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Die Schürzenjägerin

Von wegen altbacken – die junge Modedesignerin Annelie Schubert interpretiert das einstige Mutti-Symbol neu

Kleingeblümt, möglichst knitterfrei und alles andere als modisch. Wenn es ein Kleidungsstück gibt, das auf den ersten Blick so viel Sex-Appeal ausstrahlt wie ausgewaschene Tennissocken, dann ist es wohl: die Schürze. Ganz anders sieht das die junge Modedesignerin Annelie Schubert. Und tatsächlich, wenn man das erste Mal die raffinierten Entwürfen der 29-jährigen sieht, fragt man sich, warum man eigentlich immer noch in T-Shirt und Blazer rumläuft, statt einfach eine ihrer Schürzen überzuwerfen. Denn wie sanft die Silhouette umschmeichelnde Schutzschilder verkörpern Schuberts Entwürfe all das, was moderne Frauen heute von sich und ihrem Outfit erwarten: subtile Sinnlichkeit und ausdrucksstarke Eleganz.

„Ich wünsche mir, dass Frauen sich in meiner Kleidung sowohl aufgehoben als auch erhaben fühlen“, erklärt die Designerin. Besser könnte man die Komplexität der modernen Weiblichkeit nicht auf den Punkt bringen – und schon gar nicht in einem Kleidungsstück. Dabei faszinierte Schubert zunächst vor allem die Form und der funktionale Charakter der Schürze: „Die lange Vorder- und offene Rückseite erlauben mir, zu anderen Kleidungsstücken wie T-Shirt oder Sweatshirt eine Verwandtschaft entstehen zu lassen und verschiedene Lagen sichtbar zu machen.“ Statt erkennbarer Jacken, Blusen oder Kleider werden bei Schubert so Details und Zusammenhänge sichtbar. Einzelne Bausteine, die sie zu einem schlüssigen Outfit zusammenfügt, das sich immer „irgendwo dazwischen“ befindet.

Ich wünsche mir, dass Frauen sich in meiner Kleidung sowohl aufgehoben als auch erhaben fühlen

Annelie Schubert

Ideenreiche Schneiderkunst und neue Silhouetten waren es, die Schuberts Entwürfe beim International Festival of Fashion and Photography in Hyères, einem der wichtigsten internationalen Modewettbewerbe, hervorhoben. Hier gewann die gebürtige Göttingerin im Frühjahr den Jury-Preis und wurde daraufhin von Mercedes-Benz und dem ELLE Magazin eingeladen, ihre Kollektion auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Frühjahr/Sommer 2016 zu präsentieren.

Es ist nicht allein die Vielseitigkeit ihrer Designs, die auf positive Resonanz stößt. Bei genauer Betrachtung erweisen sich ihre zusammengesetzten Looks als Bestreben, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir uns in einer Gesellschaft, die mehr und mehr von Dynamik und fließenden Identitäten geprägt ist, eigentlich in Zukunft kleiden werden. Ein lässig-formales, jungenhaft weibliches, immer einsatzbereites Kleidungsstück, das man im Nullkommanix überwirft um aus dem Haus rennen zu können, scheint dabei nicht die schlechteste Lösung.

01 14