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Ein Konzept von Ganzheit: Unterwegs mit Kaviar Gauche

Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler mit einem Mercedes-Benz GLE 350 d 4MATIC
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Bei Brautkleidern von Kaviar Gauche kommt so manche Braut ins Schwärmen. She’s Mercedes hat die Gründerinnen Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler durch ihre Heimatstadt Berlin begleitet.

Nur dreizehn Jahre nach seiner Gründung gilt das Label Kaviar Gauche als Synonym für Brautmode mit dem gewissen Etwas. Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler lernten sich während des Studiums an der ESMOD Berlin kennen und entdeckten schnell, wie ähnlich sie einander im Denken, aber auch in ihrem Design sind. 2004 folgte die Gründung ihres Labels, bereits 2007 wählte der „Stern“ Kaviar Gauche unter die zehn wichtigsten deutschen Modedesigner. Heute betreiben Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler mehrere Stores, und das Who is Who der deutschen Prominenz trägt bevorzugt ihre Kleider – vor dem Altar genauso wie auf dem roten Teppich. Ihre neuen Kreationen zeigen die Designerinnen mittlerweile ausschließlich in Paris, ihrer Heimat Berlin aber sind sie treu geblieben. She’s Mercedes hat das Duo auf einer Tour durch die Hauptstadt begleitet.

She’s Mercedes: Was ist die Idee hinter „Kaviar Gauche“? Wie kam es zur Namensfindung?

Johanna: Es ist eine Herleitung vom französischen Ausdruck „gauche caviar“1 und bedeutet so viel wie „linker Jetset“. Das beschreibt sehr gut den stilistischen Bruch, den wir bei unseren Kollektionen im Blick haben. Einerseits sind die Looks sehr feminin, andererseits gibt es immer das Moment der Stärke, das wir vor allem durch kontrastierende Details schaffen. Daraus ergab sich schließlich die für uns signifikante Ästhetik, die wir über die Jahre weiterentwickelt haben.

1Anmerkung der Redaktion: „gauche caviar“ (franz., wörtlich übersetzt „linker Kaviar“) beschreibt mit ironischer Geste den eher linksorientierten, französischen Jetset, der sich vor allem im Zuge der 68er-Bewegung formierte. Gelangweilt vom eigenen Luxusleben, suchten seine Vertreter nach neuer Inspiration und glaubten, sie im Freigeist der 68er zu finden. Der Begriff ist ähnlich dem englischen Champagne Socialism oder dem aus Italien stammenden Radical Chic.

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Kaum eine Braut schwärmt nicht von Ihren Kleidern. Wie kam es zu der Entscheidung, sich auf Brautmode zu fokussieren? Was macht den Bereich für Sie so spannend?

Alexandra: Ein Kleid für den schönsten Tag einer Frau zu designen, ist etwas ganz Besonderes. Für uns war es seit jeher ein Grundbedürfnis, feminine Kleider im französischen Stil zu entwickeln. Schon früh haben wir diese Marktlücke in Deutschland erkannt und mit Schauspielerinnen zusammen Kleider für den roten Teppich designt. Schnell kamen dann die ersten Anfragen von Kundinnen, die diese Abendkleider in Weiß für ihre Hochzeit tragen wollten. Dies war der Grundstein für die Kaviar Gauche Bridal Couture.

Die Kaviar-Gauche-Frau strahlt eine immense Stärke aus, traut sich aber auch, ihre zarte Seite zu zeigen. Genau dieser Kontrast und diese Vielschichtigkeit stecken in den allermeisten Frauen und eben auch in unserer Mode. Alexandra Fischer-Roehler

Haben Sie schon früh auch wirtschaftlich gedacht?

Johanna: Ja, uns war von Anfang an klar, dass wir eine Luxusmarke gründen wollten. Wir hatten vorher bereits in größeren Häusern gearbeitet. Das hat unser Denken geschärft. Alexandra und ich sind beide sehr passioniert. Wir geben oft 300 Prozent und streben daher nach sinnvollen Resultaten, auch wirtschaftlich. In den ersten Jahren war es schwierig, von unserem Label zu leben, aber man kann nur langfristig Erfolg haben, wenn der wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt wird.

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Gibt es die typische Kaviar-Gauche-Kundin?

Alexandra: Sicherlich, die gibt es. Die Kaviar-Gauche-Frau strahlt eine immense Stärke aus, traut sich aber auch, ihre zarte Seite zu zeigen. Genau dieser Kontrast und diese Vielschichtigkeit stecken in den allermeisten Frauen und eben auch in unserer Mode. Es geht ja auch immer darum, die Balance der beiden Pole zu finden und mit der richtigen Kleidung die persönliche Schönheit zu unterstreichen.

