unscharf ist. Sie trägt ein weißes Blumenshirt und einen leuchtend rosa Lippenstift. Sie schaut selbstbewusst in die Kamera.
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Yomi Abiola befähigt Frauen, ihr Potenzial zu entfalten und der eigenen Intuition zu folgen.

Yomi Abiola hat eine sanfte Stimme, doch man hört genau, welche Themen ihr am Herzen liegen: Wenn sie über die Förderung und Befähigung von Frauen untereinander spricht, über die Aktivierung und Entfaltung des eigenen Potenzials, über Großmut und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dann verleiht sie ihren Worten besonders viel Gewicht. Die Londonerin ist seit dem Teenageralter stets ihren eigenen Weg gegangen. Ohne die Befürwortung ihrer Familie verwirklichte sie sich den Traum von einer Modelkarriere und war als erste Person of Colour das Gesicht von Maybelline Cosmetics. Sie studierte Journalismus in New York und Paris und arbeitete für die italienische Vogue. 2012 gründete sie die Initiative Stand Up For Fashion, um sich für soziale Verantwortlichkeit und Diversität innerhalb der Modebranche starkzumachen. Heute ist sie Sprecherin, Beraterin und Social Entrepreneur. Mit The Fem League hat sie eine digitale Plattform für Frauen geschaffen, um Ratschläge zu teilen und gegenseitige Unterstützung zu fördern.

Sie haben sich im Laufe Ihrer Karriere stetig weiterentwickelt – erfolgreich gemodelt, als Journalistin gearbeitet und schließlich eine Online-Destination sowie eine Community für Frauen ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?

Es war eine desillusionierende Erfahrung für mich, nach New York zu ziehen und dort als Model zu arbeiten. Ich erlebte Rassismus und Diskriminierung. Diese Vorfälle warfen so viele Fragen bei mir auf: Wie kann es sein, dass es farbige Models so viel schwerer in der Branche haben? Warum gibt es diese Ungleichheit in der vermeintlich so offenen Modewelt? Und was kann man dagegen tun? Ich wollte ganz offiziell in der Position sein, diese Fragen stellen zu dürfen. Aus diesem Grund habe ich Journalismus studiert. Durch meine Arbeit für die italienische Vogue und auch durch Stand Up For Fashion konnte ich für junge, farbige Models etwas zum Guten verändern. Heute fokussiere ich mich als Sprecherin und Gründerin von The Fem League darauf, Frauen weltweit zu unterstützen.

Können Sie die Idee von The Fem League erklären?

The Fem League ist ein ganzheitlicher Ansatz, auf das Leben von Frauen zu blicken. Es geht darum, sie eben nicht in eine Schublade zu stecken, sondern all ihre Facetten wahrzunehmen. Unsere Mitglieder stammen aus den verschiedensten Generationen und haben ebenso verschiedene Ziele. Sie können Erfahrungen weitergeben sowie selbst Ratschläge einholen oder erteilen. Außerdem arbeiten wir mit Experten, die Wissen über Karriere, Psychologie oder Finanzen vermitteln. Ich will Frauen dazu befähigen, das Beste aus sich herauszuholen. Wir sind großartig – und sollten diese Eigenschaft komplett ausschöpfen, um ein großartiges Leben zu führen.

Wie gelingt das?

Indem man auf seine eigene, innere Stimme hört. Es ist wichtig, tief in sich hineinzuhorchen und eine Verbindung zu sich selbst aufzubauen. Meditation kann dabei helfen, genau wie Tagebuch zu führen oder Zeit in der Natur zu verbringen. Wir müssen uns aufrichtig fragen, was uns glücklich macht. Denn wir leben in einer Welt, in der wir uns sehr schnell von anderen oder von Medien beeinflussen lassen. Uns wird ständig suggeriert, wie wir leben sollen. Dabei haben wir alle einen inneren Kompass. Wir müssen uns nur Zugang zu ihm verschaffen und lernen, ihn zu nutzen.

Sie haben gesagt, dass Sie die Möglichkeit haben wollten, Fragen zu stellen. Es scheint, als sähen Sie Fragen als wichtiges Tool für jeglichen Bereich – innerhalb des eigenen Lebens und innerhalb der Gesellschaft?

