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Kontinuität statt schneller Trends

Malaika Raiss: Fashion Designer
© Christoph Neumann
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Seit sieben Jahren führt Malaika Raiss bereits ihr gleichnamiges Fashion-Label. Längst ist die junge Designerin ein fester Bestandteil der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Am Rande des Laufstegs haben wir mit ihr gesprochen.

Für Modefans ist Malaika Raiss schon lange kein Geheimtipp mehr. 2010 gründete die Wahlberlinerin ihr Label und schoss mit ihren femininen Looks auf Anhieb durch die Decke. Zuvor studierte die gebürtige Hessin Mode in Mannheim und war Assistentin bei Lala Berlin und Sabrina Dehoff. Ein Gespräch über ihr Label, die täglichen Herausforderungen im Modegeschäft und die Frage, ob Weiblichkeit und Stärke ein Gegensatzpaar sein müssen.

Malaika Raiss: Fotowand.
© MALAIKARAISS

She’s Mercedes: Malaika, deine Kollektion trägt den Namen „No. 13“. Kannst du darüber etwas mehr erzählen? Wie kam es zu diesem Namen?

Malaika Raiss: Eine Kollektion setzt sich aus so vielen unterschiedlichen Themen zusammen. Wir fanden es schade, immer nur einen Aspekt für den Titel herauszupicken. Deswegen nummerieren wir jetzt. Mit den Kollektionen will ich eine kontinuierliche Story erzählen. Mir ist wichtig, dass jede Kundin ihren eigenen Look erschafft, unabhängig von Trends. Wir wollen Lieblingsstücke designen.

Man sollte sich nicht zwingen lassen, in der Mode einem bestimmten Leitbild zu folgen – vor allem, wenn es um Office Looks geht. Ich finde, eine Frau muss weiblich sein dürfen. Malaika Raiss

Was macht eine Frau aus, die sich nicht von Trends leiten lässt? Ist das für dich ein Zeichen von Stärke?

Ja, absolut. Eine Frau, die sich ihren Look und ihre Meinung nicht von kurzlebigen Trends diktieren lässt, ist immer auch auf spezielle Weise stark. Sie weiß genau, was sie will, und lässt sich nicht reinreden. Sie hat einen festen Plan und Durchhaltevermögen. Außerdem zieht sie sich nicht für andere an – weder für Männer noch für Frauen. Sie trägt das, was ihr gefällt, und zeigt damit, wie sie sich selbst sieht. Man sollte sich nicht zwingen lassen, in der Mode einem bestimmten Leitbild zu folgen – vor allem, wenn es um Office Looks geht. Ich finde, eine Frau muss weiblich sein dürfen. Viele Frauen denken aber, Weiblichkeit lenke von Seriosität ab. Dabei ist das überhaupt nicht der Fall.

Haben es Designerinnen schwerer, sich in der Branche durchzusetzen?

Eine Frau muss sich mehr durchbeißen, ja. Ich glaube außerdem, Männer sind tatsächlich die besseren Netzwerker. Für viele Frauen stellt sich irgendwann außerdem die Frage: Kind oder Karriere? Das zu vereinen, ist schwierig in einer Branche, in der man viel und saisonal arbeitet. Die Frauen, die es geschafft haben, zeigen allerdings deutlich mehr Kontinuität im Job als viele ihrer Kollegen, Isabel Marant oder Phoebe Philo zum Beispiel. Das ist ein wichtiger Punkt. In Modehäusern wird oft gewechselt, diese Frauen aber halten sich. Auch, weil sie Mode machen, die gekauft wird, denn ihre Kundinnen finden sich darin wieder. Das merken hoffentlich auch die männlichen CEOs der Konzerne.

