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„Was ist schon normal?“

Emma Stone.
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Oscar-Preisträgerin Emma Stone spricht über die Bewältigung ihrer Ängste.

Emma Stone zählt nicht nur zu den gefragtesten, sondern auch zu den sensibelsten Schauspielerinnen Hollywoods. Für ihre Rolle einer depressiv Erkrankten musste sie sich auch ihren eigenen Ängsten stellen. Ein Gespräch über Verantwortung für sich selbst. Selbst eine Erkältung kann Emma Stone nicht von diesem Interview abhalten. Ihre großen grünen Augen wirken hellwach, als sie im New Yorker Hotel Crosby Street erscheint. Sie ist gut gelaunt, dabei geht es auch um ein ernstes Thema, um ihre Rolle in der Netflix-Serie „Maniac“, in der sie eine depressive Patientin spielt. Für Stone ist es eine Begegnung mit den eigenen Ängsten, denn sie litt schon als Kind unter schweren Angst- und Panikattacken.

Miss Stone, Sie sind gerade 30 Jahre alt geworden. Wie fühlen Sie sich heute im Vergleich zu dem Mädchen, das wir damals während der Promotion zu „Einfach zu haben“ getroffen haben?

Eigentlich fühle ich mich gar nicht so viel anders, aber ich habe auch viel gelernt und erlebt. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mich ein Stück weit geprägt. Ich bin beispielsweise vorsichtiger geworden, was große Entscheidungen betrifft. Ich bin so verrückt wie vor zehn Jahren, ich habe nur etwas mehr Erfahrung.

Was erwarten Sie vom nächsten Jahrzehnt?

In der Woche vor meinem 30. Geburtstag war ich etwas trübsinnig. Ich weiß gar nicht genau, warum. Vielleicht aufgrund all der Erinnerungen, die ich die letzten zehn Jahre gesammelt habe. Aber ich denke, das ist normal, wenn man ein Lebensjahrzehnt vollendet. Jetzt bin ich aber einfach glücklich und freue mich darauf, was in meinen Dreißigern passieren wird.

Was treibt Sie an?

Ich denke, meine Kreativität und meine Leidenschaft. Motiviert werde ich aber durch all die Menschen, die mich unterstützen. Das ist die Basis für mich, in der sich Kreativität und Leidenschaft entwickeln können. Ich bewundere viele Frauen, mit denen ich eng befreundet bin und ohne die ich nicht das machen könnte, was ich mache.

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  • Emma Stone.
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    © Angelo Pennetta/Art Partner
  • Emma Stone.
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    © Angelo Pennetta/Art Partner
  • Emma Stone.
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    © Angelo Pennetta/Art Partner

Was ist das Teuerste, das Sie sich bis jetzt gekauft haben?

Das ist wahrscheinlich mein Haus. Es ist Luxus, ein eigenes Heim zu besitzen, und ich bin sehr dankbar dafür.

Sie sind eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Hollywoods. Was faszinierte Sie an der Netflix-Serie „Maniac“?

Es war eine interessante Herausforderung, die Geschichte eines Charakters über fünf Stunden zu erzählen anstatt in den üblichen zwei Stunden, die man bei einem Film zur Verfügung hat. Hinzu kommt, dass ich in der Serie fünf Charaktere spiele. Das war eine sehr aufregende Erfahrung. Für mich ist es das Wichtigste, dass der Inhalt des Stückes gut ist, egal ob für Film, Fernsehen oder Theater. Es fühlte sich also nicht wirklich anders an.

Die Serie befasst sich unter anderem mit dem Thema Depression. Was kann das Publikum von der Serie lernen und welche Diskussionen wird sie aufwerfen?

