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„Wir haben ein Gespür füreinander“

Edition F: Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert
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Die Gründerinnen der Online-Community Edition F Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert sprechen über die Herausforderungen einer Start-up-Gründung und darüber, wie sich Entrepreneurship und Familienzuwachs durch Freundschaft meistern lassen.

An Edition F kommt heute kaum eine Frau vorbei, die in der Digitalbranche zu Hause ist: Die erfolgreiche Online-Plattform schaffte es innerhalb von nicht einmal drei Jahren, sich fest in der digitalen Landschaft zu etablieren. Doch hinter Edition F verbirgt sich viel mehr als nur die Gründungsstory eines erfolgreichen Medien-Start-ups. Es ist auch die Geschichte einer Freundschaft von zwei Frauen, die gemeinsam etwas bewegen wollten – und ein Online-Portal für Frauen gründeten. Heute gehört Edition F mit mehr als 65.000 Abonnenten bei Facebook zu einer der einflussreichsten Frauen-Communitys im deutschen Internet. Wie die beiden Freundinnen die Herausforderungen und Chancen einer Businesspartnerschaft meistern, erzählen sie uns in diesem Interview.

Edition F: Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert

Ihr habt Edition F 2014 gegründet. Wie gut kanntet ihr euch damals?

Susann: Wir haben uns vor etwa acht Jahren über eine gemeinsame Freundin kennengelernt, als wir beide in unterschiedlichen Agenturen ein Volontariat absolvierten. Damit hat alles begonnen. Wir haben uns immer mal wieder gesehen, zum Beispiel, um gemeinsam Germany’s Next Topmodel zu schauen, oder uns zum Abendessen getroffen. Im Laufe der Jahre haben wir dann neben dem einen oder anderen Abendessen begonnen, miteinander zu arbeiten. Und etwa ein halbes Jahr später haben wir uns bereits entschieden, zusammen zu gründen.

Das ist eine recht kurze Phase, um daraufhin zu entscheiden, dass man beruflich etwas zusammen machen möchte, oder?

Nora: Es gibt viele Leute, die zusammen ein Unternehmen gründen, obwohl sie zuvor nur befreundet waren und nie miteinander gearbeitet haben. Das kann immer gut gehen und immer schief gehen.
Susann: Den tatsächlichen Alltag kann man ohnehin nicht trainieren. Es ist etwas ganz anderes, wenn man gemeinsam in einem Unternehmen tätig ist, mit jeweils klaren Funktionen innerhalb eines größeren Teams und einer vorgegebenen Struktur, als wenn man sich eine gemeinsame Unternehmenskultur aufbauen möchte.

Welche Eigenschaften schätzt ihr aneinander am meisten, sowohl beruflich als auch persönlich?

Susann: Wir haben ein gutes Gespür füreinander, sodass wir am Ende stets konsensfähig sind. Zwar kommen wir nicht immer aus der gleichen Richtung, aber wir können uns stets so annähern, dass wir doch letzten Endes eine gemeinsame Vision entwickeln. Ich glaube, das Wichtigste sind die Unternehmenswerte und das Ziel, auf das wir beide hinarbeiten, und dass eigene Befindlichkeiten und das eigene Ego hintenangestellt werden.

Man braucht dieses Korrektiv, das Gefühl, dass es „allen passiert“, und das fehlt häufig in der Start-up-Szene. Susann Hoffmann

Was habt ihr als Gründerinnen eines erfolgreichen Medienunternehmens schon gemeinsam gemeistert, und wie habt ihr diese Herausforderungen bewältigt?

Nora: Am dramatischsten war das erste Jahr, als wir auf Liquiditätsprobleme gestoßen sind. Wir mussten relativ ernste Gespräche mit dem Team führen und parallel die ganze Zeit weiter versuchen, Investoren zu finden. Das war sehr unangenehm. Wir hatten hierzu einige strategische Überlegungen, aber auch viel Glück, sodass wir am Ende aus der Situation herausgekommen sind. Das war auch dem starken Zusammenhalt innerhalb des Teams zu verdanken. Das ist eine Situation, in der sich natürlich viele Unternehmen mal befinden, über die allerdings sehr ungern gesprochen wird.
Susann: Der Austausch über die Hürden ist sehr selten, wobei genau dies einen bestärken würde. Um das mit dem Muttersein zu vergleichen: Wenn ich dasitze und andere Mütter sehe, deren Babys schreien, ist das für mich das schönste Gefühl, denn dadurch realisiere ich, dass es auch anderen passiert und nicht nur mir. Man braucht dieses Korrektiv, das Gefühl, dass es „allen passiert“, und das fehlt häufig in der Start-up-Szene.

