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Ein Gefühl von Freiheit

Mercedes-Benz W 111 und Cassandra Steen.
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Cassandra Steen ist eine feste Größe in der deutschen Musikszene. Wir haben die Sängerin in einem W111 Cabriolet durch Stuttgart begleitet. Zwischen Weißenhofsiedlung und Weihnachtsmarkt erzählt sie uns von ihrer Arbeit, ihrem Drang nach Freiheit und dem Druck, der in der Branche auf Frauen lastet.

Schon mit 14 Jahren entscheidet sich Cassandra Steen dazu, eine klassische Gesangsausbildung zu machen. Drei Jahre später lernt sie die Mitglieder der Band Freundeskreis kennen, die sofort von ihrer Stimme begeistert sind. Mit ihnen (Max Herre, DJ Friction und Philippe Kayser) feiert Cassandra ihren Durchbruch. Es folgt ein kurzer Ausflug zu einem Musiklabel nach Hamburg, der aber nicht das bringt, was sich die junge Sängerin erhofft hat. Also macht sie einen Cut, kehrt zurück in die Heimat nahe Stuttgart und beginnt kurz darauf, mit Moses Pelham und Martin Haas an „Glashaus“ zu arbeiten – ein Herzprojekt, das schnell Früchte trägt. Seit 2009 ist Cassandra Steen verstärkt als Solokünstlerin unterwegs und beweist auch dabei, wie gut Soul und die deutsche Sprache harmonieren. Anfang 2017 erscheint das neue Glashaus-Album.

Sie machen seit Ihrer Jugend Musik. Wann wussten Sie, dass aus der Leidenschaft mehr werden würde?

Für mich stand sehr früh fest, dass ich etwas Kreatives machen will – nicht nur wegen des Gesangs, auch wegen der Idee von Freiheit, die ich damit verbinde. Ich liebe es, mein Leben frei gestalten zu können. In einem klassischen 9-to-5-Job könnte ich nicht glücklich werden.

Cassandra Steen: vor einem Panoramafenster

Ich liebe es, mein Leben frei gestalten zu können. In einem klassischen 9-to-5-Job könnte ich nicht glücklich werden. Cassandra Steen

Sie blicken inzwischen auf viele Hits zurück. Setzt Sie das bei der Arbeit an neuen Stücken unter Druck?

Ich persönlich habe da nie Druck verspürt. Der kommt meist von außen. Natürlich hat ein Hit auch positive Nebeneffekte, schließlich verdiene ich mit Musik meinen Lebensunterhalt. Trotzdem verstehe ich darunter eher etwas, das andere und auch mich selbst berührt. Wenn ich merke, dass mein Song für einen anderen Menschen eine Bedeutung hat, ist er für mich ein Hit. Es ist schade, dass es in der Branche oft um den Verkauf geht. Viele müssen sich irgendwann anpassen, um als Musiker überleben zu können. Dabei sollten Künstler frei sein. Sie sollten Freigeist sein und inspirieren.

Die Musikwelt scheint noch immer stark von Männern dominiert. Haben es Künstlerinnen Ihrer Ansicht nach schwerer in der Branche als ihre männlichen Kollegen?

Frauen haben es definitiv schwerer. Sie machen es sich aber auch schwerer. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Frauen sind oft sehr selbstkritisch, trauen sich weniger zu und rechtfertigen sich für Dinge, für die ein Mann sich nie rechtfertigen würde. Sie sollten viel mehr ihr Ding machen. Ich glaube, es ist gesund, wenn man gelernt hat, sich durchzusetzen. Als Frau wirst du auch viel stärker auf das Äußere reduziert – egal, was du kannst. Die Leute finden immer etwas, das falsch an dir ist, und die Branche ist sehr darauf ausgelegt, dich zu modellieren. Der Druck ist groß. Ich habe schon erlebt, dass Künstlerinnen sich unters Messer gelegt haben, weil es von ihnen verlangt wurde. Das geht gar nicht! Ich verstehe nicht, warum sich so viele immer wieder darauf einlassen. Mich interessiert so etwas nicht. Meine Stimme kann genug. Wem das nicht reicht: Tschüss!

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Frauen sind oft selbstkritischer, trauen sich weniger zu und rechtfertigen sich für Dinge, für die ein Mann sich nie rechtfertigen würde. Cassandra Steen

Ist es wichtig, sich mit anderen Frauen auszutauschen, damit sich an der Situation etwas ändern kann?

Ja, das finde ich wichtig und toll! Man braucht seine Nischen, aus denen man Inspiration zieht. Man kämpft viel zu oft für sich allein. Es ist wichtig, sich austauschen zu können mit Leuten, die in ähnlichen Positionen und Situationen sind. Gerade, wenn man sich in einer Männerdomäne bewegt.

Wie wichtig sind Ihnen Ruhephasen – vor allem, wenn Sie viel unterwegs sind?

Ruhe suche ich in jeder möglichen Sekunde. Ich stehe nicht auf das Burn-out-Syndrom (lacht). Ich brauche die Balance, um meinen Kopf frei zu bekommen. Zum Aufräumen der Seele ist es wichtig, sich zu entspannen. Man merkt dann schnell, dass manche Dinge einem in der Hektik viel wichtiger erscheinen, als sie eigentlich sind.

Wie viel Persönliches steckt in Ihren Songs?

Wenn ich selbst schreibe, bringe ich schon eigene Themen unter. Bei der Arbeit für andere ist es aber spannend, sich auch mal auf eine neue Perspektive einzulassen. Nur so wächst man ja als Künstler. Das ist zumindest meine Sicht. Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als in eine andere Welt eintauchen zu dürfen.

Cassandra Steen: steigt aus einem Mercedes-Benz W 111 aus

Sie haben erwähnt, dass Sie einen Mercedes-Benz fahren. Was macht für Sie ein gutes Fahrzeug aus?

Genau, ich fahre einen GLK, hatte aber auch schon das Glück, für knapp ein halbes Jahr die G-Klasse zu fahren. Das ist wirklich das ultimative Auto für mich. Ich habe zwei Hunde und die Größe ist perfekt. Das Auto sollte sich eben an die eigenen Lebensumstände anpassen. Wir fahren damit ja auch überall hin.

Gibt es einen Herzenswunsch, den Sie sich gerne noch erfüllen würden?

Mein Mann und ich planen eine kleine Tour mit den Hunden und dem Auto. Einfach spontan drauflos. Am besten für ein halbes Jahr. Zum Schreiben kann das sehr inspirierend sein. Ich weiß zwar noch nicht, wann und ob wir es wirklich hinbekommen – aber es ist ein Ziel.