Unbedingt! Es ist wichtig, niemals Angst davor zu haben, Fragen zu stellen. Denn nur so können wir ergründen, warum wir überhaupt bestimmte Dinge im Leben erreichen wollen, was unser Antrieb ist und ob wir überhaupt aus ihm heraus handeln. Mindestens genauso wichtig ist es aber auch, zu lernen „Nein“ zu sagen. Das gilt besonders für Frauen. Laut stereotypen gesellschaftlichen Vorstellungen sollten wir stets freundlich und entgegenkommend sein. Aber wenn wir Frauen zu Gehorsam erziehen, hilft diese Verhaltensweise ihnen selbst und auch anderen Frauen in der realen Welt überhaupt nicht weiter.

Wie können sich Frauen gegenseitig bestmöglich unterstützen und fördern?

Als Frauen müssen wir oft die Erfahrung machen, dass am Tisch immer nur Platz für eine von uns ist. Doch Konkurrenzdenken bringt uns nicht weiter. Wir sollten uns nicht um diesen einen Tisch kümmern, sondern ein neues Haus bauen, in dem wir alle Platz haben. Deshalb fokussiere ich mich auf das Stichwort „Großartigkeit“ statt auf das Wort „Macht“. Macht kann man verlieren. Werte wie Güte, Toleranz und Großmut kann einem aber niemand nehmen. Sie sollten immer die Grundlage jeder Handlung sein.

Was war für Sie selbst die wichtigste Lernerfahrung, die Sie im Laufe Ihrer Karriere gemacht haben?

Als Model war es hart für mich, immer diejenige zu sein, die wartet, bis andere sie für einen Job auswählen. Das hat mich sehr geprägt. Ich glaube, das ist generell ein Gefühl, das viele Frauen kennen. Der beste Rat, den ich geben kann, lautet: Wähle selbst, was auch immer du im Leben tun oder erreichen möchtest. Warte niemals darauf, dass dich jemand wählt.

Wenn es um Karriere und Familie geht, sollten Frauen gar nicht mehr wählen müssen. Sie sind selbst Mutter von Zwillingen und Unternehmerin. Wie gelingt Vereinbarkeit?

Vor allem als Mutter muss man seinem Umfeld ehrlich und offen vermitteln, was man braucht. Das können stärkere familiäre Unterstützung und Hilfestellung sein oder auch bestimmte berufliche Voraussetzungen. Wir haben eine Gesellschaft kultiviert, in der viele Frauen nicht besonders gut darin sind, solche Dinge anzusprechen. Dabei ist es ein notwendiger Schritt, um aufzublühen und glücklich zu sein.

Was muss sich Ihrer Meinung nach gesellschaftlich verändern, damit Frauen und speziell Mütter vielleicht häufiger genau nach der Unterstützung fragen, die sie benötigen?

Das Frauenbild muss sich wandeln. Auch das ist etwas, was ich mit The Fem League vorwärtstreiben möchte. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass es eine starke Frau ausmacht, dass sie alles selbst und allein schafft. Realistisch gesehen kann kein Mensch in seinem Leben alles ganz allein schaffen. Im Gegenteil: Das ist der schnellste Weg, um innerlich auszubrennen. Außerdem ist Integration wichtig. Unser Leben sollte nicht strikt in Job und Familie unterteilt sein. Wir bringen oft genug Privates mit zur Arbeit und unsere Arbeit mit nach Hause. Deshalb müssen wir uns selbst die Erlaubnis erteilen, immer alles gleichzeitig sein zu dürfen: Businessfrau, Mutter, Partnerin, Freundin. Wenn wir alle anfangen, so zu denken, wird sich auch die Gesellschaft verändern. Stellen Sie sich vor, jede Universität oder Firma hätte eine Kita, in der Mütter ihre Kinder tagsüber betreuen lassen könnten, während sie arbeiten oder lernen. So könnten Frauen nicht nur das Thema Mutterschaft besser in ihr Leben integrieren, sondern Frauen würden auch stärker in die Gesellschaft integriert.