Gegen Ende fragt mein Charakter, was eigentlich normal ist. Sie sagt, dass jeder Mensch Höhen und Tiefen erlebt. Ich denke, das stimmt. Dabei geht es nicht um eine psychische Krankheit, die medizinisch behandelt werden muss. Wenn du aber Medizin benötigst, um dein Leid zu lindern, dann ist das eine vollkommen legitime Lösung. Jeder Mensch durchlebt schmerzhafte Situationen, persönliche Katastrophen, Angst und Depression. Es ist wichtig, darüber zu reden und sich einzugestehen, dass wir alle Probleme haben, Verluste beklagen und an Schmerzen leiden, und dass es normal ist, sich nicht normal zu fühlen. Dabei kann es helfen, sich mit anderen Menschen auszutauschen, anstatt sich selbst zu isolieren. Es war schön und wichtig, diese Diskussion zu führen.

Was raten Sie Menschen, die eine schmerzhafte Erfahrung oder einen großen Verlust erlebt haben?

Da kann ich die Protagonistin aus „Maniac“ zitieren: Der Schmerz geht niemals weg. Er bleibt und du musst lernen, damit zu leben. Er verändert dich für immer. Du wirst nie wieder dieselbe Person wie vorher sein. Solch große Verluste lassen sich nicht allein mit Meditation, Schlaf oder guten Gesprächen mit vertrauten Menschen verarbeiten. All das hilft natürlich, aber ich denke, im Falle eines so großen und entsetzlichen Verlustes benötigen wir vor allem Widerstandskraft. Das ist einer der verrücktesten Aspekte des Lebens. Es gehört zum Leben, Dinge und Menschen zu verlieren und Schmerzen zu erleben. Jeder macht diese Erfahrungen an irgendeinem Punkt seines Lebens.

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  • Emma Stone und Steve Carell.
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Was machen Sie, wenn es Ihnen nicht gut geht?

Ich rufe jemanden an. Oft habe ich das Gefühl, dass ich meine Probleme in Gesprächen mit anderen lösen kann. Ich kann nur schwer etwas für mich behalten. Also rede ich einfach darüber oder versuche, es schauspielerisch zu verarbeiten. Es hilft mir immer, darüber zu reden.

Wie denken Sie über Antidepressiva?

Ich weiß, dass sie vielen Leuten geholfen haben. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er dazu steht. Ich wünsche mir nur, dass die Menschen sich intensiver damit auseinandersetzen, darüber reden und genau prüfen, ob es wirklich die richtige Option für sie ist. Aber ich denke, dass es in vielerlei Hinsicht eine lebensrettende Möglichkeit ist.

Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?

Es gibt sicherlich Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte, aber die Menschen sind dazu bestimmt, durch eigene Erfahrungen zu lernen. Es ist schwer, einem jungen Menschen zu sagen, was er tun und lassen soll. Als Kind denkt man doch immer: „Ach, sei doch still, ich mache, was ich will.“ Ich bezweifle, dass ich auf meinen Rat gehört hätte.

Sind Ihre Kindheitsträume wahr geworden?

Ich wollte immer Schauspielerin werden. Heute fühlt es sich anders an, da es tatsächlich passiert und ich immer noch ich selbst bin. Es haben sich nur die äußeren Umstände verändert. Alles, was passiert, ist unglaublich toll. Innerlich kämpfe ich aber noch immer mit denselben Unsicherheiten. Dass ich mit meiner Arbeit meinen Traum verwirklicht habe und dafür eine so große Anerkennung erfahre, ist ein unglaubliches Geschenk. Ich sehe das nicht eine Sekunde lang als selbstverständlich an.

Ihre Karriere

Emma Stone erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Als legendär gilt die Darbietung der ehrgeizigen Schauspielerin Mia, die in dem Musical-Film „La La Land“ (2016) eine Romanze mit dem Jazz-Pianisten Sebastian (Ryan Gosling) eingeht. Die amerikanische Schauspielerin wurde hierfür mit dem BAFTA Award, dem Golden Globe Award und einem Oscar für die beste Hauptrolle geehrt.

Ihre Rolle in „Maniac“

Emma Stone spielt an der Seite von Freund und Kollege Jonah Hill in der Drama-Komödie „Maniac“ von Netflix. Die Serie spielt im New York der Zukunft und handelt von zwei seelisch geschädigten Fremden, die an einer unorthodoxen pharmazeutischen Studie teilnehmen, um ein Mittel gegen ihre Probleme zu finden.