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  • Malaika Raiss: Backstage
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    © Cathleen Wolf
  • Malaika Raiss: Laufsteg
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    © Kai Jakob
  • Malaika Raiss: Handtasche
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    © Cathleen Wolf
  • Malaika Raiss: Laufsteg
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    © Kai Jakob
  • Malaika Raiss: Backstage
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    © Cathleen Wolf
  • Malaika Raiss: Laufsteg
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    © Kai Jakob
  • Malaika Raiss: Backstage
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    © Cathleen Wolf
  • Malaika Raiss: Laufsteg
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    © Kai Jakob

Welchen Tipp würdest du jungen Nachwuchsdesignerinnen mit auf den Weg geben?

Zuerst einmal: Erfahrungen sammeln und noch kein eigenes Label gründen. Ohne finanziellen Rückhalt oder einen Konzern im Hintergrund ist das nämlich sehr schwer. Vor allem aber braucht man Leidenschaft. In der Modebranche zahlen sich zeitlicher und finanzieller Aufwand nicht immer gleich aus. Es braucht Geduld, und das geht nur mit Leidenschaft für die eigene Sache.

War es für dich ein Vorteil, dass du schon früh die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie brands4friends, oder ganz aktuell Edited, gesucht hast?

Auf jeden Fall. Mit Kooperationen erreicht man noch einmal ganz andere Zielgruppen. Das ist wichtig, um wachsen zu können. Wir machen aber auch gerne Projekte, bei denen wir uns designtechnisch ausleben können. Die „Star Wars“-Schmuckkollektion ist ein gutes Beispiel. Die war sehr wichtig für die Internationalisierung der Marke. Wir verkaufen heute nach Dänemark, Japan, USA, Australien – es ist verrückt. Die Kollektion hat uns viel Aufmerksamkeit gebracht. Für unsere Kundinnen ist Schmuck außerdem ein perfekter Einstieg in die Marke. Nicht jeder kann und will sich direkt einen Mantel für 400 Euro kaufen. So kann man sich erst einmal herantasten.

Malaika Raiss: Backstage
© Cathleen Wolf

Woraus ziehst du deine Inspiration für neue Kollektionen?

Ich bin wie ein Schwamm und sauge einfach alles in mich auf – Ausstellungen, Filme, Musik, Begegnungen. Deshalb folgt der Entstehungsprozess einer Idee auch keinem festen Schema. Ich sammle das ganze Jahr über Dinge. Wenn ich das am Ende alles vor mich lege, habe ich meistens schon das Gerüst für eine neue Kollektion. Es ist danach trotzdem noch ein langer Prozess, bis die Modelle funktionieren und so aussehen wie das Bild in meinem Kopf. Immerhin bin ich Perfektionistin. Ich stelle hohe Ansprüche an mich und auch an die, die mit mir arbeiten. Trotzdem muss man lernen, Kompromisse einzugehen, wenn man marktorientiert arbeiten will.

Ich bin eine eher ruhige Person. Die Fashion Week ist daher manchmal auch etwas anstrengend für mich. Doch wenn nach der Show alle ein Strahlen in den Augen haben, berührt mich das sehr. Das ist das Schönste an meinem Beruf. Malaika Raiss

Malaika Raiss: Fashion Designer
© Christoph Neumann

Nachdem wir so viel über deine Arbeit gesprochen haben: Wie lädst du deine Batterien nach all dieser Anstrengung wieder auf? Wie tankst du Energie?

Ich bin eine eher ruhige Person. Am liebsten sitze ich auf dem Sofa oder auf dem Bett und zeichne. Socializen tue ich, wenn ich muss. Die Fashion Week ist daher manchmal auch etwas anstrengend für mich. Doch wenn nach der Show alle ein Strahlen in den Augen haben, berührt mich das sehr. Das ist das Schönste an meinem Beruf. Ausgleich finde ich vor allem durch Freunde und Familie. Ich bin oft zu Hause, im Sommer fahren wir immer alle zusammen in den Urlaub. Auch lange politische Diskussionen führen wir immer mal wieder gerne. Das ist ein schöner Ausgleich zum bunten Mode-Zirkus (lacht).