Johanna: Wir arbeiten auch eng mit unseren Stores und Bridalmanagern zusammen und lernen darüber unsere Kundinnen kennen. Das ist zudem oft sehr inspirierend und aufschlussreich.

Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler neben einem Mercedes-Benz GLE 350 d 4MATIC

Ihre erste Kollektion zeigten Sie 2004 als Guerilla-Show vor der Boutique Colette in Paris. Warum lohnt es, ungewöhnliche Wege einzuschlagen, sich etwas zu trauen?

Johanna: Wer nicht von Anfang an Wege abseits der üblichen Pfade nutzt, läuft Gefahr, unterzugehen. Um ehrlich zu sein, so eine Aktion würden wir uns heute kaum noch trauen. Je reifer und etablierter man wird, desto mehr schreckt man vor dem Aufwand zurück, alles zu mobilisieren und eine Show praktisch völlig ohne Budget auf die Beine zu stellen. Doch wir hatten nichts zu verlieren. Im Nachhinein fragen wir uns manchmal, wie das eigentlich zu stemmen war.

Alexandra: Man muss als Unternehmerin Mut und sicherlich oft starke Nerven haben. Risiko besteht immer, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

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Ihr Job dreht sich darum, anderen zum schönsten und glücklichsten Tag ihres Lebens zu verhelfen. Wie definieren Sie Glück?

Alexandra: Glück ist ein sehr kostbarer Moment. Mit sich selbst zufrieden zu sein, ist etwas Unersetzliches und das größte Glück bedeutet sicherlich auch, eine unbeschwerte Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen.

Johanna: Wir sind generell beide sehr naturnah, gerne ziehen wir uns am Wochenende aus der Stadt zurück. Berlin ist insgesamt sehr schnell. Irgendwann merkt man immer mehr, dass man einen Ausgleich braucht – für sich und die Familie.

Wer nicht von Anfang an Wege abseits der üblichen Pfade nutzt, läuft Gefahr, unterzugehen. Johanna Kühl

Kaviar Gauche existiert seit knapp 14 Jahren. Dahinter stecken harte Arbeit und Disziplin. Wie motivieren Sie sich? Haben Sie eine klare Rollenverteilung?

Alexandra: Für uns war die Freude an der Sache immer das Wichtigste. Die Arbeit im Team hat viel zum Erfolg beigetragen. Schließlich geht man nicht nur für sich eine Verpflichtung ein, sondern auch für die anderen. Entscheidungen treffen wir gemeinsam. In manchen Phasen kümmert sich eine mehr um das Business, die andere mehr um das Design und umgekehrt. Das macht die Arbeit abwechslungsreich.

Sie haben Kaviar Gauche hier in Berlin gegründet, aber mittlerweile zeigen Sie die Kollektionen ausschließlich in Paris. Was unterscheidet die beiden Städte für Sie?

Johanna: Die Nähe zu Berlin hat einen historischen Ursprung. Der Standort versprühte damals so viel Energie, in Paris hätten wir wahrscheinlich keine drei Monate durchgehalten. Der finanzielle Druck dort ist immens. Wenn sich der Erfolg nicht früh einstellt, bleibt er oft ganz aus. Berlin ist da offener. Allerdings fehlt hier oft der gemeinsame Konsens, es gibt selten das eine große Ding, das alle begeistert. Das hängt auch mit den äußeren Faktoren zusammen. Im Ausland können Designer oft ganz anders planen, Nachwuchspreise sind eher darauf ausgelegt, über einen längeren Zeitraum zu unterstützen. In Berlin ist die nächste Saison gesichert, aber das war es dann auch. Trotzdem gibt es in Berlin viele tolle Personen, die sich engagieren, die versuchen, neue Modelle umzusetzen und die Dinge anders anzugehen.

Es geht ja auch immer darum, die Balance der beiden Pole zu finden und mit der richtigen Kleidung die persönliche Schönheit zu unterstreichen. Alexandra Fischer-Roehler

Was wünschen Sie sich für Kaviar Gauche und Ihr Team?

Alexandra: Wir sind sehr dankbar, dass wir ein großartiges Team und wirklich tolle Kundinnen haben. Zusätzlich stehen in nächster Zukunft noch ein paar sehr spannende Projekte an. Da kann man sich eigentlich nicht viel mehr wünschen, als dass man stets einen guten Ausgleich findet, um weiterhin zu wachsen, ohne das System zu überhitzen.

Vielen Dank für das Interview und den gemeinsamen Tag!

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