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Wie habt ihr gemeinsam die Babypause vorbereitet, welche Rolle übernimmt Nora im Moment in der Firma?

Nora: Mit dem Tagesgeschäft beschäftigt Susann sich momentan nicht, aber mental stark mit der Strategie. Vielleicht sogar etwas mehr als ich, da ich wiederum sehr in das Tagesgeschäft involviert bin. Für die anderen Bereiche, die ich vorher nicht gemacht habe, haben wir es gelöst, indem ich bereits zuvor an Meetings teilgenommen habe und langsam step by step von Susann ins Boot geholt wurde. Es gab dennoch in den vergangenen Monaten immer wieder Momente, in denen ich Susann angerufen und nach Rat gefragt habe. Vor der Babypause haben wir für gewöhnlich in einem Raum gesessen und dabei viele Sachen besprochen. Der Austausch fehlt einem. Man merkt, dass einiges länger dauert, weil man entweder intensiver über etwas nachdenken muss oder auf das Gespräch mit dem anderen wartet. Das ist die größte Umstellung.

Susann, wie hast du die Zeit nach der Geburt organisiert, und wann willst du wieder voll einsteigen ins Alltagsgeschäft?

Susann: Durch meinen Kaiserschnitt musste ich mich sowohl im Krankenhaus als auch zu Hause etwas länger erholen und danach erst einmal ankommen: das Kind verstehen, mit den neuen Rhythmen zurechtkommen. Jetzt in der neunten Woche spielt sich das bei uns gut ein: Mein Partner und ich sind in einer glücklichen Situation, da wir Verständnis für die Themen des anderen und gleichzeitig Flexibilität haben, um uns gegenseitig zu unterstützen. Wir werden ungefähr ein 50-50-Modell fahren, sodass wir beide unsere Arbeit erledigen können.

Edition F: Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert

Hat der Familienzuwachs eure Perspektive auf Edition F verändert? Verschiebt sich jetzt etwas in der persönlichen und beruflichen Zielsetzung bei euch beiden?

Nora: Abschließend kann man das zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir beide wussten schon, dass wir irgendwann Familie haben wollen und ich glaube durchaus, dass dies die Gesamtperspektive der Menschen verändert: Familie steht dann an erster Stelle. Als Unternehmer hat man die Freiheit, andere Modelle zu finden, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Es ist auch wichtig, sich diese Modelle als Arbeitgeber anzusehen. Unsere Redaktionsleiterin beispielsweise ist einige Monate nach unserer Gründung Mutter geworden, war anschließend sechs Monate im Mutterschutz und kam schließlich wieder Vollzeit zurück. Das war nur möglich, da wir uns sehr flexibel gezeigt haben bezüglich ihrer Arbeitszeiten. Diese Freiheit gibt es in großen Corporate-Unternehmen häufig nicht.
Susann: Jetzt als Mutter habe ich noch einmal ein anderes Verständnis und kann nachvollziehen, wie bestimmte Sachen von Müttern im Team wahrgenommen werden. Ich glaube, auch für die Leserschaft ist es gewissermaßen ein Beweis, dass Edition F das lebt, was es nach außen ist: alles für arbeitende Mütter, die mehr wollen, als einen Job als Kleinangestellte oder Hausfrau zu sein.

Edition F: Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert

Was ist für 2017 bei euch geplant?

Susann: Wir wollen der Vision noch stärker gerecht werden. Für uns stand von Anfang an im Mittelpunkt, eine digitale Community für starke Frauen und Frauen, die mehr im Leben oder im Beruf wollen, aufzubauen. Eine solche Community formt sich über Menschen, die gemeinsam an etwas glauben oder eine Idee teilen, die sich einbringen und zusammenkommen. Dafür wollen wir verschiedene Community-Services anbieten, unter anderem Nutzern die Möglichkeit geben, sich auf der Plattform miteinander auszutauschen, und Community-Events veranstalten, die auch außerhalb von Berlin stattfinden, zum Beispiel in Hamburg, Köln, Frankfurt oder München. Genau das wird 2017 im Fokus stehen.

Viel Erfolg dabei und vielen Dank für das Interview!